Te Pito o te Henua – oder der Nabel der Welt

Do. 8.12.16
Heute ist mein zweiter Morgen hier und die Hühner und Hähne haben mich schon um 7 aus dem Schlaf gerissen. Eigentlich hat hier jeder Hühner und andere Haustiere, so auch Mera und ihr Familienclan, die fast alle auf dem gleichen Grundstück nur wenige Meter voneinander jeder ein eigenes Haus haben.
Doch in Meras Haus ist niemand außer mir. Gestern um Mitternacht musste meine Freundin Mera notfallmäßig nach Santiago fliegen, weil ihr Kind nun doch eine Fruhgeburt zu werden droht und das hiesige Krankenhaus technisch nicht dafür ausgestattet ist. Sie ist glaube ich in der 33 Woche und es „fehlen“  noch drei, und es kann sein, dass sie erst im Januar wieder kommt. Felipe, ihr Mann, und deren Tochter Tea haben sogar auch noch Plätze bekommen und sind auch weg.
Ihr könnt euch also vorstellen, dass hier gestern ein ganz schönes Gewusel ausgebrochen ist, als gegen 20h Abends die Entscheidung dazu gefällt wurde. Sachen mussten gepackt werden und so weiter, denn obwohl Mera schon seit drei Wochen Bettruhe verordnet bekommen hatte und eine Frühgeburt nicht ausgeschlossen war,  hatte hier niemand eine Notfalltasche vorbereitet…
Hinzu kam, dass hier etwa 12 Hochzeitsgäste in Meras Haus und Garten die Zeit bis zu ihrem Rückflug vertrödelt haben.
Am Ende sind sie alle im gleichen Flugzeug gewesen.

Nochmal ein kleiner Zeitsprung.
Dienstag, den 6.12 bin ich morgens um 9 in Santiago angekommen.tmp_24306-dsc_1505-920553587

Abflug aus Santiago
Abflug aus Santiago

Einreise abgehakt, Gepäck abgehakt und sogar mit meiner Frankfurter Flughafenpizza erfolgreich ins Land eingereist (es gibt viele Lebensmittel, die nicht eingeführt werden dürfen und es gibt nach der Gepackausgabe noch eine Kontrolle).  Ephra hatte mich noch überzeugt, dass ich meine Reste einpacken sollte, ich würde mich noch drüber freuen. Er sollte Recht behalten, ich habe sie dann in Santiago zum Frühstück gegessen 🙂
Mein Weiterflug zur Osterinsel ging erst Abends um 18:30 also stand ich vor der Wahl in die Stadt zu fahren oder am Flughafen zu bleiben. Ich bin letztendlich geblieben und habe nach einem Laden gesucht, der Handykarten verkauft. Dort hatte ich mein erstes landestypisches Erlebnis: vor mir ein älteres Ehepaar, um das sich die Verkäuferin in aller Langsamkeit kümmerte ohne auch nur einmal kurz Blickkontakt mit mir aufzunehmen. Ich wartete so schon beinahe 15min als weitere Leute eintrafen. Allerdings haben die sich mit „mach mir mal schnell ne Kopie, ich verpass sonst meinen Flug“ einfach vorgedrängelt. Die Verkäuferin hat aber auch nicht darauf hingewiesen, dass ich zuerst da war und hat die Kopien von drei Leuten gemacht. Dann kam eine Familie und die Tochter fragte mich ob ich anstehe und ich sagte, dass ich auch warte, und schwupps waren sie alle vor mir dran und kauften sich ein Schloss. Grrrr. Mir ging so langsam der Geduldsfaden aus und da meinte die ältere Dame von ganz am Anfang zu mir: du musst dich auch vordränglen und bemerkbar machen, hier respektiert niemand eine Reihenfolge, wir sind nunmal Latinos! Haha. Ich drängelte mich also selbst vor und die Verkäuferin fragte mich erstaunt, ob ich nicht zum älteren Ehepaar gehöre. Nein, sagte ich, und dass ich schon lange genug gewartet hätte. Ich wolle gerne eine Simcard. Sie schlug mir eine vor, ich erkundigte mich nach Alternativen, nahm dann doch die erste. Da war sie schon etwas genervt, weil ich nicht alles auf Anhieb verstanden hatte. Als sie meine Karte vorbereitete, erinnerte ich mich, dass es auf der Osterinsel nicht alle Netze gab und fragte sie, ob die Karte auch auf der Insel gehe. Sie verdrehte die Augen und sagte, nein, da ginge nur ein anderer Anbieter. Tja, dachte ich mir, zumindest am Flughafen hatte ich da eine etwas andere Vorgehensweise erwartet. Aber ich ging am Ende mit der richtigen Karte raus und mit der Erinnerung, dass ich mich jetzt mehr wie eine Latina benehmen muss.
Den Rest der Zeit verbrachte ich ereignislos am Flughafen. Ein paar Schüler mit gelben Tshirts und dem Aufdruck „deutsch-chilenischer Schüleraustausch“  erinnerten mich an meine eigene erste Reise nach Chile vor 12 (?) Jahren.

