Indonesien

Hallo ihr Lieben! Der letzte Beitrag hatte ja ziemlich viel Text, diesmal ist es nicht ganz so krass, keine Sorge ^^ Mehr Bilder für euch und garantiert Coronofrei 😉 Bleibt gesund und munter! Und hey, besonders stolz bin ich darauf, dass ich jetzt auch gelernt habe Videos hochzuladen 😀 Nur wie ich die Referenzvideos, die zum Schluss kommen, wegkriege weiß ich noch nicht. Bitte ignoriert sie, sie stehen in keinerlei Zusammenhang mit meinen Inhalten!!!

Welcome to Indonesia!!! Es ist das erste Land in dem die Einwanderungsbeamten ein Foto explizit WÜNSCHEN. Da habt ihr es.

Ungefähr vier Wochen verbrachte ich in Indonesien. Um es mit wenigen Worten zusammen zu fassen, wähle ich: Bunt, Chaotisch, Zeit-ist-relativ, alles ist „no problem“, lecker, freundlich bis unterwürfig, abwechslungsreich, lebendig und vielfältig.

Von Indonesien ist mir aber leider vor allem eines in Erinnerung geblieben: PLASTIKMÜLL. Und wieder einmal stelle ich fest, die Zeit reicht mir hinten und vorne nicht, um das Land einigermaßen kennen zu lernen.

Aber kommen wir erst zu den vielen tollen Eindrücken. In Kupang wurden wir herzlichst behandelt, nur die Verständigung war zum ersten Mal auf meiner Reise ein Hindernis. Da stand ich vor unbekannten Herausforderungen, die aber dank der hilfsbereiten und fröhlichen Art der Indonesier und Google Translate eine lustige und bereichernde Erfahrung darstellten. Zwei ein halb Jahre lang folgte ich der „Kolonialroute“ und kam mit meinen europäischen Sprachkenntnissen immer hervorragend zurecht. Genau genommen gehört auch Indonesien zur Kolonialroute (es gibt ja kaum was, was die Europäer nicht erobern wollten), aber sprachlich bewegte ich mich nun zum ersten Mal auf Neuland.

Bei der Kontrolle des Bootes tauchte zunächst eine halbe Fussballmannschaft von Beamten des Zolls, der Immigration, der Gesundheitsbehörde und des Hafenmeisters auf. So viele waren es noch nie gewesen. Sie hatten offensichtlich nicht besonders viel Ahnung von Booten, denn die vielen Verstecke eines Boots kannten sie offensichtlich nicht. Allerdings spielten sie ihre Macht auf andere Art aus: Sie baten mich sämtliche Medikamente und Lebensmittel zu präsentieren, deren Verfallsdatum überschritten sei. Ich tippte bei Google Translate ein „alles auf diesem Boot ist abgelaufen“. Die Dame im Kittel fiel beinahe in Ohnmacht. Aber es ist tatsächlich auf Booten so! Viele Dinge sind abgelaufen, liegen schon seit dem späten 17 Jahrhundert in den Schapps… Ich fragte mit Google weshalb sie die Sachen konfiszierten, es würde uns ein Vermögen kosten vor allem die Medikamente neu zu erwerben. Die Antwort war: abgelaufene Medikamente und abgelaufene Lebensmittel verursachten Vergiftungen.

Ich fragte mich stattdessen, ob sie die Medikamente dann einfach in der Bevölkerung verteilen, oder weiter verkaufen. Wir haben jedenfalls erstmal gejammert, das können wir ja besonders gut 😉 aber ich hatte halt noch nie Probleme mit abgelaufenen Medikamenten oder Lebensmitteln, diejenigen die schonmal mit mir wohnen mussten, die wissen wie schmerzfrei ich da manchmal bin. Hauptsache es wird nichts weggeworfen ^^

Am Ende der Durchsuchung hatten sie uns ALLE Medikamente (also etwa 100 Verpackungen) und einige Lebensmittel und zu unserem Leid auch eine Packung teurer Kaffeebohnen abgenommen. Die Kaffeebohnen waren nicht mit Verfallsdatum beschriftet, sondern mit dem Mahldatum, also eigentlich noch haltbar – und nun waren sie futsch. Zu unserem Glück kannten sie nicht die ganzen Stauräume eines Schiffes, denn sonst hätten sie uns noch sämlichen Dosenfraß und Fertiggerichte abgenommen und das Boot wäre leer gewesen. Naja, das wäre wohl auch nicht tragisch gewesen (aus meiner Sicht, hehe) aber Andi hätte sicherlich geweint.

