Immer wieder Down Under

Vorabkommentar der Redaktion:

In letzter Zeit habe ich mich häufiger mit dem Thema „Correctness“ befasst. Sei es political correctness, oder andere, die Privatsphäre des Individuums betreffende correctness. Ich weiß nicht so recht, wie ich mich verhalten will.

Es fällt mir ein bisschen schwer meine Berichte zu verfassen, seitdem ich bei mehreren Gelegenheiten den Hinweis erhielt, dass ich nicht gerade zimperlich die Menschen beschreibe, die auf meiner Reise eine Rolle spielen. Den einen oder anderen hat das verletzt. Wie finde ich einen Weg meine Reise und meine ganz persönlichen emotionalen Erfahrungen authentisch zu beschreiben, ohne dabei den entsprechenden Leuten zu nahe zu treten? Ich will offen sein, aus meiner Perspektive ehrlich, ich will meine Eindrücke ungeschminkt rüberbringen, denn gerade das macht sie zu meiner Reise und irgendwie interessant. Und das tue ich eben mit all (meinen!) situationsbedingten, individuellen, kulturellen und menschlichen Augenklappen. Nobody is perfect. Ich weiß, dass ich manchmal starke Kritik äußere, aber ich versuche auch immer das Positive darzustellen und außerdem: selbst wenn mich das ein oder andere tierisch ankotzt (tut jetzt bloß nicht so, als ob euch das nicht auch manchmal so geht), heißt das erstens nicht, dass ich nichts Positives aus der Sache gewinnen kann und außerdem sagt das auch viel über mich, warum sonst reagiere ich so? Ich weiß jede Begegnung zu schätzen, auch wenn sie manchmal unerfreulich oder vielleicht sogar negativ ist. Vielleicht kommt das manchmal nicht so rüber.
Ich hoffe den Lesern (meist lesen die Betroffenen diesen Blog gar nicht….das ist es ja) ist stets klar, dass das alles immer eben nur MEIN Eindruck ist, dass meine Sicht eben nur Eine von vielen ist und die Menschen oder Situationen, die in meinen Berichten manchmal nicht so gut davon kommen, weit mehr sind, als das, was ich in Worte fassen kann und was mich zur gegebenen Zeit eben beschäftigte. Und wer austeilt, muss auch einstecken können. Daran arbeite ich natürlich genauso.

Möglicherweise werde ich in Zukunft manche Namen verändern, oder abkürzen. Nur was die Fotos betrifft, habe ich noch keine Lösung gefunden. Ich finde schwarze Balken in Fotos dämlich. Nur Landschaftsfotos zu zeigen ist langweilig. Und jeden Porträtierten um Erlaubnis zu bitten ist lästig. Wenn man päbstlicher sein will als der Papst, kommt man zu nix mehr. Darf ich daher an euch als mündige und intelligente Leser appelieren, meine Berichte stets unter dem Motto zu lesen: macht euch selbst ein Bild, wenn es euch näher interessiert. Und wenn diese Option nicht verfügbar ist, so macht euch einfach bewusst: Meine Realität ist nicht eure Realität, und schon gar nicht die einzige. Es ist meines Erachtens eben auch erlaubt sarkastisch, ironisch oder zynisch zu sein oder ein anderes der vielen rhetorischen Mittel zu nutzen, die wir in der Schule bis zum Erbrechen auswendig lernen mussten und ich traue euch zu, dass ihr meine Intention zwischen den Nuancen erkennt. Und, last but not least:

