Tante Berta gegen den Rest der Welt

Es sind grade mal zwei Wochen vergangen seit der letzten Meldung, aber ich muss sagen, dass schon so einiges passiert ist.

Treffen mit einigen alten Bekannten, von einer Grillfeier zur nächsten, Kakerlaken- und Mückenalarm, schlaflose Nächte, neue Freunde, Rudern als Boulderersatz, drei Jobs in zwei Wochen und mehrere Jobaussichten, politisches Engagement, und der Beweis, dass es auch hier Skorpione gibt….

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Fangen wir mal damit an, dass Mera am 10.12 gegen 17:30 ihren Sohn Noa zur Welt gebracht hat. Inzwischen muss er nicht mehr im „Brutkasten“ liegen, sondern ist mit Mera heim gefahren und nun heißt es für die vier noch mindestens drei Wochen verharren, bis alle Nachkontrollen erledigt sind. Ob sie dann, so kurz vorm Tapati, einen Flug bekommen, ist dann die nächste Frage.

Ich habe in der Zwischenzeit mit einigen Leuten gequatscht, die angedeutet hatten, dass ich für sie arbeiten könnte, aber es stellte sich heraus, dass sie jetzt so kurz vor Jahresende/Weihnachten und Neujahr auch erstmal auf neue Anweisungen warten und mir so lange auch nix anbieten können. Düdümm!  Etwas besorgt stellte ich fest, dass ich bei den hiesigen Preisen für Lebensmittel nicht weit mit meinem Startguthaben von knapp 100€ kommen würde. Die Einkäufe hier kosten das 3-4fache wie in Deutschland! Eine zufällige Begegnung mit Neka, einer Mitarbeiterin der Grabung meines Vaters, brachte dann spontane Hilfe. Ihre Mutter, die Tía Berta, betreibt einen Empanada Kiosk und sie bot mir an dort zu kellnern. Ich klapperte erst alle anderen Optionen ab und sagte ihr dann zu. Letzten Mittwoch war dann mein erster Arbeitstag. Erstmal durfte ich über ne Std auf die anderen Warten, weil diese sich, wie an den folgenden Tagen auch, verspäteten. 😛 danach wurde erstmal geputzt und alles aufgebaut, frischer Guavensaft gemacht und eingedeckt. Verrückt, dass schon um 11 die ersten Leute mit hoffnungsvollen Augen eine frittierte Thunfisch-Teigtasche essen wollen….tsss.

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die Tia Berta

Das Arbeiten dort hat mich finanziell abgesichert, aber nicht wirklich befriedigt. Die Tia Berta ist bekannt für ihre frittierten Empanadas und die Mittagsschicht empfinde ich als undankbar, weil die meisten Leute es eilig haben und ich dann teilweise ganz schön rennen muss. Verschnaufpausen gibt’s da kaum und die Klamotten stinken! Es gibt Leute die wollen ne Stunde vor ihrem Flug noch schnell ne Empanada bestellen!?
Die Tia Berta (Tante Berta) ist eine alte Frau, die ich vllt am besten als „gütigen Drachen“ bezeichnen würde. Sie schimpft viel und mit Inbrunst, vor allem auf ihren alten Mann, der ebenfalls mit hilft und sich gelegentlich davonschleicht, um eine zu Rauchen. Adán mag ich vllt deswegen so gern, weil er trotz der ganzen Schimpfe immer lieb und entspannt ist, den möchte man am liebsten abknutschen. Ich find das ist ein richtig goldiger Opi. Wenn ich bei einem Lied das mir gefällt ein wenig durch die Küche tanze,  dann stapft er auch Hüftewackelnd auf der Stelle und lacht ganz leise. Tia Bertas Tochter Neka, und deren zwei ältesten Töchter, Nico und Kava, helfen ebenfalls mit und übernehmen wechselnde Schichten und zeigen mir alles. Am Ende der Schicht bekomme ich sofort mein Geld und das aufgeteilte Trinkgeld.