Nachts um 22h kam ich auf der Osterinsel an, leider genau dann, als es dunkel geworden war und man nichts beim Landeanflug erkennen konnte. Mein Rucksack war einer der letzten und Felipe erwartete mich an der Tür. Doch zu meiner Überraschung warteten Mera und Tea im Auto, wir fielen uns um den Hals, ich blieb mit meinem Rucksack in der Tür stecken ^^ sie fragten mich wie müde ich sei,  sie seien noch auf einem Grillfest von Meras bester Freundin eingeladen, die grade geheiratet hatte (daher auch die Hochzeitsgäste) und wollten doch zumindest kurz vorbei schauen. Ich war erschöpft aber willigte ein. Ich dachte wir würden kurz Heim fahren die Sachen ablegen und ich könne mich kurz frisch machen,  aber wir fuhren direkt dort hin. Für Mera wurde eine Liege königlich gepolstert und alle gegenseitig zur Begrüßung von allen umarmt und einmal rechts geküsst, wie es in Südamerika so üblich ist. Aus dem kurzen Besuch wurde ne kleine Ewigkeit,  weil der Grill nicht richtig warm wurde und die unchristlichen Mengen an Huhn daher lange brauchten. Es hat mehrere Anläufe gebraucht bis man mich überzeugt hatte ein Bier zu trinken. Es war ziemlich gut! Die lokale Marke, Mahina (Mond), und davon das schwarze Porter. Der Weimarer Porterclique hätte das gefallen. Irgendwann landete das Huhn auf dem Teller, aber es war nicht durch und so verabschiedeten wir uns und fuhren heim und gingen ins Bett, es war inzwischen 02:00.tmp_24306-dsc_1514-1287874543

Ja, nun seid ihr im Bilde. Es ist warm, sonnig und ich habe das Meer direkt vor der Tür. Bin unverhofft Hausbesitzerin geworden und muß mich nun selbst um alles kümmern :-/
Nichts mehr mit kostenlos durchfüttern lassen. Es ist also an der Zeit mir einen Job zu suchen und Geld für Essen zu verdienen und für die nächste Reiseetappe.
🙂 damit fange ich heute an.

tmp_24306-dsc_1522-65767379


Obwohl ich schon zum xten Mal hier bin und ein paar von euch schon viel von der Osterinsel wissen, werde ich euch hin und wieder mal ein Paar Eckdaten rund um die Osterinsel geben und falls euch Fragen einfallen, könnt ihr die in den Kommentaren stellen, damit ich sie beim nächsten Mal beantworten kann.

Ich packte meinen Rucksack und nahm mit…

Tataaaaaaa:

Rucksack 2,60 kg
Schlafsack 0,78 kg
Zelt 1,47 kg
Zeltzubehör 0,36
Isomatte 0,36
Seidenschlafsack 0,13

Taschenlampe 0,09
Kompass 0,11
Topf 0,2
Tasse 0,09
Schweizer Taschenmesser 0,1
Opinel Messer 0,04
Zollstock, Reißnadel, Cutter 0,2

Sandalen 0,45
1x Langarmshirt 0,15
Trekkinghose Zip-off 0,35
2x Tshirt, 2x Spaghetti-Top 0,37
Vlies 0,42
Bikini mit 2x Oberteilen 0,17
Sport BH 0,07
3x Unterhosen 0,09
3 Paar Socken 0,13
Stirnband 0,04
Palästinenser Tuch 0,2
Boulderschuhe 0,45

Stativ 0,08
Powerbank 0,12
Adapter 0,1
Sonnenbrille mit Etui 0,1
Tagebuch, wanderbuch und Noten 0,55
Dokumente (Impfpass, Führerschein, Fotos etc.) 0,1
Hygieneartikel 0,06
Kontaktlinsenmittel 0,4
Reiseapotheke 0,39
Kulturbeutel inkl. Schmuck 0,2
Pfeife 0,013
Stifte 0,06

Summe: 11,6 kg.

Den Rest habe ich an:
Wanderstiefel 1,14
Socken 0,06
Zunfthose 0,75
Gürtel
Unterhemd und Unterhose
Langarmshirt 0,15
Weste
Regenjacke mit Innenjacke 0,98
Huttmp_7031-img_20161208_095107-2047049723