Am Arsch vorbei geht auch ein Weg. Glaubt nicht alles, was man euch sagt 😉

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In Denpasar am Flughafen erlebte ich ein blaues Wunder. Es sollte eine Erinnerung sein, dass selbst erfahrene Weltenbummler nicht vor Fehlern gefeit sind. Ich stand abflugbereit am Schalter, als das Drama seinen Lauf nahm. Haben Sie das Visum für Australien?
Ja,
sagte ich, ich habe es vorgestern online beantragt.
Die Dame mit dem aberwitzigen Hut auf den Haaren sah mich entgeistert an und tippte auf ihre Tastatur.
Da ist nix, sagt sie. Ohne Visum dürfen Sie nicht den Flug antreten.
Mein Herz sackte in die Hose. Es kann sich nur um ein paar Stunden handeln, sage ich, kann ich nicht fliegen und dann vor Ort warten, dass es ins System eingeloggt wird?
Sie telefoniert herum, ruft einen australischen Vertreter der Immigration an, der kurze Zeit darauf mit durchdringendem, harten Blick an den Schalter tritt. Er ist Australier, groß gewachsen, schon leicht angegraut. Er verkörpert die Kälte und Härte gut, die ich so oft bei Polizisten, Militärs und anderen Authoritäten sehe. Unmenschlich irgendwie. Sehr unaustralisch.
Mit fester Stimme fordert er meinen Pass. Mit dem Herz in der Hose gebe ich ihn ihm. Nicht weil ich vor ihm Angst habe, sondern weil ich ahne, dass ich heute keinen Flug mehr bekomme. Er schaut das Foto an, dann mich. Nur Härte in seiner Mine. Er sagt, dass ich wenig Ähnlichkeit mit dem Foto hätte, ich müsse ihm einen anderen Ausweis zeigen, um zu beweisen, dass ich das bin.
Meine brave Ehrfurcht beginnt in ungläubige, ungeduldige Wut umzuschwingen. Das ist jetzt nicht der Ernst, die wollen mir tatsächlich Angst einjagen, in dem sie an meiner Identität zweifeln?!
Ich erkläre, dass ich nur für einen Kurztripp nach Australien fahre und daher nicht mit allen meinen Dokumenten reise. Es liegt alles auf dem Boot. Ich habe nix in der Hand. Und selbst wenn, alle meine Ausweise haben das gleiche Bild. Ich hatte lange Haare. Jetzt sind sie ab. Aber das ist doch nix Ungewöhnliches. Ich hatte noch nie Probleme mit meinem Pass.
Es entwickelt sich so eine Art Verhör. Es ist unangenehm, weil diese Menschen immer die Taktik fahren, dich durch Verunsicherung zu einem Fehler zu zwingen. Es ist demütigend. Ich versuche mich am Riemen zu reißen und meiner Verzweifelung nicht mit Tränen Ausdruck zu verleihen. Ey, wie blöd ist das denn? Ich könnte mir in den Hintern beißen. Ich hätte nur ein paar Tage eher das Visum beantragen müssen, dann stünde ich jetzt nicht hier.
Er fragt nach einer Kreditkarte, ob ich mich damit ausweisen könne.
Ich sage ich besitze keine Kreditkarte und keine sonstigen Bankkarten.
Er fragt mich lauernd, wie ich mich dann finanziere und an Geld komme, sobald ich in Australien bin.
Ich sehe zwar nicht, was das mit meinem Visum zu tun hat, sehe nur, dass er hier wittert, dass ich krumme Geschäfte vorhabe, mit einem falschen Pass, oder illegaler Einwanderer sein werde. Das würde ihm nur so gefallen. Vielleicht erhofft er sich eine Schlagzeile in den Nachrichten und eine Beförderung zurück nach Australien. Ist bestimmt öde hier in Denpasar am Flughafen. „Australier enttarnt deutsche Hochstaplerin in Denpasar“. Es wäre der Höhepunkt seiner Karriere. Aber ich beantworte seine Fragen alle ehrlich, auch wenn mir bewusst ist, dass die Antworten ungewöhnlich sind und mich nicht gerade weniger verdächtig machen. Wie oft kommt es vor, dass jemand so reist wie ich und stets auf die Mithilfe anderer Leute angewiesen ist. Dass ich die Kreditkarte eines anderen dabei habe, für den Notfall, sage ich lieber nicht.
Du reist mit einem Pass, dessen Foto du nicht ähnlich siehst, du hast keine Kreditkarte und auch sonst keine Ausweise? fragt er mit einem drohenden Tonfall.
Ja, sage ich kleinlaut und ärgere mich, dass ich nicht, wie sonst IMMER, mit ALL meinen Habseligkeiten reise. Mein Gott, es wäre kein Umstand für mich gewesen. Aber auch das ist doch irgendwie Gesetz. Wenn es scheiße läuft, dann so richtig. Halbscheiße gibts nicht. Und wenn ich ehrlich bin, so würde das auch nichts daran ändern, dass der Fehler bei mir lag, nämlich dass ich zu spät ein Visum beantragt habe. Daran hätte auch ein anderes Foto auf einem anderen Ausweis nix geändert. Das weiß auch er, er genießt es nur mich zu foltern.

Eine gefühlte Ewigkeit später hat der Schalter geschlossen und ich stehe mit meinem Gepäck in dem leerer werdenden Flughafen. Es ist immerhin schon fast Mitternacht. Der Flieger ist weg und ich kann nichts weiter tun, als auf mein Visum zu warten und einen neuen Flug zu kaufen. Jetzt lasse ich meinen Tränen freien Lauf. Sitze an einer Wand und telefoniere mit einem fetten Kloß im Hals herum. Ich weine nicht des Fluges wegen, oder des Geldes. Das ist alles nur ärgerlich. Ich weine, weil ich es hätte wissen müssen und die Zeit gehabt hätte, mich rechtzeitig darum zu kümmern. Ich weine, weil ich weiß, dass in Australien jemand auf mich wartet und sehr enttäuscht sein wird.

Er ist nicht nur enttäuscht. Er ist auch sauer. Aus genau dem Grund, weshalb auch ich auf mich selbst sauer bin. Doch das alles bringt mir auch nichts, im Gegenteil es macht mich noch elender, ich frage mich sogar, warum ich überhaupt noch hin soll, wenn das die Reaktion ist, die ich bekomme. Ich laufe nun mit meinem Gepäck raus aus dem Flughafen und in die Stadt. Es gibt viele kleine Hostels und ich finde eine Bleibe für die Nacht. Erstmal schlafen.
Am nächsten Morgen fühle ich mich schon etwas besser. Wieder telefoniere ich hin und her, suche im Internet nach Flügen, schaue stündlich, ob mein Visum endlich eingeloggt wurde. Nix.

Zweiter Tag. Immernoch nix.
Ich gehe wieder an den Strand und beobachte die Drachen. Jeden Tag laufe ich mehrfach zum Flughafen, die Leute scheinen mich schon langsam wieder zu erkennen.

Dritter Tag.
Gegen Mittag ist das Visum da, ich buche sofort einen Flug und vertrödel den Rest des Tages wieder am Strand bei den Drachen. Schlecht habe ich es mir nicht gehen lassen die letzten drei Tage. Am Abend stehe ich am selben Schalter, wo das Drama begann. Völlig ohne Probleme wird mein Check-in abgewickelt und ich kann zum Flug fortfahren. Keine Fragen wegen meines Passfotos, kein gar nichts. Welch seltsame Sache. Es wirkt alles wie ein schlechter Traum.
Am nächsten Morgen stehe ich in Brisbane und kann so gar nicht fassen, dass ich innerhalb weniger Stunden die Strecke zurückgelegt habe, für die ich mit dem Boot mehrere Monate brauchte. Während des Flugs habe ich mich die ganze Zeit unwohl und irgendwie entwurzelt gefühlt.