Am Montag bevor ich bei Tia Berta angefangen habe, wurde ich spontan Teilnehmerin einer interessanten politischen Aktion. Der erst kürzlich wiedergewählte Bürgermeister veranstaltet alle vier Jahre, also immer kurz nach der Wahl, den sogenannten „Cabildo“, wo jeder teilnehmen darf, der seinen Beitrag zur Lokalpolitik leisten möchte. Sieben Themenzelte wurden aufgestellt und dort fanden Diskussionen zu den Wirkungsfeldern der Lokalpolitik statt: Bildung, Gesundheit, Infrastruktur und Urbanistik, Umwelt, Kultur, und Fischerei/Tourismus/Landwirtschaft/Handwerk. Die Zelte entsprechen grob den Abteilungen des Rathauses. In drei Durchgängen konnte man an den Diskussionen teilnehmen und am Ende jeder Runde Vorschläge, Kritik, Anregungen und Wünsche auf Post-its an die Themenwand kleben.
Zum Schluss wurden die Erkenntnisse grob zusammengefasst und allen Teilnehmern des Cabildo präsentiert. Diese Punkte sollen nun in das Arbeitsprogramm der Legislaturperiode einfließen und, wenn möglich, umgesetzt werden.
Da hab ich doch gleich eine Chance gesehen die Welt oder zumindest die Insel zu retten :-)) und prompt habe ich meinen Senf zu Umwelt, Infrastruktur und Urbanistik, sowie einem gesünderen Leben gegeben.
Erstens, niemand sollte mehr frittierte Empanadas essen! Äh Moment – dann bin ich ja arbeitslos! Zweitens: trinkt weniger Softdrinks und Alkohol! (Der Alkoholkonsum hier ist dramatisch) Und drittens: hört auf jeden Tag solche unchristlichen Mengen an Fleisch zu essen. Und ja, Huhn ist auch Fleisch! 😉 und noch vieles mehr…
Das Ganze hab ich natürlich viel seriöser und reflektierter formuliert 😉 Aber wenn ich das hier so seriös schreibe wie dort, schlaft ihr mir ja ein!
Zur Feier des Tages gab’s dann einen Umu, das sind Speisen aus einem polynesischen Erdofen. Und ratet mal was es dort gab, und zwar in solchen Mengen, dass ich das noch nie zuvor gesehen habe?! FLEISCH!
😮 Naja, es war ja auch ein feierliches Essen…es wird ja sonst nie gefeiert…3 Bleche der Größe einer Tür mit Rindfleisch und die gleiche Anzahl

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Suesskartoffel aus dem Umu

mit Süßkartoffeln. Mmmhh, die waren göttlich! Ca. 150 Leute haben an den Tischen gegessen und Riesenblätter dienten als Teller. Die Speisen selbst werden in Bananenblätter gewickelt, oder in diesem Fall abgedeckt, und in einem Erdloch durch heiße Steine gegart. Damit die Wärme nicht so schnell entweicht, wird alles mit Erde abgedeckt und so gart das Essen sehr langsam und schonend über mehrere Stunden, was dazu führt dass alles ganz saftig und zart ist. Wenns nach mir ginge, hätten die Süßkartoffeln gereicht, die waren ein Traum.

Ende der Woche, inzwischen regnete es seit zwei Tagen nonstop, trafen dann Freddy und Daniel auf der Insel ein, die im Flugzeug von Fra nach Rom neben mir saßen und insgesamt vier Wochen Chile bereisen. Wir hatten im Flieger Nummern ausgetauscht und uns verabredet. Wir unternahmen nach meiner Schicht was zusammen und am Samstagabend wollten wir Feiern gehen, was über Umwege auch tatsächlich geklappt hat. Nur der Weg dahin war lang, weil wir von Neka und Singa erstmal zu irgendwelchen anderen Locations abgeschleppt wurden. Die erste war ziemlich öde, die zweite war dann schon besser (eine Kneipe), wo sich Rodrigo und Diego uns anschlossen und wir schließlich gegen 02:00 in der Disko ankamen (vorher sollte man nicht gehen). Die Stimmung dort war super, die beats weitgehend monoton, aber zumindest meinen Geschmack entsprechend, und das Highlight ist eigentlich immer die Livemusik mit kurzer Tanzaufführung eines hiesigen Tanzensembles. Gegen 6 wurden wir alle langsam müde und saßen schon draußen und plötzlich waren Freddy und Daniel weg. Später erfuhr ich von den beiden, dass irgendein Typ Daniel auf der Herrentoilette vermöbeln wollte (er kam mit einem Tritt in die Rippen davon, was schon schlimm genug war) und sie deshalb so plötzlich geflüchtet waren. Gott sei Dank gings Daniel schon bald besser.

