Feuerland :-)

5. März 2017

Ätz. Japps. Schluck. Also mein Rucksack wiegt definitiv keine 11,6 kg mehr!

Thomas ist weg, ich habe noch einen Schontag im Hostel, dann muss ich mich an den Straßenrand stellen und den Daumen ausstrecken. Ich habe echt Bammel. Ich bin hin und her gerissen zwischen den Tag im Internet zu surfen und mir online eine Anlaufstelle zu suchen, einen ehrenamtlichen Job zu finden und ein wenig voraus zu planen und dem nein-da-musst-du-jetzt-durch.

Ich besorge ein paar letzte Einkäufe für den Fall dass ich in den nächsten zwei Tagen irgendwo in der Wildnis campen muss, ausserdem putze ich meine Schuhe und mache sie wasserfest. Im Hostel habe ich eine benutzte Gaskartusche auf dem Umsonst-Tisch gefunden, aber einen Kocher habe ich noch nicht, ich nehme sie dennoch mit, für die Zukunft. Ich koche mir eine Mahlzeit vor und decke mich mit Snacks ein und Wasser. Mist, diesen Rucksack muss ich tragen! Thomas hat mir ja auch noch Kram mitgebracht: ein Moskitonetz, das ich wohl die nächsten Monate umsonst tragen werde, Sonnencreme, das gleiche Dilemma, Kontaktlinsen plus Zubehör (wenn ich wieder komme, lasse ich mir die Augen lasern, das spart auch nochmal 500g :-P…) zwei Pullis, einen Tagesrucksack, der sich auf die Größe eines Eis (zugegeben ein recht großes Ei, aber kein Straußenei!!) schrumpfen lässt und nur sage und schreibe 70 g wiegt. Den alten Stoffbeutel habe ich auseinander genommen und nur die Tragerschnüre aufgehoben, die kann ich als Wäscheleine benutzen. Ich fühl mich so schlau. Von meinem Mückenmittel ‚NoBite‘ habe ich mich verabschiedet, das hat nichts getaugt, von einem Reiseführer, einem Paar Socken, meinem Gürtel, von einem Universaladapter und der Powerbank auch. Das einzige Kabel, das ich brauche ist mein Handykabel, das hat bisher überall gepasst. Von dem Schmuck, den ich auf Rapa Nui zum Abschied bekommen habe. Mit Federn und Muscheln seh ich aus wie ein Ökofreak, wer nimmt schon einen Ökofreak mit, da haben die Fahrer bestimmt Angst, dass man stinkt.

Stolz auf meine erste Handwäsche.

Bevor ich es dann morgens vergesse, ziehe ich meinen „Ehering“ an. Um mich abzulenken treffe ich mich mit Vincent und Helena, die Thomas und ich Tage zuvor als Anhalter mitgenommen haben, und die auch inzwischen in El Calafate angekommen sind. Sie sitzen in einem Pub und haben Bier bestellt, dass in der Karte als „Pint“ – 8 Euro steht. Das Glas vor ihnen hat nur 0,3 Liter, da stimmt was nicht. Helena, aus Irland, weiß genau was ein „Pint“ ist und fragt nach, auch, was dann ein halbes Pint ist, wenn das Glas vor ihr ein Pint sein soll. Der Kellner versteht die Empörung nicht, läuft zur Bar und holt ein noch kleineres Glas, woraus man normalerweise z.B Whisky trinken würde. DAS ist ein halbes Pint. Zumindest in dieser Bar. Die ham sie ja nicht mehr alle – dafür 8€? und Helena erreicht ihr Tagestief.