Die nächsten vier Wochen verbringe ich in der Nähe von Brisbane mit Y. Wir kennen uns vom Klettern und versuchen eine Fernbeziehung zu führen. Es geht ständig auf und ab, oft ab. Darum bin ich hier.
(Jetzt guckt euch mal diese geile Gallerie an! Wieder was gelernt! ;-P Mit der Maus anklicken und vergrößern)

Wir verbringen die nächsten Wochen überwiegend in der Natur, denn wie ich, hat sich Y. für ein Leben on the road entschieden. Gleich am ersten Morgen sehen wir beim Erwachen, dass nur wenige Meter von uns diese wunderschöne Python ihr Nachtlager aufgeschlagen hat. Einen Australier vermag sie nicht mehr zu beeindrucken, aber ich bewundere ihr wunderschönes Muster mit sicherem Abstand durch meine Kamera.

Nicht selten könnten wir uns gegenseitig zum Mond schießen; wir taten uns mit der Ferne schwer, vor allem er, doch auch zusammen ist es nicht leicht, vor allem für mich. Aber ich bin dankbar für die Welt, in die Y. mich mitnimmt; sie begeistert mich und ich fühle mich darin wohl. Es ist eine Welt der Zirkusleute, schräger Vögel, der Nomaden, der bunten Ökos, Künstler und Artisten. Es weckt auch bei mir wieder den Spieltrieb, das innere Kind und beweist einmal mehr, wie wohl ich mich mit meinem Leben „on the road“ und unter solchen Aussteigern fühle. Ich bewundere Y. für seine großartigen Talente und Stärken, bewundere seine Stringenz Dinge mit seinem ganzen Wesen durchzuziehen. Es ist auch genau der Wesenszug, mit dem ich häufig anecke. Was er durchziehen will ist eben nicht immer das, was ich durchziehen will. Auch ich habe meine Prinzipien und lasse mich nicht gerne von meinem Weg abbringen. Manche nennen es stur 😉 manchmal ist es Selbstliebe. Da stoßen zwei Esel aufeinander. Ich bin glücklich in seiner Welt, aber ich bin nicht glücklich mit der Beziehung. Noch eine Ganze Weile sehe ich selbst darüber hinweg, zu schnell will ich eben auch nicht aufgeben, mir nicht schon wieder vorwerfen lassen, dass ich gleich das Handtuch werfe, wenn es brenzelig wird. Wir lernen viel miteinander.

Die Nomaden treffen sich am Strandparkplatz.
Schräge Vögel. Ich finde ich passe da ganz gut rein ;-P

In den vier Wochen unternehmen wir viel. Werden kreativ, gehen klettern, wandern, schwimmen. Ich übe mit meinem Poi, übe auch auf Y’s Slackline. Natürlich kommt keiner ran an das was er macht. Darin ist er wirklich ein Ausnahmetalent und ich hoffe sehr, dass er seinen Wunsch erfüllen kann, mit seiner Kunst irgendwann seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Auch besuchen wir die Holzwerkstatt seines Vaters, das reinste Schlaraffenland für mich. Gemeinsam arbeiten wir an ein paar Projekten in der Werkstatt, was uns beiden enorm viel Spaß macht. Ich baue mir einen „Massagestock“, um während meiner Segelwachen meinen immer verspannten Rücken zu kneten und wir bauen einen Kleiderschrank hinter den Beifahrersitz vom Auto, das zugleich auch Zuhause ist. In der Werkstatt sind wir ein gutes Team. Der Schreiner und der Schlosser.

Miri ist happy. Endlich wieder werkeln.
Wie aus der Muppetshow. Die erste Spinne, die ich niedlich finde. Sie ist kleiner als ein Marienkäfer.

Die Zeit geht schnell vorbei. Australien gefällt mir bislang jedes Mal. Ich mag die Menschen und Natur gibt es mehr als genug. Ich denke, hier könnte ich leben ^^
Am Ende des Besuchs steht neben einigen Besorgungen fürs Boot aber noch das Allerwichtigste an: ein Einkauf bei ALDI, hehe. Ich muss meinen Vorrat an Zartbitterschokolade und Erdnussbutter für eine gesunde Überquerung des indischen Ozeans aufstocken, ehe ich nach Bali zurückfliege zur Kama 😉

Sehr gemütliches Leben on the road <3

Indonesien

Hallo ihr Lieben! Der letzte Beitrag hatte ja ziemlich viel Text, diesmal ist es nicht ganz so krass, keine Sorge ^^ Mehr Bilder für euch und garantiert Coronofrei 😉 Bleibt gesund und munter! Und hey, besonders stolz bin ich darauf, dass ich jetzt auch gelernt habe Videos hochzuladen 😀 Nur wie ich die Referenzvideos, die zum Schluss kommen, wegkriege weiß ich noch nicht. Bitte ignoriert sie, sie stehen in keinerlei Zusammenhang mit meinen Inhalten!!!

Welcome to Indonesia!!! Es ist das erste Land in dem die Einwanderungsbeamten ein Foto explizit WÜNSCHEN. Da habt ihr es.