Wir brauchten mehrere Tage bis der komplette bürokratische Kladderadatsch erledigt war, dann lehnten wir uns endlich entspannt zurück und genossen die Indonesische Ess- und Bierkultur. Fertig, so dachten wir, mit ca 30 ausgefüllten Zeddeln, einem hochheiligen „Grünen Buch“, das bei jedem zukünftigen Hafen vorzulegen sei, und einer lange Liste an Pflichten…Noch nie hatte das Einklarieren so lange gedauert.

Solche Straßenimbisse sind die besten, hier erholen wir uns von den bürokratischen Strapazen.

Später stellte sich heraus, dass uns natürlich doch noch ein weiterer hochheiliger Zettel nicht ausgehändigt worden war, ohne den wir angeblich nicht am Ende wieder ausreisen dürften – drei Wochen und einige erbitterte Verhandlungen später – wir waren natürlich schon weiter gesegelt – waren wir also endlich und wirklich komplett einklariert – bei vierwöchiger Aufenthaltsgenehmigung schon ein beachtlicher Rekord. Warum einfach, wenns auch kompliziert geht?

Soviel zu den Formalitäten. In Kupang begegneten uns die Menschen stets sehr freundlich, offen und interessiert. Sie wollten ständig Selfies mit uns machen, aber nie kamen wir uns belästigt oder belagert vor.

In Kupang gibt es noch wenig Tourismus und wir wurden immer wieder gefragt, ob man mit uns ein Selfie machen dürfe. Wie auch hier in einer Straßenküche, wie ich sie am liebsten mag. Dort essen, wo die Einheimischen essen. Das ist bislang immer das leckerste gewesen und sehr günstig.
Wieder Selfie-Time

Timor hat eine wunderbare Mischkultur. Jahrhunderte der Einflüsse von Christen, Moslems und Hindus haben hier ihren Fussabdruck hinterlassen. Laut Matthew, unserem „Agenten“, ist alles harmonisch. Er sagt Christen heiraten Moslems und Moslems heiraten Hindus, alles sei tolerant vermengt oder lebt parallel im Einklang. In der Stadt sieht man alles von der Kirche zum Tempel, denn Timor hat eine bewegte Besatzungsgeschichte von den Portugiesen zu den Niederländern und Japanern hinter sich und ist für Europäer vor allem wegen seines Sandelholzes (das nun weitgehend abgeholzt ist) berühmt und für Australier wegen einer Schlacht im Zweiten Weltkrieg, die verhindert hat, dass die Japaner in Australien einfallen. Das hatte mir Francis immer wieder mit eifrigem Patriotismus erzählt, nur war das bei mir ins eine Ohr rein und durchs andere wieder raus. Bis heute ist Timor in ein Ost- und ein Westtimor geteilt. Westtimor, wo wir waren, gehört seit dem zweiten Weltkrieg zu Indonesien. Osttimor ist gerade mal seit 2002 ein unabhängiger Staat.