Am nächsten Morgen stehe ich zeitig auf, frühstücke und verlasse in meiner Kluft und betont frohen Schrittes das Hostel. Ich laufe etwa 10 min bis zu einer Stelle, an der ich versuchen will zu trampen. Kurz darauf treffen drei weitere ein: ein Paar, Europäer, und ein Argentinier, er ist winzig und schaut mich erwartungsvoll an, als ob er hofft ich würde ihm anbieten gemeinsam zu trampen. Alleinreisende Kerle haben es schwer… Da halten weniger Autos als bei alleinreisenden, blonden Mädels. Nix da. Wir reden kurz, aber stellen uns getrennt auf, ein Ehrenkodex verlangt, dass sich die späteren auch weiter vorn aufstellen müssen, der erste also in Fahrtrichtung als Erster wartet. Das bin ich! Wir warten etwa 25min, mein rechter Arm zögert noch und fühlt sich an wie Blei, will einfach nicht hoch, und viele Autos fahren vorbei. Irgendwann hält ein Pickup und ich gehe ans Fenster. Der Fahrer fährt nach Chalten, nicht meine Richtung, mein Ziel is Feuerland, aber ich beschließe dennoch einzusteigen und mich aus der Stadt heraus zur 35km entfernten Kreuzung bringen zu lassen. Innerlich triumphiere ich, bestimmt strahle ich. Mein Fahrer, Gerardo, muß noch ein paar Dinge in der Stadt erledigen ehe wir aufbrechen, mir fällt auf, dass er kein Problem damit hat mich allein in seinem Auto warten zu lassen, obwohl darin Wertsachen sind.
Er ist ein freundlicher älterer Herr, der wie ich in Kleidung aus einer anderen Ära unterwegs ist, sehr schick, so wie ich ^^ wir unterhalten uns und mögen uns, ich erzähle von meiner Wanderschaft. Es ist gar nicht so leicht das auf Spanisch zu erklären, es gibt ja noch nichtmal einen Begriff für Metallbauer oder Lehrling. Man kennt hier nicht das Konzept der Berufsausbildung. Er findet es super und meint ich dürfe jederzeit auf seiner Touri Ranch in Chalten vorbeikommen und arbeiten, wo er Pferdetouren in den Nationalpark anbietet und gerade ausbaut und renoviert. Das merke ich mir.

Mein erster Tag als Tramper.

Er setzt mich an der einsamen Kreuzung ab und ich gehe etwas vor. Es ist schon weniger Verkehr hier, aber diejenigen, die hier fahren, fahren garantiert in meine Richtung. Es fahren vllt drei Wagen vorbei, nach 20 min kommt ein Auto aus der Gegenrichtung, hält, fragt mich, wo es hin geht und will tatsächlich, obwohl es aus der Gegenrichtung kommt, auch in die Richtung wie ich. Mein Ziel ist Punta Arenas in Chile, dort hoffe ich günstig einen Gaskocher zu bekommen, ehe ich weiter in dieser wenig besiedelten Gegend reise und evtl auch mal ein paar Tage Lust auf Wandern und Wildnis verspüre. Lagerfeuer sind hier fast überall strickt verboten, das trockene Steppengras und die kleinen Büsche brennen zu schnell, was man eindrucksvoll an den tausenden verkohlten Baumleichen erkennt, die regelmäßig den Wegrand schmücken. Punta Arenas hat eine zollfreie Einkaufszone, da soll alles ein wenig günstiger sein und alle reden immer davon, als sei es das gelobte Land.

Die letzte Station des ersten Tages als Tramperin

Zwei Autofahrten später, ich habe eine argentinische Familie und eine Gruppe Kirchenhelfer kennengelernt, stehe ich mal wieder mitten in der Pampa und hoffe auf eine letzte Mitfahrgelegenheit nach Punta Arenas. Es kommen kaum Autos vorbei und ich schaue mich vorsichtigshalber schon um, wo ich im Fall der Fälle die Nacht verbringe. Es gibt eine verglaste Bushaltestelle. Das wäre vllt besser als das Zelt. Es ist kalt und windig, hin und wieder regnet es. Doch irgendwann zieht ein Pickup heran und Vater und Sohn fahren nach Punta Arenas. Volltreffer! Mein erster Tag als Tramper läuft ja wie geschmiert! Und alle sind soooo lieb! Der Sohn Nicolas fährt und ist eher wortkarg. Der Vater übernimmt den Part und wir unterhalten uns die nächsten zwei Stunden über meine Reise und ihre. Alejandro ist so Feuer und Flamme, dass er unbedingt helfen will mir eine Bleibe für die Nacht zu organisieren und einen Job. Wir werden bei ihm Zuhause abgesetzt, er schenkt mir Erdbeeren und eine Banane und setzt sich ans Telefon, um herum zu telefonieren. Kurz darauf fährt er mit mir zur deutschen Schule. Ich könne doch vllt als Lehrerin anheuern! Super Idee! Aber nett gemeint…Die Schulleiterin spricht seltsamerweise kein Wort Deutsch. Sie ist überrascht von unserem Anliegen, sehr nett, aber findet es bestimmt insgeheim genauso dämlich, wie ich. Eine Sache bringt der Besuch: er erinnert mich an meine Austauschschule in Temuco, Erinnerungen kommen hoch, die längst in Vergessenheit geraten waren. Das war spannend. Alejandro fährt mit mir noch ewig durch die Straßen, er will mir einen Überblick der Stadt vermitteln und sagt mir, wo ich am besten nach Hostels suchen soll. Es ist inzwischen schon nach 19:00 und ich will einfach nur noch aussteigen. Ich will ihn nicht beunruhigen, indem ich ihm verrate, dass selbst 25.000 Pesos (37€) zu teuer für mich sein werden. Er setzt mich an der zentralen Plaza ab und ich beginne meine Runde. Ich gehe von Hostel zu Hostel, sie sind zahlreich, aber entweder schon voll oder zu teuer. Ich arbeite mich zu immer günstigeren Hostels vor, sie sind alle voll. Schließlich finde ich eines für 11.000 und nehme ein Bett im 10er Zimmer. Es ist eigentlich ganz ok. Das Bad ist für deutsche Verhältnisse unschön, aber ich habe eine echte Daunendecke und mein Bett ist bequem, das ist für die erste Nacht und als Belohnung für den ersten Trampertag doch dann auch ok. Check!