Ungefähr vier Wochen verbrachte ich in Indonesien. Um es mit wenigen Worten zusammen zu fassen, wähle ich: Bunt, Chaotisch, Zeit-ist-relativ, alles ist „no problem“, lecker, freundlich bis unterwürfig, abwechslungsreich, lebendig und vielfältig.

Von Indonesien ist mir aber leider vor allem eines in Erinnerung geblieben: PLASTIKMÜLL. Und wieder einmal stelle ich fest, die Zeit reicht mir hinten und vorne nicht, um das Land einigermaßen kennen zu lernen.

Aber kommen wir erst zu den vielen tollen Eindrücken. In Kupang wurden wir herzlichst behandelt, nur die Verständigung war zum ersten Mal auf meiner Reise ein Hindernis. Da stand ich vor unbekannten Herausforderungen, die aber dank der hilfsbereiten und fröhlichen Art der Indonesier und Google Translate eine lustige und bereichernde Erfahrung darstellten. Zwei ein halb Jahre lang folgte ich der „Kolonialroute“ und kam mit meinen europäischen Sprachkenntnissen immer hervorragend zurecht. Genau genommen gehört auch Indonesien zur Kolonialroute (es gibt ja kaum was, was die Europäer nicht erobern wollten), aber sprachlich bewegte ich mich nun zum ersten Mal auf Neuland.

Bei der Kontrolle des Bootes tauchte zunächst eine halbe Fussballmannschaft von Beamten des Zolls, der Immigration, der Gesundheitsbehörde und des Hafenmeisters auf. So viele waren es noch nie gewesen. Sie hatten offensichtlich nicht besonders viel Ahnung von Booten, denn die vielen Verstecke eines Boots kannten sie offensichtlich nicht. Allerdings spielten sie ihre Macht auf andere Art aus: Sie baten mich sämtliche Medikamente und Lebensmittel zu präsentieren, deren Verfallsdatum überschritten sei. Ich tippte bei Google Translate ein „alles auf diesem Boot ist abgelaufen“. Die Dame im Kittel fiel beinahe in Ohnmacht. Aber es ist tatsächlich auf Booten so! Viele Dinge sind abgelaufen, liegen schon seit dem späten 17 Jahrhundert in den Schapps… Ich fragte mit Google weshalb sie die Sachen konfiszierten, es würde uns ein Vermögen kosten vor allem die Medikamente neu zu erwerben. Die Antwort war: abgelaufene Medikamente und abgelaufene Lebensmittel verursachten Vergiftungen.

Ich fragte mich stattdessen, ob sie die Medikamente dann einfach in der Bevölkerung verteilen, oder weiter verkaufen. Wir haben jedenfalls erstmal gejammert, das können wir ja besonders gut 😉 aber ich hatte halt noch nie Probleme mit abgelaufenen Medikamenten oder Lebensmitteln, diejenigen die schonmal mit mir wohnen mussten, die wissen wie schmerzfrei ich da manchmal bin. Hauptsache es wird nichts weggeworfen ^^

Am Ende der Durchsuchung hatten sie uns ALLE Medikamente (also etwa 100 Verpackungen) und einige Lebensmittel und zu unserem Leid auch eine Packung teurer Kaffeebohnen abgenommen. Die Kaffeebohnen waren nicht mit Verfallsdatum beschriftet, sondern mit dem Mahldatum, also eigentlich noch haltbar – und nun waren sie futsch. Zu unserem Glück kannten sie nicht die ganzen Stauräume eines Schiffes, denn sonst hätten sie uns noch sämlichen Dosenfraß und Fertiggerichte abgenommen und das Boot wäre leer gewesen. Naja, das wäre wohl auch nicht tragisch gewesen (aus meiner Sicht, hehe) aber Andi hätte sicherlich geweint.

Wir brauchten mehrere Tage bis der komplette bürokratische Kladderadatsch erledigt war, dann lehnten wir uns endlich entspannt zurück und genossen die Indonesische Ess- und Bierkultur. Fertig, so dachten wir, mit ca 30 ausgefüllten Zeddeln, einem hochheiligen „Grünen Buch“, das bei jedem zukünftigen Hafen vorzulegen sei, und einer lange Liste an Pflichten…Noch nie hatte das Einklarieren so lange gedauert.

Solche Straßenimbisse sind die besten, hier erholen wir uns von den bürokratischen Strapazen.

Später stellte sich heraus, dass uns natürlich doch noch ein weiterer hochheiliger Zettel nicht ausgehändigt worden war, ohne den wir angeblich nicht am Ende wieder ausreisen dürften – drei Wochen und einige erbitterte Verhandlungen später – wir waren natürlich schon weiter gesegelt – waren wir also endlich und wirklich komplett einklariert – bei vierwöchiger Aufenthaltsgenehmigung schon ein beachtlicher Rekord. Warum einfach, wenns auch kompliziert geht?

Soviel zu den Formalitäten. In Kupang begegneten uns die Menschen stets sehr freundlich, offen und interessiert. Sie wollten ständig Selfies mit uns machen, aber nie kamen wir uns belästigt oder belagert vor.