Im Marktviertel Kupangs. Hier kaufen wir neuen Proviant.
Mit der Lampe durchleuchtet die Dame jedes einzelne Ei.
Das ist ja mal ein Sortiment!
An jeder Straßenecke ein Trinkwasserladen. Für Centbeträge gibt es gefiltertes Wasser. Wir besorgten für die KAMA 500 Liter Wasser, es kostete sage und schreibe 10 Euro.
Hauptverkehrsmittel: Scooter
In den nächsten Wochen bestelle ich mir hin und wieder durch Leute, die ich anspreche, über eine Smartphone App eine Mitfahrgelegenheit auf einem Scooter. Die Kinder sind auch oft dabei und sitzen vorne zwischen den Beinen des Fahrers.
700Wir werden bald Freunde mit der Familie, die ihr Haus direkt an unserer Dinghy Landestelle hat. Sie geben jeden Nachmittag einen lokalen Kaffee aus, der direkt in der Tasse aufgebrüht wird und sehr gut schmeckt, vor allem weil er auch viel Zucker enthält 😉
Auch unser Dinghy Wächter kommt vor der Abreise zum Gegenbesuch auf Kama und bringt seine Familie mit.
Mit Matthew, unserem „Agenten“ fahren wir an einem Affenwald vorbei und halten an. Auf manchen Inseln gelten die Makaken als heilig.

Über die nächsten Tage und Wochen segelten wir durch (einen kleinen Teil ) Indonesiens, das übrigens die gleiche Fahne wie Polen hat, nur umgekehrt, und mit über 17.500 Inseln der größte Inselstaat der Welt ist.

Komodo, Rinca, Lombok, Bali…Jede Insel war eine Welt für sich und landschaftlich wie kulturell anders als die letzte. Man könnte so viel entdecken! Allerdings waren alle Stopps nach Timor zu kurz, um Land und Leute mal besser kennenzulernen.

Komodo, die für ihre Warane berühmt ist, ist rein muslimisch. Leider herrschte hier ein anderes Klima als auf Timor und vor allem eines betrifft mich: es ist extrem vermüllt. Das Thema Müll, das bislang nur am Rande meines Bewusstseins stand, rückte hier auf drastische Weise in den Mittelpunkt. Beim Segeln sahen wir häufig Plastik im Wasser und wenn wir mal in einer Bucht einer ansonsten unberührten und unbesiedelten Insel ankerten, so waren die Strände meterweise mit Müll beladen; die wilden Tiere wie Hirsche, Wildschweine, Affen und Vögel suchten bei Ebbe zwischen all dem Abfall nach ihrer Nahrung zwischen den Muscheln und Mangroven.

Eine Schildkröte schwamm an uns vorbei. Ein Hinterfüßchen hatte sich in einer Plastikflasche verklemmt, sie hatte Schwierigkeiten zu schwimmen. Ich wollte unbedingt helfen, denn ich nehme an, dass ihr durch die Flasche das Jagen und Schwimmen erheblich erschwert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht wurde. Aber wir kamen nicht an sie heran und mussten zusehen, wie sie in der Ferne verschwand.

Das Ausmaß des Müllaufkommens wird deutlich, wenn man einen Blick auf die Navigationskarten wirft. In den neuesten Updates steht nun häufig als Ankergrund, wie z.B in Bali, neben Sand und Schlick auch PLASTIKMÜLL.

Mir ist klar, dass der Müll, der an den indonesischen Stränden liegt, nicht nur aus Indonesien kommt. Ein Teil wird mit Sicherheit durch die Meeresströmungen und Wind auch von weiter weg kommen. Es würde Jahre und die Hilfe von Tausenden von Menschen benötigen, um das alles aufzuräumen und es hat mir das Herz gebrochen. Sehr zum Leid Andis, denn fortan musste er meinem radikalen Plastikhass erdulden. Ich fragte mich fortan, wie wir auf dem Boot und bei unseren Einkäufen für die langen Passagen unseren Beitrag zur Müllreduzierung leisten können, was oft bedeutet, dass man lang einstudiertes Verhalten ändern muss, das manchmal vermutliche „Einbußen“ des Komforts mit sich bringt. Ich schreibe das bewusst in Gänsefüßchen, denn mal ehrlich, wie oft hat es denn wirklich mit Komforteinbußen zu tun, als vielmehr mit Bequemlichkeit und einer gewissen einstudierten Routine zu tun, die wir nicht aufgeben wollen, weil wir uns einfach dran gewähnt haben. Ich versuche jedenfalls jetzt so plastikfrei wie möglich zu leben.

Ankunft in Komodo.
Im Dorf Komodo lebt man mitten im Müll. Hier kommen selten Touristen hin.