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Woche 2
Diese Woche habe ich auf einer Baustelle gearbeitet, das war cool! Zwar nichts weltbewegendes, aber immerhin Baustelle! Ich musste Malern und Zäune, Holzfäller, Wellblech und Regenrinnen streichen.
Parallel dazu hat sich ein Kontakt aufgetan, der hoffentlich demnächst meine Hilfe als Schlosser gebrauchen kann. Er hat den Auftrag am Museum einige Elemente zu erneuern, unter anderem eine neue Stahltreppe und ein Geländer. Das wäre genial, wenn das klappen würde!

In Vai Tea, der Baustelle dieser Woche,  habe ich mit Mahina gearbeitet. Sie ist so alt wie ich, hat Architektur studiert und sich dieses Jahr selbstständig gemacht. Wir haben uns auf Anhieb super verstanden und nach dieser Woche bin ich mir fast sicher, dass wir Zwillinge sind. Oder zumindest sein werden. Oder so.
Kennt ihr das wenn man jemanden kennenlernt und denkt, Boa geil, der denkt und fühlt genau wie ich!
Zum Handwerk hier auf der Insel kann ich nur sagen, dass nicht institutionalisiert ist, wie bei uns und hier jeder ein selbsternannter Handwerker ist. Manche Dinge machen sie ganz raffiniert, aber die Qualität der Arbeit ist viel geringer als bei uns. Und mindestens genau so teuer! Mit Mahina im Baumarkt sind mir beinahe die Augen aus dem Kopf gefallen! Für vier Eimer Farbe (jeweils 1 Gallone), eine Farbrolle, ein Tesakrepp, 100 Schrauben, 1L Verdünnung und drei Holzbohlen (ca 4x12cm und ca 4m Länge) hat sie 500€ bezahlt! 😎
Und ein Monatslohn liegt hier bei 350-400.000 Pesos, das sind 520-600€.
Ich verdiene hier 20.000 Pesos am Tag, das ist hier etwas mehr als Standard – das sind ca 29Euro, und zwar bei einer 6-Tage-Woche. Es ist verrückt wie niedrig die Löhne sind, wenn man bedenkt wie teuer die Preise sind, da ist doch klar, dass hier alles den Bach runter geht, politisch, sozial und moralisch…Ich könnt gleich wieder zum Cabildo und 100 neue Post-its füllen.tmp_4493-img-20161219-wa0007-1552328169

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Weihnachten war herrlich entspannt und stressfrei. Für die meisten hier ist Weihnachten kein wichtiges Fest, oder zumindest weniger wichtig, als bei uns. Die Kinder bekommen Geschenke (vom Weihnachtsmann, nicht vom Christkind) und die Familien veranstalten ein gemeinsames Abendessen. Laut Paulina, Meras Mama, liegt das daran, dass Weihnachten ein christliches Fest ist und somit erst vor einigen Jahrzehnten hier eingeführt wurde. Das kann stimmen,  aber es wundert mich dennoch,  schließlich werden andere christlichen Feiern ja auch pompös gefeiert und sowieso wird hier jeder Anlass, ob religiös oder politisch – ob chilenisch oder polynesisch-, oder einfach nur konsumtechnisch, genutzt, um daraus einen Feiertag und einen „Feier-Tag“ zu machen (und dann wird immer gegrillt ;-)) . Naja, ich will mich nicht beschweren, es war super, es war trotzdem ein Familienevent und es war gute Stimmung ganz ohne Druck und Stress. So sollte es ja auch eigentlich immer sein.dsc_1722
Abends wurde der Grill angeschmissen (zur Abwechslung ;-)) und jeder hat was mitgebracht. Ich war für den Nachtisch zuständig. (die Zutaten für einen stinknormalen Käsekuchen mit Obst haben 30Euro gekostet! :-O)  gegen 21:30 trudelten die vielen Onkels, Tanten, Cousinen und Enkel etc. ein. Nach dem gemeinsam Essen kamen manche Nachbarn vorbei, um zu Weihnachten „zu gratulieren“  und gingen wieder. Niemand musste niemandem was schenken und gegen Mitternacht war ich schon im Bett, zum ersten Mal unter einem Moskitonetz, juhuuu!!