In Kupang gibt es noch wenig Tourismus und wir wurden immer wieder gefragt, ob man mit uns ein Selfie machen dürfe. Wie auch hier in einer Straßenküche, wie ich sie am liebsten mag. Dort essen, wo die Einheimischen essen. Das ist bislang immer das leckerste gewesen und sehr günstig.
Wieder Selfie-Time

Timor hat eine wunderbare Mischkultur. Jahrhunderte der Einflüsse von Christen, Moslems und Hindus haben hier ihren Fussabdruck hinterlassen. Laut Matthew, unserem „Agenten“, ist alles harmonisch. Er sagt Christen heiraten Moslems und Moslems heiraten Hindus, alles sei tolerant vermengt oder lebt parallel im Einklang. In der Stadt sieht man alles von der Kirche zum Tempel, denn Timor hat eine bewegte Besatzungsgeschichte von den Portugiesen zu den Niederländern und Japanern hinter sich und ist für Europäer vor allem wegen seines Sandelholzes (das nun weitgehend abgeholzt ist) berühmt und für Australier wegen einer Schlacht im Zweiten Weltkrieg, die verhindert hat, dass die Japaner in Australien einfallen. Das hatte mir Francis immer wieder mit eifrigem Patriotismus erzählt, nur war das bei mir ins eine Ohr rein und durchs andere wieder raus. Bis heute ist Timor in ein Ost- und ein Westtimor geteilt. Westtimor, wo wir waren, gehört seit dem zweiten Weltkrieg zu Indonesien. Osttimor ist gerade mal seit 2002 ein unabhängiger Staat.

Im Marktviertel Kupangs. Hier kaufen wir neuen Proviant.
Mit der Lampe durchleuchtet die Dame jedes einzelne Ei.
Das ist ja mal ein Sortiment!
An jeder Straßenecke ein Trinkwasserladen. Für Centbeträge gibt es gefiltertes Wasser. Wir besorgten für die KAMA 500 Liter Wasser, es kostete sage und schreibe 10 Euro.
Hauptverkehrsmittel: Scooter
In den nächsten Wochen bestelle ich mir hin und wieder durch Leute, die ich anspreche, über eine Smartphone App eine Mitfahrgelegenheit auf einem Scooter. Die Kinder sind auch oft dabei und sitzen vorne zwischen den Beinen des Fahrers.
700Wir werden bald Freunde mit der Familie, die ihr Haus direkt an unserer Dinghy Landestelle hat. Sie geben jeden Nachmittag einen lokalen Kaffee aus, der direkt in der Tasse aufgebrüht wird und sehr gut schmeckt, vor allem weil er auch viel Zucker enthält 😉
Auch unser Dinghy Wächter kommt vor der Abreise zum Gegenbesuch auf Kama und bringt seine Familie mit.
Mit Matthew, unserem „Agenten“ fahren wir an einem Affenwald vorbei und halten an. Auf manchen Inseln gelten die Makaken als heilig.

Über die nächsten Tage und Wochen segelten wir durch (einen kleinen Teil ) Indonesiens, das übrigens die gleiche Fahne wie Polen hat, nur umgekehrt, und mit über 17.500 Inseln der größte Inselstaat der Welt ist.

Komodo, Rinca, Lombok, Bali…Jede Insel war eine Welt für sich und landschaftlich wie kulturell anders als die letzte. Man könnte so viel entdecken! Allerdings waren alle Stopps nach Timor zu kurz, um Land und Leute mal besser kennenzulernen.

Komodo, die für ihre Warane berühmt ist, ist rein muslimisch. Leider herrschte hier ein anderes Klima als auf Timor und vor allem eines betrifft mich: es ist extrem vermüllt. Das Thema Müll, das bislang nur am Rande meines Bewusstseins stand, rückte hier auf drastische Weise in den Mittelpunkt. Beim Segeln sahen wir häufig Plastik im Wasser und wenn wir mal in einer Bucht einer ansonsten unberührten und unbesiedelten Insel ankerten, so waren die Strände meterweise mit Müll beladen; die wilden Tiere wie Hirsche, Wildschweine, Affen und Vögel suchten bei Ebbe zwischen all dem Abfall nach ihrer Nahrung zwischen den Muscheln und Mangroven.

Eine Schildkröte schwamm an uns vorbei. Ein Hinterfüßchen hatte sich in einer Plastikflasche verklemmt, sie hatte Schwierigkeiten zu schwimmen. Ich wollte unbedingt helfen, denn ich nehme an, dass ihr durch die Flasche das Jagen und Schwimmen erheblich erschwert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht wurde. Aber wir kamen nicht an sie heran und mussten zusehen, wie sie in der Ferne verschwand.

Das Ausmaß des Müllaufkommens wird deutlich, wenn man einen Blick auf die Navigationskarten wirft. In den neuesten Updates steht nun häufig als Ankergrund, wie z.B in Bali, neben Sand und Schlick auch PLASTIKMÜLL.

Mir ist klar, dass der Müll, der an den indonesischen Stränden liegt, nicht nur aus Indonesien kommt. Ein Teil wird mit Sicherheit durch die Meeresströmungen und Wind auch von weiter weg kommen. Es würde Jahre und die Hilfe von Tausenden von Menschen benötigen, um das alles aufzuräumen und es hat mir das Herz gebrochen. Sehr zum Leid Andis, denn fortan musste er meinem radikalen Plastikhass erdulden. Ich fragte mich fortan, wie wir auf dem Boot und bei unseren Einkäufen für die langen Passagen unseren Beitrag zur Müllreduzierung leisten können, was oft bedeutet, dass man lang einstudiertes Verhalten ändern muss, das manchmal vermutliche „Einbußen“ des Komforts mit sich bringt. Ich schreibe das bewusst in Gänsefüßchen, denn mal ehrlich, wie oft hat es denn wirklich mit Komforteinbußen zu tun, als vielmehr mit Bequemlichkeit und einer gewissen einstudierten Routine zu tun, die wir nicht aufgeben wollen, weil wir uns einfach dran gewähnt haben. Ich versuche jedenfalls jetzt so plastikfrei wie möglich zu leben.