Punta Arenas

Punta Arenas ist eine Stadt ohne Seele, sie gefällt mir nicht, ich fühle mich beobachtet und ein bisschen unwohl. Das schönste ist ohne Schmarrn der Friedhof. Viele Häuser sind alt, ungepflegt und schlecht gebaut, dadurch wirkt alles etwas verboten, doch das ist offensichtlich ein falscher Schluss, die Stadt soll sehr sicher sein. Ich fahre an Tag 2 erstmal zur „Zona Franca“,  die zollfreie Zone und kaufe meinen Gaskocher. In Argentinien sollte einer 60€ kosten, hier kostet er nur 27€ und wiegt nur die Hälfte, 80g 😀 alles richtig gemacht! Ansonsten ist der Einkauf erfolglos, ich fahre zurück in die Stadt. Busse kosten 350 Pesos (50ct) und halten an Haltestellen, aber oft auch, wenn man sie vom Straßenrand anwinkt. Sie haben feste Routen. Dann gibt es sogenannte colectivos. Das sind Taxen mit fester Route, die man sich teilen kann. Die hält man auch einfach an und sie halten nur dort, wo man aussteigen oder einsteigen will. Die kosten 400 Pesos. Ich habe das erst nicht verstanden, ich habe immer gedacht es seien Taxen. Doch anstelle von „Taxi“ steht auf dem Dach eine Nummer. Das ist dann die Linie. Alle Taxen mit dieser Nummer fahren die gleiche Strecke. 🙂

Der Friedhof in Punta Arenas ist der absolute Hammer. Ich muss immer wieder an Lydia denken, sie weiß bestimmt warum 😉

Ich halte hier und dort nach einer Schlosserei Ausschau, aber nichts überzeugt mich. Leute mit denen ich spreche sagen alle, „Boa, Metallbauer sind hier sehr gefragt, du findest sicher was“,  aber hier in Punta Arenas habe ich gar keine Lust zu suchen.

Die nächste Nacht verbringe ich im gleichen Hostel, aber in einem Wellblechschuppen. Dort liegen mehrere Matratzen herum und es kostet nur noch 6000 Pesos. Das sind etwa 9 Euro, dafür, dass das Dach undicht ist und es kalt ist und ziemlich ramschig – eigentlich eine glatte Abzocke. Aber ich finds eigentlich sogar ganz gemütlich und ich schlafe sogar besser als im Haus, denn ich bin hier ganz allein 🙂

Die erste Kälteprobe für meinen Schlafsack.

Tag 3

Ich muss schnell weg, denn wenn das so weiter geht, dann ist mein Restgeld von der Osterinsel bald weg. Das macht mich nervös und unruhig. Ich packe meine Sachen, nehme eine von diesen Taxilinien und lasse mich am Stadtrand absetzen. Es ist merklich kälter geworden und ich wünscht ich hätte Handschuhe. Ich stehe und warte etwa 20 min, viele Fahrer signalisieren mir, dass sie nicht weit fahren und dann wenden. Ich hieve dieses Monstrum auf meinen Rücken und laufe los. Ich komme an eine Tankstelle, auch dort warte ich etwa 20 min. Viele sagen, dass sie nur Richtung Flughafen fahren, was mir glaube ich nicht so viel bringt. Irgendwann lasse ich mich nochmal ein Stück weiter herausfahren. Ich habe inzwischen kalte Füße und meine rechte Schulter tut weh vom Armaustrecken, hahaha! Einige LKW-Fahrer fahren vorbei, aber entschuldigen sich mit Mimik und Gestik, dass sie mich nicht mitnehmen können, es ist irgendwie nett, wie die Fahrer auf unterschiedliche Arten und Weisen mit einem durch die Scheiben kommunizieren, in einem Bruchteil von Sekunden