Dies und das
Als ich ankam, wurde ich erstmal Opfer der Mücken. Die Kakerlaken haben mich dann psychisch auf die Probe gestellt. Meine Beine waren am stärksten zerstochen und die Stiche so richtige Quaddeln, die zwei Tage später aussahen wie blaue Flecken. Sobald es etwas heißer wurde, haben sie wie verrückt gejuckt. Nachts trieben mich die Kakerlaken in den Wahnsinn. Es gibt hier sowohl die kleinen, die mich nicht weiter stören, als auch die großen braunen mit Flügeln, die mich total hysterisch machen. Abends haben sich alle gefühlt nur in meinem Zimmer getroffen. Ihr Flügelschlag hat mich wach gehalten und vor allem die Vorstellung sie
könnten auf mich drauf fliegen und durchs Bett krabbeln.
Ich kaufte mir ein Gift und sprühte damit Abends die Bude voll, mit dem Ergebnis, dass nicht nur die Kakerlaken, sondern auch ich davon in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zweimal ist es mir passiert, dass ich wegen des Gifts die ganze Nacht da lag und mein Hirn sich komisch anfühlte und ich seltsame Dinge im dsc_1706Dämmerschlaf träumte. Das Gift wird also seitdem nicht mehr benutzt.
Etwa eine Woche lang habe ich nachts vorm Schlafen gehen das Licht brennen lassen, damit die Kakerlaken das Weite suchen, das hat gut geklappt, so konnte ich wenigstens einschlafen.
Inzwischen habe ich ein Moskitonetz und damit sind all meine Probleme behoben, yeah! Ich hatte ernsthaft schon überlegt im Zelt zu schlafen, statt im Haus.

Das Gift hatte einen überraschenden Nebeneffekt. Eines Tages lag ein sterbender Skorpion neben meinem Bett.  Waaaa! Alle hatten mir immer wieder gesagt, das es hier weder Skorpione, Schlangen, noch Haie gibt. Haie gibt’s, Skorpione auch, bestimmt gibt’s die Schlangen auch irgendwo!

Zu guter Letzt noch ein Wort zum „Hoe“, dem polynesischen Rudern. Das mache ich jetzt, wenn es mein Arbeitstag ermöglicht, 2-3 Mal die Woche. Zu sechst sitzt man in einem schmalen langen Boot (eine Kayaklimosine sozusagen),  das ein Seitenausleger, ähnlich einem Beiboot, hat. Die Ruder sehen aus wie Pizzaschieber und werden auf einer Seite des Bootes ins Wasser getaucht, die sechs Leute haben die Ruder jeweils abwechselnd auf der linken oder rechten Seite und alle paar Schläge ertönt ein lautes „Heeeeep“, dann tauscht man die Seite. Man kann auf diese Art und Weise extrem schnell werden und es macht riesigen Spaß damit aufs Meer zu rudern. Wenn wir zu viele sind, dann muss eine Gruppe schwimmen, während die andere rudert. Das tut mir auch ganz gut mal ein wenig über meinen „Nichtschwimmer-Schatten“ zu springen.