Ankunft in Komodo.
Im Dorf Komodo lebt man mitten im Müll. Hier kommen selten Touristen hin.

Ein Besuch bei den Komodowaranen war den Abstecher definitiv wert. Nur der gleichnamige Ort gefiel mir wenig. Ich fühlte mich hier nicht so wohl und willkommen wie in Kupang. Hier leben fast nur Muslime und die Frauen waren verschleiert. Versteht mich nicht falsch, das ist ja an sich nichts schlimmes und das stört mich auch überhaupt nicht, aber irgendwie herrschte hier eine etwas feindselige oder zumindest invasive Grundhaltung. Ich wurde angestarrt und angerempelt (ich bedeckte mir nach wenigen Minuten die Schultern und Haare) und selbst die kleinen Jungs waren provokant und aufdringlich, respektierten meinen persönlichen Raum nicht. Das Dorf ist interessant, weil es anders ist als Kupang, auch gefällt mir der andere Baustil und die bunten Farben. Leider wurde es uns durch den Dreck und die seltsame Stimmung vermiest und wir reisten nach einer Nacht wieder ab. Irgendwie kam mir die ganze Situation eigenartig vor: Touristen aus aller Welt kommen in diese Gegend, um die Warane zu sehen, nur wenige Minuten vom Dorf entfernt und auf einer der zahlreichen kleinen Nebeninseln Schnorcheln zu gehen oder im Bikini auf dem Stand-Up-Paddle durch die Lagune zu stochern, oder auf einem aufgeräumten Strand mit pinkem Sand zu liegen und vom Hügel aus ein Foto für Instagram zu machen. Sie geben Geld aus für alle möglichen Outdooraktivitäten und um die Gegend zu bereisen und die Kultur kennen zu lernen. Direkt gegenüber, in Sichtweite, leben die Menschen im Dorf Komodo nach streng islamischen Traditionen und profitieren viel zu wenig von den vielen Touristen. Ihr Dorf ist umgeben von Müll und an den Seiten der Gassen laufen in offenen Kanälen die Fäkalien ins Meer und die Touristen bekommen von Kultur irgendwie wenig mit, was sie nicht selbst mitgebracht haben.

Die Besucher der Komodowarane kommen in Tagestouren auf Wohnbooten von einer der benachbarten Inseln mit Flughafen und statten dem Lokaldorf Komodo daher keinen Besuch ab. Das bedeutet leider auch, dass das Geld der Besucher letzen Endes an der unmittelbaren Lokalbevölkerung vorbei geht.
Ein Hüftschuss im Dorf von Komodo. Die Mädchen sind verschleiert und die Jungs tragen Gebetskappen.
Das sieht doch eigentlich ganz nett aus 😀 Schön bunt und gefegt. Der Dreck an den Rändern der Ortschaft und am Strand kommt mit Sicherheit nicht nur von hier.
In Komodo gefallen mir die bunten Stelzenhäuser.
Und da ist er. Ist er nicht wunderschön?! Auch wir tragen mit unserem Besuch im Nationalpark, wo wir diese beeindruckenden Echsen aus der Nähe sehen, einen Teil zum ungerechten Tourismus bei. Mist, wo setzt man die Grenze?
Sie sind wild und der Nationalpark sorgt mit wilden Hirschen und Wildschweinen dafür, dass sie immer satt sind 😉
Und natürlich sind die Riesenechsen eine wahnsinnig tolle Erscheinung.
Die Jungtiere sehen den australischen Goannas sehr ähnlich und sind tatsächlich artenverwandt.
Wahnsinn!!!

Vom ariden Komodo aus ging es zum tropischen Lombok. Dort ankerten wir vor einem „Gili“, das ist eine kleine vorgelagerte Insel. Ab hier war es dann vorbei mit der unberührten Natur Indonesiens, denn Lombok und Bali sind extrem touristisch und natürlich auch dichter besiedelt. Das Inland ist deutlich ruhiger, aber dahin kam ich nicht. Ich war sofort überfordert und verfiel in eine tiefe Krise. So viele Menschen, vor allem Ausländer, auch viele Deutsche natürlich ^^, alles sah aus wie aus einem Magazin. Die Mädels alle epiliert, gebräunt und geschminkt, mit perfekten Körpern in perfekten Bikinis in perfekt gestylten Clubs, Restaurants und Strandcafés. Yoga Stuben, Tattoostuben, Wellnessoasen und alles für ein bewusstes, modernes „Hippieleben“. Es gibt auf den Gilis keine Autos, nur Fahrräder, Scooter und Pferdekutschen und die Getränke werden mit Papier oder Bambusstrohhalm serviert. Mensch, die tun ja wirklich ökofreundlich und hip denke ich mir, aber die gute Laune der Menschen macht mich bockig. Geht es hier nur ums sehen und gesehen werden? Sie schafften es doch tatsächlich mich zu verunsichern. Ich fühlte mich hässlich und irgendwie völlig fehl am Platz, ich wurde auf einmal traurig und unsicher, weil ich das Gefühl hatte, ich sei nicht so glücklich, nicht so leuchtend und schön und nicht so gut wie all diese Menschen. Und weil ich mich in diesem Ökomärchenland nicht so toll fühle wie sie, weil es mir zu viele Leute sind, zu viele Schauspieler, und weil ich irgendwie vieles nicht für echt halte. Es wirkt wie eine Verkaufsmasche auf mich, aber hey, ist das nicht eigentlich egal? Sollen doch manche damit ruhig ihr Geld verdienen, denn es ist ja schließlich trotzdem gut für die Natur, dass hier weniger toxischer Müll anfällt, beziehungsweise mehr ans Recycling gedacht wird, habe ich mir das nicht selber gewünscht? Was ist nur mit mir los? Warum bin ich traurig, dass ich nicht in etwas reinpasse, in das ich eigentlich gar nicht reinpassen möchte? Irgendwas hier in diesem Umfeld versucht mir einzubilden, dass ich aber dazugehören wollen muss. Ich muss mich ständig daran erinnern, hey, du hast doch das beste Leben hier von allen, obwohl du keinen Muskel mehr hast, nicht genug Sport machst, nicht ganz so braun bist, obwohl du jeden Tag draußen bist und jeder Tag ein Bad Hair Day ist. Du schläfst auf einem Segelboot, die Quallen beißen dich, wenn du ins Wasser springst, der Wind bringt dich über den Horizont, du kommst seit drei Jahren fast ohne Geld aus und dein ökologischer Fußabdruck ist mit Sicherheit besser als der von den meisten Gästen hier…Und ich bin fast jeden Tag gut drauf und freue mich über mein Glück und würde nichts an meinem Leben ändern, warum denkst du jetzt du seiest doch nicht glücklich?