Von dort aus laufe ich einfach weiter, strecke den Arm aus, wenn ich ein Auto höre. Schließlich hält ein Kleinbus, drin sitzen ein jüngerer und ein älterer Mann. Sie fahren nach Feuerland, Volltreffer! Nicht nach Ushuaia, aber zumindest auf die Insel rüber. Im Auto eingestiegen sehe ich Sanitärrohre und Werkzeug. „Seid ihr Handwerker?“ „Ja genau, wir arbeiten auf Feuerland auf einer Ranch“.  Wir quatschen und ich platze mit meiner Frage heraus, ob sie nicht einen Schlosser gebrauchen könnten. Das übliche Zögern, Fragen, Zweifeln. Aber ganz abgeneigt ist Gastón nicht. Er sagt Arbeit gebe es eigentlich genug, ich könne ja mal mitkommen. So ändern sich meine Pläne und ich lande statt in Ushuaia an einem anderen „Ende der Welt“. In Timaukel.

Die Überfahrt zur Insel „Feuerland“.

Doch vorher erhalten die zwei einen Anruf, sie sollen noch auf einem anderen Posten den Siphon einbauen. Sie führen eine Art Hausmeisterdienst für einen Lehnsherren aus, der mehrere Ranches auf der Insel Feuerland hat. Sie kümmern sich um alles, von Elektro zu Brunnenbau etc. An der ersten Station ist eine merkwürdige Aura. Ich komme mir vor wie in einem Western. Die Bude, die wir betreten ist schmucklos, alte, vergilbte Sessel, hässliche Fußböden und Tapeten. Es ist sehr ordentlich, es gibt ja auch nichts zum Unordnung machen. Drei Männer, die auch Karrikaturen sein könnten, sitzen drin und glotzen mit hohlen Blicken eine miese türkische Telenovela. Sie grüßen die anderen und auch mich mechanisch, nur ein winziges Zucken geht durch die Augen, eine Frau? Was macht die denn hier? Es gibt Tee und Brot, ein paar Floskeln werden gewechselt. Diese Männer leben hier sehr abgeschieden und haben immer denselben Alltag. Schafe hüten. Gastón und Hector gehen den Siphon einbauen, es dauert ewig. Ich schaue mir in kürzester Zeit das nähere Umfeld an. Ein paar Hühner, ein Schaf, das mich verfolgt, ein großes Windrad, zwei kleine für den Strom, drei Häuschen, einige Hunde. Im Stall eine kleine Gruppe Schafe. Ein Gespräch zu führen mit einem der Männer, der nun im Stall nach den Tieren schaut, ist mühsam. Er ist das offensichtlich nicht gewohnt.

Viel später als erwartet erreichen wir das Ziel. Es liegt am Ende einer nicht enden wollenden Schotterpiste an der westlichen Küste Feuerlands. Ich weiß inzwischen, dass meine Falke „cool“ Socken halten, was sie versprechen: stets kühle Füße, auch wenns kalt ist. Brrrrrr. Wir alle frieren (im Auto ging die Heizung nicht) und wärmen uns am größten Oma-Ofen, den ich je gesehen habe. Die anderen zwei Männer, die hier mit Gastón und Hector wohnen, sind schon im Bett, dabei ist es gerade mal 21:30. Es stinkt nach Fisch. Gastón zeigt mir ein Zimmer mit drei Hochbetten, da darf ich schlafen. Da stinkt es noch viel mehr nach Fisch. Ich bin erstaunt, dass es genug Zimmer gibt, dass ich ein eigenes haben kann. Dass ich überhaupt einfach mit auf die Ranch darf. Gastón sagt, dass er in der Früh mit dem Ranchverwalter über meinen Besuch spricht. Ich wähle ein Bett und finde den Grund für den Gestank: auf einem der Hochbetten liegt eine Tüte mit Fischen. Bäh, und das ausgerechnet in meinem Zimmer. Die Fische kommen weg, ich lüfte. In der Nacht schlafe ich mittelmäßig, weil ein Katzenchor die ganze Nacht auf dem Dach probt.

Endlich Wärme!
Mein fischiges Schlafzimmer.