Ein Besuch bei den Komodowaranen war den Abstecher definitiv wert. Nur der gleichnamige Ort gefiel mir wenig. Ich fühlte mich hier nicht so wohl und willkommen wie in Kupang. Hier leben fast nur Muslime und die Frauen waren verschleiert. Versteht mich nicht falsch, das ist ja an sich nichts schlimmes und das stört mich auch überhaupt nicht, aber irgendwie herrschte hier eine etwas feindselige oder zumindest invasive Grundhaltung. Ich wurde angestarrt und angerempelt (ich bedeckte mir nach wenigen Minuten die Schultern und Haare) und selbst die kleinen Jungs waren provokant und aufdringlich, respektierten meinen persönlichen Raum nicht. Das Dorf ist interessant, weil es anders ist als Kupang, auch gefällt mir der andere Baustil und die bunten Farben. Leider wurde es uns durch den Dreck und die seltsame Stimmung vermiest und wir reisten nach einer Nacht wieder ab. Irgendwie kam mir die ganze Situation eigenartig vor: Touristen aus aller Welt kommen in diese Gegend, um die Warane zu sehen, nur wenige Minuten vom Dorf entfernt und auf einer der zahlreichen kleinen Nebeninseln Schnorcheln zu gehen oder im Bikini auf dem Stand-Up-Paddle durch die Lagune zu stochern, oder auf einem aufgeräumten Strand mit pinkem Sand zu liegen und vom Hügel aus ein Foto für Instagram zu machen. Sie geben Geld aus für alle möglichen Outdooraktivitäten und um die Gegend zu bereisen und die Kultur kennen zu lernen. Direkt gegenüber, in Sichtweite, leben die Menschen im Dorf Komodo nach streng islamischen Traditionen und profitieren viel zu wenig von den vielen Touristen. Ihr Dorf ist umgeben von Müll und an den Seiten der Gassen laufen in offenen Kanälen die Fäkalien ins Meer und die Touristen bekommen von Kultur irgendwie wenig mit, was sie nicht selbst mitgebracht haben.

Die Besucher der Komodowarane kommen in Tagestouren auf Wohnbooten von einer der benachbarten Inseln mit Flughafen und statten dem Lokaldorf Komodo daher keinen Besuch ab. Das bedeutet leider auch, dass das Geld der Besucher letzen Endes an der unmittelbaren Lokalbevölkerung vorbei geht.
Ein Hüftschuss im Dorf von Komodo. Die Mädchen sind verschleiert und die Jungs tragen Gebetskappen.
Das sieht doch eigentlich ganz nett aus 😀 Schön bunt und gefegt. Der Dreck an den Rändern der Ortschaft und am Strand kommt mit Sicherheit nicht nur von hier.
In Komodo gefallen mir die bunten Stelzenhäuser.
Und da ist er. Ist er nicht wunderschön?! Auch wir tragen mit unserem Besuch im Nationalpark, wo wir diese beeindruckenden Echsen aus der Nähe sehen, einen Teil zum ungerechten Tourismus bei. Mist, wo setzt man die Grenze?
Sie sind wild und der Nationalpark sorgt mit wilden Hirschen und Wildschweinen dafür, dass sie immer satt sind 😉
Und natürlich sind die Riesenechsen eine wahnsinnig tolle Erscheinung.
Die Jungtiere sehen den australischen Goannas sehr ähnlich und sind tatsächlich artenverwandt.
Wahnsinn!!!