Der Wohlfühlkapitalismus des Gili vor Lombok stürzt mich in eine Krise 😉
Ein Bilderbuchlokal neben dem anderen. Es sieht aus wie eine heile Welt.
Auf den Gilis gibt es keine Autos.

Auf den Gilis sieht man die Einheimischen eigentlich nur als Dienstleister in der Tourismusbranche. Sie geben alles, um die Bedürfnisse der Reisenden zu befriedigen und ich werde das Gefühl nicht los, dass das Indonesien der Gilis ein Fake ist. So ähnlich wie chinesische Restaurants außerhalb Chinas, die Essen verkaufen, das kein Chinese kennt. Versuch mal in Peking eine Pekingente zu finden… Wo sind hier nur die authentischen Dörfer, Architekturen, Mahlzeiten und Beschäftigungen der Indonesier?

Ich sehe es nur nachts. Dann kommen Hunderte, ja sogar Tausende von Wasserläufern aufs Meer. Im Dunkeln und quasi unsichtbar. Die Feiernden in den Strandbars kriegen davon nichts mit, nur, wenn sie bis zum Morgengrauen durchhalten, wenn diese kleinen raffinierten Segelboote bei beginnender Dämmerung wieder Richtung Land segeln. Die Männer fahren jede Nacht raus und fischen.

Die indonesischen Geschwister der KAMA.
Nicht das was ihr denkt….Denn die Swastika, so heißt das Symbol, das die Nazis sich zu eigen machten, ist schon seit Jahrtausenden in vielen Kulturen des Altertums als Glückssymbol vertreten. Aus diesem Grund trifft man es hier in Indonesien ziemlich häufig an.

Nach Lombok folgte Bali. Die zwei Inseln liegen gar nicht weit von einander. Bei guten Sichtverhältnissen kann man die majästetischen Vulkane der jeweils anderen Seite sehen. Und dennoch sind die Inseln sehr verschieden. Bali – da kommen sofort Bilder hoch ist nämlich Hinduistisch, Lombok ist muslimisch. Diese wahnsinnig aufwendigen Schnitzereien an den Gebäuden und großartiges Kunsthandwerk, die Opfergaben, die Haustempel. Anders als bei uns ist die Ornamentik selbst bei Profanbauten anzutreffen und mit ihren vielen engen, verschlungenen Gassen, den bunten Farben, den exotischen Gerüchen nach Blumen und Gewürzen sind die balinesischen Ortschaften eine totale Sinnesüberflutung. Eine willkommene Konstante auf bisher allen Inseln ist „Bakso“. Eine einfache, aber sehr schmackhafte Brühe, die auf rollenden Straßenimbissen oder kleinen Kiosken („Warung“ genannt) verkauft wird und selbst nach Wochen noch mein Lieblingsgericht ist.

Die klare Brühe wird mit Fleischbällchen, Teigtaschen, frischen Kräutern, Glasnudeln oder Einudeln und gerösteten Zwiebeln serviert.
Die Drachenflieger gehören zu Bali wie die Radfahrer zu Holland.
Ob die Kama das auch kann, fragt sich A. gerade.
Eine typische Nebengasse in einem Viertel von Denpasar, der Hauptstadt von Bali. Links der Eingang zu einem Wohnhaus, wie ihr seht aufwendig verziert und mit einem kleinen Opferaltar aus Bambus versehen.
Viele Häuser haben diese kleinen Hausaltare, wo täglich kleine Geschenke an die Götter abgestellt werden. Jeden Tag werden diese kleine Päckchen mit viel Aufwand und Hingabe angefertigt.
Die Menschen schenken den Göttern Kekse, Blumen, eingefärbten Reis, Gewürze und Zigaretten 😀 Alles wird kunstvoll angerichtet.
Diese beiden arbeiten im Akkord an den Opfergaben.
Dieses großartige Kunsthandwerk steht in einem gewöhnlichen Wohnhaus. Bei uns in Europa wird sowas heute gar nicht mehr hergestellt und früher war es ein Privileg der Aristokraten und der Kirche ihre wichtigsten Gebäude zu schmücken und damit auch ihren Wohlstand und ihre Macht auszudrücken.
Auch dieses Bild zeigt ein gewöhnliches Haus in Denpasar.
Hier besichtigen wir nun einen Tempel.
Bemerkenswerte und durchaus furchteinflößende Gestalten erzählen ihre Geschichten.
Und vielerorts gibt es theatralische Aufführungen wie diese, die Mythen und Sagen vermitteln. Die Musik ist für europäische Ohren eine Härteprobe, doch die Kostume sind umwerfend.
Mit Andi mache ich eine total touristische Spritztour und schaue mir an, was viele sich anschauen.
Diese gigantischen Bauwerke sind schon beim Landeanflug auf die Stadt zu sehen. Das größte zeigt den Garuda Adler, das Wappentier des Landes.
Ein Kletterer muss die Flügel putzen. Das wäre doch was für mich 😉
Das Symbol des Garuda Adlers taucht überall auf.
Hurra, endlich mal jenseits der Pfade. Meine Euphorie hält nicht lange an, der Fahrer nimmt nur schnell eine Abkürzung durch die Reisfelder, bevor er wieder auf den Touri-Trail fährt.