Die nächsten zwei Tage verbringe ich auf dieser Ranch. Das Leben dort ist einfach, die Leute besitzen wenig. Die Häuser wirken nicht so recht für das kalte Klima gemacht. Dabei ist jetzt noch „Sommer“  und es sind schon unter 10 Grad. Es ist alles ein wenig in die Jahre gekommen. Toll finde ich, dass in ganz Patagonien die Häuser außerhalb der Städte sehr autark sind. Da können wir uns durchaus eine Scheibe von abschneiden. Strom wird mit Wind erzeugt, die Pumpe für das Wasser aus dem Brunnen mit einem Windrad angetrieben, hier und da erscheint ein kleines Solarladekabel. Geheizt wird mit Holz, gekocht auch. Um den Schornstein des Holzofens baut man einen Wassertank, so heizt der Ofen nicht nur den Raum, sondern sorgt auch für Warmwasser. Fällt der Wind mal aus, haben sich in der Zwischenzeit die Batterien für die LED-Lampen aufgeladen. Hinterm Haus ist ein kleines Gewächshaus. Dort gibt es Salat, Spinat, Gurken, Rote Beete, Kohl, Brokkoli, Tomaten und vieles mehr. Ich hab noch nie eine so leckere Gurke gegessen.

Die Estancia Timaukel.

Auf diesem Posten sind im Schnitt zwischen 8-16 Personen. Es gibt ein „Hausmeister“-Ehepaar; sie ist Köchin und backt täglich Brot und kocht für alle Ranchbewohner Mittag – und Abendessen, er kümmert sich um die Zäune, füttert die Hunde, macht Reparaturen am Ranchgelände. Dann die Handwerker, und die Gauchos. Die Gauchos sind die patagonische Variante der Cowboys. Zu Pferd und mit Hunden treiben sie die Schafe. Sie haben einen typischen Kleidungsstil, der sehr schick ist. Sie tragen eine Baskenmütze und trinken ständig Mate. Alle zwei Tage wird nur für diese Menschen ein Lamm geschlachtet. Es ist unglaublich! In dieser Gegend ist Gemüse teuer und es wird viel Fleisch gegessen.

Auf der Estancia werden die Schafe geschoren und die Wolle auf Lkws in den Norden gefahren. Die Tiere werden auch verkauft und geschlachtet.

Meine Aufgabe ist es dem Metallbauer José bei der Reparatur und dem Streichen eines Windrades zu helfen. Meine Arbeit hier dauert nur zwei Tage, weil Gastón dann für längere Zeit weg muss und ich sonst für meine Bezahlung warten müsste, bis er wieder kommt. Für zwei Tage hat er noch genug dabei.

An dieser Stelle ist nichts. Hier setzt mich Gastón nach meinem Aufenthalt in Timaukel ab. Hier versuche ich einen Anhalter zu bekommen. Und der Handyempfang ist so gut, dass man sich wundert. Auf der Osterinsel ist er wesentlich schlechter.

Danach schaffe ich es in einem Rutsch bis Ushuaia (Uschuwaya ausgesprochen) das wieder auf argentinischer Seite liegt und als südlichste Stadt der Welt bezeichnet wird. Noch weiter südlich liegt genau genommen, auf einer anderen Insel, Puerto Williams, welches auch den Titel für sich beansprucht, aber wegen zu wenigen Bewohnern wohl kaum als Stadt bezeichnet werden kann.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Feuerland kein bisschen so aussieht, wie ich es mir die letzten 28 Jahren vorgestellt habe (ja, ich habe mich schon früh gefragt, wie Feuerland wohl aussieht). In meiner Vorstellung war Feuerland eine Landschaft mit schroffen, grauen Felsen, inmitten von moosgrünen Gräsern und viel Nebel. Stürmisches, weißes, schaumiges Meer, verrosteten Schiffswracks und kalt, sehr kalt. Vielleicht ein bisschen wie Schottland (das ich auch nicht kenne, ha!).

Der obere Teil der Insel war daher die reinste Enttäuschung – bis auf die Kälte… Eine Verlängerung des Nichts, das schon die letzten 2000 km Patagoniens charakterisiert. Gelbgrüne trockene Steppe, mit hier und da ein paar Hügeln aber ansonsten keinen Erhebungen außer den Schafen und Guanakos. Mit dem winzigen, aber erheiternden Unterschied, dass es hier Pinguine und Wale gibt. Dann, etwa 100 km vor Ushuaia plötzliches Blinzeln. Was?! Bäume?! Wälder?! Gewässer?! Die bergige Landschaftlich wirkte auf einmal faszinierend und ich war hellwach. Was Neues fürs Auge! Die Gegend von Ushuaia hat mir ausgesprochen gut gefallen. Zuvor hatten mir in den Hostels andere Leute erzählt, wie enttäuscht sie von Ushuaia waren: kein Ende-der-Welt-Feeling, teuer, der Nationalpark uninteressant, die Stadt sehr touristisch. Für mich hingegen war Ushuaia eine der schönsten Stationen.