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Mein neues Hobby: Hoe

 

So, das war nun eine Zusammenfassung der letzten drei Wochen und die Fotos erzählen den Rest 😉 Guten Rutsch ins neue Jahr!!dsc_1746

Kurioses:

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Toaster
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Dieser Einkauf ist ca. 15 Euro Wert
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Milch als Pulver

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Meras Haus:dsc_1662dsc_1686 dsc_1684dsc_1687 dsc_1676
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Te Pito o te Henua – oder der Nabel der Welt

Do. 8.12.16
Heute ist mein zweiter Morgen hier und die Hühner und Hähne haben mich schon um 7 aus dem Schlaf gerissen. Eigentlich hat hier jeder Hühner und andere Haustiere, so auch Mera und ihr Familienclan, die fast alle auf dem gleichen Grundstück nur wenige Meter voneinander jeder ein eigenes Haus haben.
Doch in Meras Haus ist niemand außer mir. Gestern um Mitternacht musste meine Freundin Mera notfallmäßig nach Santiago fliegen, weil ihr Kind nun doch eine Fruhgeburt zu werden droht und das hiesige Krankenhaus technisch nicht dafür ausgestattet ist. Sie ist glaube ich in der 33 Woche und es „fehlen“  noch drei, und es kann sein, dass sie erst im Januar wieder kommt. Felipe, ihr Mann, und deren Tochter Tea haben sogar auch noch Plätze bekommen und sind auch weg.
Ihr könnt euch also vorstellen, dass hier gestern ein ganz schönes Gewusel ausgebrochen ist, als gegen 20h Abends die Entscheidung dazu gefällt wurde. Sachen mussten gepackt werden und so weiter, denn obwohl Mera schon seit drei Wochen Bettruhe verordnet bekommen hatte und eine Frühgeburt nicht ausgeschlossen war,  hatte hier niemand eine Notfalltasche vorbereitet…
Hinzu kam, dass hier etwa 12 Hochzeitsgäste in Meras Haus und Garten die Zeit bis zu ihrem Rückflug vertrödelt haben.
Am Ende sind sie alle im gleichen Flugzeug gewesen.

Nochmal ein kleiner Zeitsprung.
Dienstag, den 6.12 bin ich morgens um 9 in Santiago angekommen.tmp_24306-dsc_1505-920553587

Abflug aus Santiago
Abflug aus Santiago

Einreise abgehakt, Gepäck abgehakt und sogar mit meiner Frankfurter Flughafenpizza erfolgreich ins Land eingereist (es gibt viele Lebensmittel, die nicht eingeführt werden dürfen und es gibt nach der Gepackausgabe noch eine Kontrolle).  Ephra hatte mich noch überzeugt, dass ich meine Reste einpacken sollte, ich würde mich noch drüber freuen. Er sollte Recht behalten, ich habe sie dann in Santiago zum Frühstück gegessen 🙂
Mein Weiterflug zur Osterinsel ging erst Abends um 18:30 also stand ich vor der Wahl in die Stadt zu fahren oder am Flughafen zu bleiben. Ich bin letztendlich geblieben und habe nach einem Laden gesucht, der Handykarten verkauft. Dort hatte ich mein erstes landestypisches Erlebnis: vor mir ein älteres Ehepaar, um das sich die Verkäuferin in aller Langsamkeit kümmerte ohne auch nur einmal kurz Blickkontakt mit mir aufzunehmen. Ich wartete so schon beinahe 15min als weitere Leute eintrafen. Allerdings haben die sich mit „mach mir mal schnell ne Kopie, ich verpass sonst meinen Flug“ einfach vorgedrängelt. Die Verkäuferin hat aber auch nicht darauf hingewiesen, dass ich zuerst da war und hat die Kopien von drei Leuten gemacht. Dann kam eine Familie und die Tochter fragte mich ob ich anstehe und ich sagte, dass ich auch warte, und schwupps waren sie alle vor mir dran und kauften sich ein Schloss. Grrrr. Mir ging so langsam der Geduldsfaden aus und da meinte die ältere Dame von ganz am Anfang zu mir: du musst dich auch vordränglen und bemerkbar machen, hier respektiert niemand eine Reihenfolge, wir sind nunmal Latinos! Haha. Ich drängelte mich also selbst vor und die Verkäuferin fragte mich erstaunt, ob ich nicht zum älteren Ehepaar gehöre. Nein, sagte ich, und dass ich schon lange genug gewartet hätte. Ich wolle gerne eine Simcard. Sie schlug mir eine vor, ich erkundigte mich nach Alternativen, nahm dann doch die erste. Da war sie schon etwas genervt, weil ich nicht alles auf Anhieb verstanden hatte. Als sie meine Karte vorbereitete, erinnerte ich mich, dass es auf der Osterinsel nicht alle Netze gab und fragte sie, ob die Karte auch auf der Insel gehe. Sie verdrehte die Augen und sagte, nein, da ginge nur ein anderer Anbieter. Tja, dachte ich mir, zumindest am Flughafen hatte ich da eine etwas andere Vorgehensweise erwartet. Aber ich ging am Ende mit der richtigen Karte raus und mit der Erinnerung, dass ich mich jetzt mehr wie eine Latina benehmen muss.
Den Rest der Zeit verbrachte ich ereignislos am Flughafen. Ein paar Schüler mit gelben Tshirts und dem Aufdruck „deutsch-chilenischer Schüleraustausch“  erinnerten mich an meine eigene erste Reise nach Chile vor 12 (?) Jahren.