Vom ariden Komodo aus ging es zum tropischen Lombok. Dort ankerten wir vor einem „Gili“, das ist eine kleine vorgelagerte Insel. Ab hier war es dann vorbei mit der unberührten Natur Indonesiens, denn Lombok und Bali sind extrem touristisch und natürlich auch dichter besiedelt. Das Inland ist deutlich ruhiger, aber dahin kam ich nicht. Ich war sofort überfordert und verfiel in eine tiefe Krise. So viele Menschen, vor allem Ausländer, auch viele Deutsche natürlich ^^, alles sah aus wie aus einem Magazin. Die Mädels alle epiliert, gebräunt und geschminkt, mit perfekten Körpern in perfekten Bikinis in perfekt gestylten Clubs, Restaurants und Strandcafés. Yoga Stuben, Tattoostuben, Wellnessoasen und alles für ein bewusstes, modernes „Hippieleben“. Es gibt auf den Gilis keine Autos, nur Fahrräder, Scooter und Pferdekutschen und die Getränke werden mit Papier oder Bambusstrohhalm serviert. Mensch, die tun ja wirklich ökofreundlich und hip denke ich mir, aber die gute Laune der Menschen macht mich bockig. Geht es hier nur ums sehen und gesehen werden? Sie schafften es doch tatsächlich mich zu verunsichern. Ich fühlte mich hässlich und irgendwie völlig fehl am Platz, ich wurde auf einmal traurig und unsicher, weil ich das Gefühl hatte, ich sei nicht so glücklich, nicht so leuchtend und schön und nicht so gut wie all diese Menschen. Und weil ich mich in diesem Ökomärchenland nicht so toll fühle wie sie, weil es mir zu viele Leute sind, zu viele Schauspieler, und weil ich irgendwie vieles nicht für echt halte. Es wirkt wie eine Verkaufsmasche auf mich, aber hey, ist das nicht eigentlich egal? Sollen doch manche damit ruhig ihr Geld verdienen, denn es ist ja schließlich trotzdem gut für die Natur, dass hier weniger toxischer Müll anfällt, beziehungsweise mehr ans Recycling gedacht wird, habe ich mir das nicht selber gewünscht? Was ist nur mit mir los? Warum bin ich traurig, dass ich nicht in etwas reinpasse, in das ich eigentlich gar nicht reinpassen möchte? Irgendwas hier in diesem Umfeld versucht mir einzubilden, dass ich aber dazugehören wollen muss. Ich muss mich ständig daran erinnern, hey, du hast doch das beste Leben hier von allen, obwohl du keinen Muskel mehr hast, nicht genug Sport machst, nicht ganz so braun bist, obwohl du jeden Tag draußen bist und jeder Tag ein Bad Hair Day ist. Du schläfst auf einem Segelboot, die Quallen beißen dich, wenn du ins Wasser springst, der Wind bringt dich über den Horizont, du kommst seit drei Jahren fast ohne Geld aus und dein ökologischer Fußabdruck ist mit Sicherheit besser als der von den meisten Gästen hier…Und ich bin fast jeden Tag gut drauf und freue mich über mein Glück und würde nichts an meinem Leben ändern, warum denkst du jetzt du seiest doch nicht glücklich?

Der Wohlfühlkapitalismus des Gili vor Lombok stürzt mich in eine Krise 😉
Ein Bilderbuchlokal neben dem anderen. Es sieht aus wie eine heile Welt.
Auf den Gilis gibt es keine Autos.

Auf den Gilis sieht man die Einheimischen eigentlich nur als Dienstleister in der Tourismusbranche. Sie geben alles, um die Bedürfnisse der Reisenden zu befriedigen und ich werde das Gefühl nicht los, dass das Indonesien der Gilis ein Fake ist. So ähnlich wie chinesische Restaurants außerhalb Chinas, die Essen verkaufen, das kein Chinese kennt. Versuch mal in Peking eine Pekingente zu finden… Wo sind hier nur die authentischen Dörfer, Architekturen, Mahlzeiten und Beschäftigungen der Indonesier?

Ich sehe es nur nachts. Dann kommen Hunderte, ja sogar Tausende von Wasserläufern aufs Meer. Im Dunkeln und quasi unsichtbar. Die Feiernden in den Strandbars kriegen davon nichts mit, nur, wenn sie bis zum Morgengrauen durchhalten, wenn diese kleinen raffinierten Segelboote bei beginnender Dämmerung wieder Richtung Land segeln. Die Männer fahren jede Nacht raus und fischen.

Die indonesischen Geschwister der KAMA.
Nicht das was ihr denkt….Denn die Swastika, so heißt das Symbol, das die Nazis sich zu eigen machten, ist schon seit Jahrtausenden in vielen Kulturen des Altertums als Glückssymbol vertreten. Aus diesem Grund trifft man es hier in Indonesien ziemlich häufig an.