Ushuaia

Ich wohnte die ersten zwei Nächte 25km vor der Stadt in einer günstigen Unterkunft mit anderen Backpackern. Die Hütte ist nahe eines Skigebiets und landschaftlich schön gelegen. Dort gab es knapp 60 Schlittenhunde. Schöne Tiere, leider nicht unter den besten Bedingungen lebend. Dort lernte ich Mandy aus Kanada kennen, die einen herrlich breiten amerikanischen Akzent hatte und der festen Überzeugung war, dass das Englisch Nordamerikas akzentfrei sei und „neutral“. Sie konnte noch kein Wort Spanisch, gab sich aber Mühe es zu versuchen, was zur Erheiterung aller sorgte und vor allem bei den Argentiniern für gerunzelte Stirne sorgte und dicke Fragezeichen im Blick. Ushuaia war nicht „Uschuwaya“,  sondern „Youschuwaya“, ajo (Knoblauch) war „eykho“ und das Beste (und Dauerthema an allen Treffpunkten von Backpackern: der beliebte chilenische Nationalpark Torres del Paine (wie „keine“ ausgesprochen, nur mit P), der 2014 in einer Online Umfrage zum 8. Weltwunder erklärt wurde): Für Mandy war es stets Torres del „Pain“ (ausgesprochen wie der englische Schmerz). Im Grunde hat sie ja Recht. Der Hype um den Park hat tatsächlich dazu geführt, dass ein Besuch desselben zum reinsten Schmerz wird; langes Buchen im Voraus, horrende Preise, sinnlose Geldmache, und viele Menschen an einem Ort, den man eigentlich in Einsamkeit genießen will. Doch Mandy war so eine heitere, lustige Persönlichkeit, dass man ihr das alles nicht übel nehmen konnte.

Von der Hütte aus machte ich einen Ausflug nach Ushuaia und einen in die Berge. In Ushuaia fragte ich am Hafen nach Mitsegelgelegenheiten, vllt könnte ich auf die Art und Weise die 250€ zum „südlichsten Dorf der Welt“ sparen.  Ein absurder Preis für die kurze Fahrt. Aus Punta Arenas, viel weiter weg, kostete eine drei Tages Bootsfahrt durch die Fjorde zum gleichen Ziel „nur“ 150€, Vollpension inklusive. Für mein Budget natürlich trotzdem zu viel. Der Hafenmeister war sehr nett, wir unterhielten uns und schließlich rief er seine Freundin an und fragte, ob ich nicht bei ihnen wohnen könne. Wahnsinn, oder? Fantastisch!

Der Weg zur Laguna Esmeralda.

Den anderen Ausflug machte ich zur Laguna Esmeralda, durch Wälder, Matsch und ein Moor, das war spannend. Die meiste Zeit versuchte man den trockensten Weg zum Ziel zu finden. Dazu musste man von Grasbüschel zu Grasbüschel springen ohne dabei auszurutschen und mit dem Allerwertesten im Matsch zu landen. Hinter dem See dann wieder ein Gletscher (wird ja langsam langweilig…) und ich wollte mich dorthin auf den Weg machen, als das Wetter noch schlechter zu werden drohte und ich mich doch dagegen entschied und kehrt machte.

Danach verbrachte ich zwei Nächte bei dem Hafenmeister und seiner Freundin, ein sehr nettes junges Paar, besuchte den Gletscher Martial direkt am Stadtrand, verausgabte mich beim Versuch über die vereisten Felsen bis an den Gletscher zu kommen, aber das war vergebliche Liebesmüh und sicher lustig anzusehen.

Der Gletscher Martial und die Stadt Ushuaia

Am vierten Tag wollte ich eigentlich wieder abreisen, doch Helena und Vincent waren auch in town und so blieb ich spontan noch eine Nacht bei denen und machte mit Vincent eine Wanderung, über die uns im Touristenbüro ausdrücklich keine Information gegeben werden durfte. Es war bis heute eine der lohnensten Wanderungen von allen.