Nachts um 22h kam ich auf der Osterinsel an, leider genau dann, als es dunkel geworden war und man nichts beim Landeanflug erkennen konnte. Mein Rucksack war einer der letzten und Felipe erwartete mich an der Tür. Doch zu meiner Überraschung warteten Mera und Tea im Auto, wir fielen uns um den Hals, ich blieb mit meinem Rucksack in der Tür stecken ^^ sie fragten mich wie müde ich sei,  sie seien noch auf einem Grillfest von Meras bester Freundin eingeladen, die grade geheiratet hatte (daher auch die Hochzeitsgäste) und wollten doch zumindest kurz vorbei schauen. Ich war erschöpft aber willigte ein. Ich dachte wir würden kurz Heim fahren die Sachen ablegen und ich könne mich kurz frisch machen,  aber wir fuhren direkt dort hin. Für Mera wurde eine Liege königlich gepolstert und alle gegenseitig zur Begrüßung von allen umarmt und einmal rechts geküsst, wie es in Südamerika so üblich ist. Aus dem kurzen Besuch wurde ne kleine Ewigkeit,  weil der Grill nicht richtig warm wurde und die unchristlichen Mengen an Huhn daher lange brauchten. Es hat mehrere Anläufe gebraucht bis man mich überzeugt hatte ein Bier zu trinken. Es war ziemlich gut! Die lokale Marke, Mahina (Mond), und davon das schwarze Porter. Der Weimarer Porterclique hätte das gefallen. Irgendwann landete das Huhn auf dem Teller, aber es war nicht durch und so verabschiedeten wir uns und fuhren heim und gingen ins Bett, es war inzwischen 02:00.tmp_24306-dsc_1514-1287874543

Ja, nun seid ihr im Bilde. Es ist warm, sonnig und ich habe das Meer direkt vor der Tür. Bin unverhofft Hausbesitzerin geworden und muß mich nun selbst um alles kümmern :-/
Nichts mehr mit kostenlos durchfüttern lassen. Es ist also an der Zeit mir einen Job zu suchen und Geld für Essen zu verdienen und für die nächste Reiseetappe.
🙂 damit fange ich heute an.

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Obwohl ich schon zum xten Mal hier bin und ein paar von euch schon viel von der Osterinsel wissen, werde ich euch hin und wieder mal ein Paar Eckdaten rund um die Osterinsel geben und falls euch Fragen einfallen, könnt ihr die in den Kommentaren stellen, damit ich sie beim nächsten Mal beantworten kann.