Doch was mir immer am besten gefällt, ist das Entdecken der Pfade abseits des Massentourismus. Das unserem Taxifahrer zu verklickern ist schwierig, denn er glaubt, dass es nicht das ist, was wir sehen wollen und fährt uns dann doch immer wieder zu irgendwelchen Attraktionen, wie hier einer Kaffeeplantage, wo von bereits verdauten und ausgeschissenen Kaffeebohnen der teuerste Kaffee der Welt produziert wird.

Nach kurzer Zeit schon befinden wir uns an der nächsten – juhu – Touristenattraktion!

Wie kommt man auf sowas? Ich suche mir also ein kleines süßes Tierchen und frage mich, wie seine Scheiße schmeckt, denn vermutlich habe ich beobachtet, dass es die Kaffeefrüchte genau so gern isst, wie ich – und damit es mir bloß nix wegfrisst und vergeudet wird, esse ich jetzt mal seine Köttel und stelle fest – mensch, das ist ja ganz gut. Vielleicht kann ich diesen Kaffee für 100 Euro das Kilo verkaufen?

Gesagt, getan. Auch hier auf Bali gibt es den Cat Poo Kaffee. Den teuersten Kaffee der Welt. Eine Kostprobe ergibt, dass der Kaffee echt gut schmeckt. Jetzt muss man nur noch die Kätzchen dazu bringen möglichst viel zu scheißen…

So sieht das Lieblingsgetränk der Deutschen in seiner Frucht aus.
So sieht eine kackende Schleichkatze aus. Großartig, dass ich diesen Moment erleben durfte ^^

Dieses niedliche Tierchen heißt Luwak und ist eine so genannte Schleichkatze. Es ist überwiegend nachtaktiv und ernährt sich neben den Früchten der Kaffeepflanze von anderen Früchten, gelegentlich von Kleintieren, Eiern, frisch geschlüpften Küken und Insekten. Von den Kaffeefrüchten kann er aber nur das Fruchtfleisch verdauen, die Bohnen werden wieder ausgeschieden. Das Exkret wird von den Einheimischen eingesammelt. Dabei hilft dem Kundigen, dass die Schleichkatzen immer wieder an der gleichen Stelle ihr „Katzenklo“ aufsuchen. Die Bohnen werden gewaschen und leicht geröstet. Im Darm dieses Tieres sind die Kaffeekirschen einer Nassfermentation ausgesetzt, welche die Geschmackseigenschaften ändert und den so angepriesenen Geschmack produziert.

Zugegeben, dieser Abschnitt des Touri-Tagespakets hat mir gefallen. Dieser kleine Schnuffel war ja soooo flauschig. Und weil nachtaktiv, hat er gepennt und ließ sich zu meinem Entzücken streicheln 😉

Nochmal eine Abkürzung durch die Reisfelder (die Hauptstraßen sind ein einziger riesiger Stau) und dann gehts noch zur Batikfabrik und den Schnitzern.

Holz wie dieses bekommt man in Deutschland nur zu horrenden Preisen.
Wieder zuhause.

Der Tagesausflug war anstrengend, weil wir hauptsächlich mit dem Auto im Stau standen und wir an den Stopps mit den großen Massen konfrontiert wurden. Sowas ist für jeden ermüdend, aber für mich, die sonst wochenlang von wenigen Menschen umgeben ist, umso mehr. Doch der Ausflug hat eines auf schöne Art gezeigt: die Menschen hier verfügen über einen gigantischen Reichtum an kultureller Vielfältigkeit, Kunsthandfertigkeit und sind begnadete Künstler. Ihre Kultur ist so reich an Ideen und Können, dass es den Sinnen gar nicht gelingt, das alles in so kurzer Zeit zu absorbieren.

Auf meinen Alleingängen habe ich da etwas mehr Zeit mir das anzuschauen, wo andere dran vorbeigehen.

Auf Lombok zum Beispiel ist einiges bei einem Erdbeben 2018 kaputt gegangen. Überall sieht man kleine und große Bauvorhaben, oder Ruinen, die ihrem Schicksal überlassen wurden.

Indonesien. Es war schön.

Ich hätte auch mehr vom Land sehen können, aber ich traf eine Entscheidung. Ich habe dafür meine Regeln gebrochen und eine Ausnahme gemacht. Ich verbrachte nochmal vier Wochen in Australien. Mit dem Plane of Shame.