Heute, knapp einen Monat nach der Abreise von Thomas bin ich überwältigt von der Erfahrung alleine, per Anhalter durch Patagonien zu reisen. Es ist bisweilen so toll, dass ich mir schon gar nicht mehr vorstellen kann anders zu reisen. Wozu Geld in Transportmittel ausgeben? Ich lerne soooo spannende Menschen kennen. Ich lerne Leute aus der Gegend kennen, zu denen ich sonst nie kommen würde und andere Backpacker mit spannenden Geschichten. Die Flut an guter Laune, Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Sorge und Güte ist herzerwärmend und ermutigend. Die Welt ist viel besser, als ich dachte. Viel besser, als die Medien über Nachrichten vermitteln und irgendwie sind die Leute weniger misstrauisch als in Europa bzw den großen Ballungsgebieten im Allgemeinen.

Per Anhalter zu fahren heißt hier einfach nur „dedo“, Finger machen. Das fällt mir inzwischen gar nicht mehr schwer. Ich stelle mich an die Straße, mal mit Schild, aber meist ohne, und warte was das nächste Gefährt für mich bringt. Ich hatte bisher nur einen schlechten Fahrer, der ist gerast, und zwei weitere Autos bei denen ich froh war, wieder raus zu kommen, weil mir die Gestalten dann doch zu unangenehm waren. Mit einem LKW wollte ich lange nicht fahren, ich hatte Angst vor den Fahrern, dass sie vllt schon zu lange einsam gewesen waren und mich belästigen könnten. Doch andere Anhalter schwärmten von ihnen und so fuhr auch ich schließlich mal Lkw, das ist ja soooo cool!!! Mein Fahrer war Albert Einstein, der lebt noch, aber damit ihn niemand belästigt und damit er Zeit hat zu grübeln, ist er selbstständiger Brummifahrer zwischen Buenos Aires und Ushuaia geworden 😉

Manchmal haben mich Touristen mit Mietautos mitgenommen, das hat den Vorteil, dass man häufiger hält und mehr Sehenswürdigkeiten entlang der Straße besucht, und alle haben mich in ihre Heimat eingeladen, hehehe. Mit Lokals zu fahren bringt mich wesentlich einfacher an einen Job, denn sie überlegen sofort wen sie kennen, der mir ein paar Tage Arbeit geben könnte, sobald ich von der Wanderschaft erzähle. Leute von hier laden mich zum Essen ein, in ihre Häuser, geben mir ein Bett zum Schlafen und eine heiße Dusche. Es ist für mich auf diese Art und Weise viel einfacher irgendwo anzufangen, als einfach so in einer Stadt anzukommen und nicht zu wissen, wo ich nun nach Arbeit fragen kann, oder nach der günstigsten Möglichkeit zu pennen. Frag mal einen Passanten, der dich noch nie gesehen hat, ob du ne Nacht umsonst bei ihm pennen darfst! so weit bin ich dann doch noch nicht. In der letzten Woche habe ich allerdings von anderen Trampern einiges dazu gelernt. An argentinischen Tankstellen kann man für 50 Cent oder 1€ heiß duschen und meistens auch ein Zelt aufschlagen. Zumindest in dieser Gegend, wo so viele Reisende unterwegs sind, wie hier. Außerdem gibt es eine App (ioverlander), wo andere Reisende auf einer Karte eintragen, wo man umsonst oder gut wild Zelten kann, wo es gratis Internet gibt, Passwörter, günstige Supermärkte, Campingplätze, Duschen, Wäschereien, Sehenswürdigkeiten und so weiter. Das ganze funktioniert auch offline. Mit einer Truppe anderer Tramper habe ich vor ein paar Tagen ein leer stehendes Haus „besetzt“ und mit denselben Leuten die Nacht darauf im städtischen Park von Perito Moreno gezeltet. Ich finde es klasse, dass das hier nicht verboten ist. Man darf überall zelten, solange es kein Privatgrundstück ist, aber die Menschen hier sind Backpacker so gewohnt, dass man auch oft fragen kann, ob man in einem Garten schlafen kann. Viele Estancias, das sind die Farmen, helfen auch gern weiter. Ich lernte Radfahrer kennen, die Patagonien mit dem Rad bereisen. Sie erzählten mir, dass es Strecken gab, auf denen sie nicht so viel Wasser mitnehmen konnten, wie sie eigentlich brauchten. Sie stellen sich dann mit der Flasche winkend an die Straße und bekommen Wasser von den Brummifahrern. Und wusstet ihr, dass es einen Japaner gibt, der von Feuerland bis Japan laufen will? Er lässt sich NIE fahren und in Alaska will er nach Russland laufen, wenn das Meer vereist. Er ist immernoch unterwegs und hat bis Panama zwei Jahre gebraucht.