Nach Lombok folgte Bali. Die zwei Inseln liegen gar nicht weit von einander. Bei guten Sichtverhältnissen kann man die majästetischen Vulkane der jeweils anderen Seite sehen. Und dennoch sind die Inseln sehr verschieden. Bali – da kommen sofort Bilder hoch ist nämlich Hinduistisch, Lombok ist muslimisch. Diese wahnsinnig aufwendigen Schnitzereien an den Gebäuden und großartiges Kunsthandwerk, die Opfergaben, die Haustempel. Anders als bei uns ist die Ornamentik selbst bei Profanbauten anzutreffen und mit ihren vielen engen, verschlungenen Gassen, den bunten Farben, den exotischen Gerüchen nach Blumen und Gewürzen sind die balinesischen Ortschaften eine totale Sinnesüberflutung. Eine willkommene Konstante auf bisher allen Inseln ist „Bakso“. Eine einfache, aber sehr schmackhafte Brühe, die auf rollenden Straßenimbissen oder kleinen Kiosken („Warung“ genannt) verkauft wird und selbst nach Wochen noch mein Lieblingsgericht ist.

Die klare Brühe wird mit Fleischbällchen, Teigtaschen, frischen Kräutern, Glasnudeln oder Einudeln und gerösteten Zwiebeln serviert.
Die Drachenflieger gehören zu Bali wie die Radfahrer zu Holland.
Ob die Kama das auch kann, fragt sich A. gerade.
Eine typische Nebengasse in einem Viertel von Denpasar, der Hauptstadt von Bali. Links der Eingang zu einem Wohnhaus, wie ihr seht aufwendig verziert und mit einem kleinen Opferaltar aus Bambus versehen.
Viele Häuser haben diese kleinen Hausaltare, wo täglich kleine Geschenke an die Götter abgestellt werden. Jeden Tag werden diese kleine Päckchen mit viel Aufwand und Hingabe angefertigt.
Die Menschen schenken den Göttern Kekse, Blumen, eingefärbten Reis, Gewürze und Zigaretten 😀 Alles wird kunstvoll angerichtet.
Diese beiden arbeiten im Akkord an den Opfergaben.
Dieses großartige Kunsthandwerk steht in einem gewöhnlichen Wohnhaus. Bei uns in Europa wird sowas heute gar nicht mehr hergestellt und früher war es ein Privileg der Aristokraten und der Kirche ihre wichtigsten Gebäude zu schmücken und damit auch ihren Wohlstand und ihre Macht auszudrücken.
Auch dieses Bild zeigt ein gewöhnliches Haus in Denpasar.
Hier besichtigen wir nun einen Tempel.
Bemerkenswerte und durchaus furchteinflößende Gestalten erzählen ihre Geschichten.
Und vielerorts gibt es theatralische Aufführungen wie diese, die Mythen und Sagen vermitteln. Die Musik ist für europäische Ohren eine Härteprobe, doch die Kostume sind umwerfend.
Mit Andi mache ich eine total touristische Spritztour und schaue mir an, was viele sich anschauen.
Diese gigantischen Bauwerke sind schon beim Landeanflug auf die Stadt zu sehen. Das größte zeigt den Garuda Adler, das Wappentier des Landes.
Ein Kletterer muss die Flügel putzen. Das wäre doch was für mich 😉
Das Symbol des Garuda Adlers taucht überall auf.
Hurra, endlich mal jenseits der Pfade. Meine Euphorie hält nicht lange an, der Fahrer nimmt nur schnell eine Abkürzung durch die Reisfelder, bevor er wieder auf den Touri-Trail fährt.

Doch was mir immer am besten gefällt, ist das Entdecken der Pfade abseits des Massentourismus. Das unserem Taxifahrer zu verklickern ist schwierig, denn er glaubt, dass es nicht das ist, was wir sehen wollen und fährt uns dann doch immer wieder zu irgendwelchen Attraktionen, wie hier einer Kaffeeplantage, wo von bereits verdauten und ausgeschissenen Kaffeebohnen der teuerste Kaffee der Welt produziert wird.

Nach kurzer Zeit schon befinden wir uns an der nächsten – juhu – Touristenattraktion!

Wie kommt man auf sowas? Ich suche mir also ein kleines süßes Tierchen und frage mich, wie seine Scheiße schmeckt, denn vermutlich habe ich beobachtet, dass es die Kaffeefrüchte genau so gern isst, wie ich – und damit es mir bloß nix wegfrisst und vergeudet wird, esse ich jetzt mal seine Köttel und stelle fest – mensch, das ist ja ganz gut. Vielleicht kann ich diesen Kaffee für 100 Euro das Kilo verkaufen?

Gesagt, getan. Auch hier auf Bali gibt es den Cat Poo Kaffee. Den teuersten Kaffee der Welt. Eine Kostprobe ergibt, dass der Kaffee echt gut schmeckt. Jetzt muss man nur noch die Kätzchen dazu bringen möglichst viel zu scheißen…

So sieht das Lieblingsgetränk der Deutschen in seiner Frucht aus.
So sieht eine kackende Schleichkatze aus. Großartig, dass ich diesen Moment erleben durfte ^^

Dieses niedliche Tierchen heißt Luwak und ist eine so genannte Schleichkatze. Es ist überwiegend nachtaktiv und ernährt sich neben den Früchten der Kaffeepflanze von anderen Früchten, gelegentlich von Kleintieren, Eiern, frisch geschlüpften Küken und Insekten. Von den Kaffeefrüchten kann er aber nur das Fruchtfleisch verdauen, die Bohnen werden wieder ausgeschieden. Das Exkret wird von den Einheimischen eingesammelt. Dabei hilft dem Kundigen, dass die Schleichkatzen immer wieder an der gleichen Stelle ihr „Katzenklo“ aufsuchen. Die Bohnen werden gewaschen und leicht geröstet. Im Darm dieses Tieres sind die Kaffeekirschen einer Nassfermentation ausgesetzt, welche die Geschmackseigenschaften ändert und den so angepriesenen Geschmack produziert.

Zugegeben, dieser Abschnitt des Touri-Tagespakets hat mir gefallen. Dieser kleine Schnuffel war ja soooo flauschig. Und weil nachtaktiv, hat er gepennt und ließ sich zu meinem Entzücken streicheln 😉

Nochmal eine Abkürzung durch die Reisfelder (die Hauptstraßen sind ein einziger riesiger Stau) und dann gehts noch zur Batikfabrik und den Schnitzern.

Holz wie dieses bekommt man in Deutschland nur zu horrenden Preisen.
Wieder zuhause.

Der Tagesausflug war anstrengend, weil wir hauptsächlich mit dem Auto im Stau standen und wir an den Stopps mit den großen Massen konfrontiert wurden. Sowas ist für jeden ermüdend, aber für mich, die sonst wochenlang von wenigen Menschen umgeben ist, umso mehr. Doch der Ausflug hat eines auf schöne Art gezeigt: die Menschen hier verfügen über einen gigantischen Reichtum an kultureller Vielfältigkeit, Kunsthandfertigkeit und sind begnadete Künstler. Ihre Kultur ist so reich an Ideen und Können, dass es den Sinnen gar nicht gelingt, das alles in so kurzer Zeit zu absorbieren.

Auf meinen Alleingängen habe ich da etwas mehr Zeit mir das anzuschauen, wo andere dran vorbeigehen.

Auf Lombok zum Beispiel ist einiges bei einem Erdbeben 2018 kaputt gegangen. Überall sieht man kleine und große Bauvorhaben, oder Ruinen, die ihrem Schicksal überlassen wurden.

Indonesien. Es war schön.

Ich hätte auch mehr vom Land sehen können, aber ich traf eine Entscheidung. Ich habe dafür meine Regeln gebrochen und eine Ausnahme gemacht. Ich verbrachte nochmal vier Wochen in Australien. Mit dem Plane of Shame.