Ich persönlich muss sagen, dass ich in den Ortschaften nicht so gern das Zelt aufschlage, da bevorzuge ich ein verstecktes Plätzchen außerhalb, wo niemand vorbei kommt. In einer Nacht schlief ich mit Erlaubnis der Marine neben dem Leuchtturm, zuletzt neben einer Brücke, mit dem tollsten Wachhund der Welt, den ich unter anderen Umständen sicher behalten hätte.

Um den Bericht jetzt etwas abzukürzen, fasse ich mal meine Reiseroute nach Ortschaft zusammen. Beginnen wir mit meinem ersten Ziel nach Ushuaia:

Puerto Natales

Das Ufer von Puerto Natales mit den Bergen von Torres del Paine am Horizont.

Nach der Fahrt mit dem besten „ersten Lkw-fahrer“ der Welt und einer Nacht am Leuchtturm mit grandiosem Sonnenaufgang und einem süßen und gar nicht stinkenden Stinktier, schaffte ich es in kurzer Zeit bis nach Puerto Natales.

Mein Aufwachen am Leuchtturm der Punta Delgada.
Das süßeste Stinktier der Welt respektiert die Verkehrsregeln.

Mein letzter Fahrer hieß Tito Danilo und besaß mal wieder eine Estancia, eine Ranch. Zunächst lud er mich in der City zum Mittagessen ein, dann fuhren wir kurz in sein Stadthaus (er hat eins in Puerto Natales, eins in Punta Arenas und eins auf der Ranch…), und dann auf seine Farm. Dort sollte ich unbedingt seinen Sohn kennenlernen, für den er noch eine passende Frau sucht 😛 haha, wir drehten eine kleine Runde über die Farm, ich half beim Holzaufladen, dann fuhren wir zu dritt zurück in die Stadt und besuchten das Greenpeace Schiff Rainbow Warrior, das derzeit von Hafen zu Hafen fährt, um Werbung für eine Kampagne zum Schutz der Magellanischen Gewässer zu machen. Die chilenische Seite Feuerlands heißt Magallanes und hat mit die saubersten Meere der Welt. Da hier viel Lachs schwimmt und gefangen wird, droht in vielerlei Hinsicht eine Naturkatastrophe. Vor zwei Jahren schon verendeten Tausende Fische an der Küste, weil die Fischfarmen, die Lachse züchten, das Biotop aus dem Gleichgewicht bringen. Die Fische bekommen Futter, scheißen, und die Schicht bedeckt und tötet alles, was am Meeresboden wächst und anderen Lebewesen als Futter und Unterschlupf dient. Määap, ham wir Menschen ja mal wieder super gemacht. Chile wollte den Lachsexport aber erweitern und darum die Kampagne. Wir besuchten also das Boot – echt beeindruckend – und Jakov, der Sohn, ließ sich als neues Spendemitglied eintragen. Sehr zum Ärger von Vater Danilo, der zwar Geld mit den Ressourcen der Natur macht (er verkauft Brennholz, und hat Schafe und Kühe), aber meint den Wald wieder aufzuforsten sollte man lieber anderswo, Bäume würden hier nicht gut nachwachsen…ähm….?!? Ernsthaft? Dort wo nichts wächst, haut ihr auch noch das weg, was da ist? Ja, ja, im zentralen Chile wird ja genug angeforstet. Solche Gespräche führe ich mit allen Ranchbesitzern, die ich bisher kenne. Sie denken alle ähnlich. Sohn Jakov ist da immerhin auf meiner Seite, gut, dass die Ranch irgendwann ihm gehören wird.

In der City setzen mich die beiden am Hostel Rio Tyndal ab, wo ich über die Website Workaway ausgemacht habe ein paar Tage umsonst zu wohnen, im Gegenzug bei Aufgaben im Hostel helfe. Der Ankunftstag ist chaotisch, das Hostel voll und ich penne im Wohnzimmer. Danach wird alles besser. Oscar, der Besitzer, ist ein einfacher und ganz lieber Mann, der nicht viel erwartet. Die Aufgaben sind nach 1-2 Stunden erledigt. Ich verbringe die Tage damit einen Besuch im Nationalpark des Schmerzes (Torres del Paine) zu organisieren, aber wie ich es auch wende, es ist entweder eine Frage der Zeit, oder des Geldes und ich beschließe woanders wandern und campen zu gehen. Danach werde ich an den Rand des Nationalparks fahren, dort habe ich über den eifrigen Alejandro aus Punta Arenas eine Kontaktperson. Seine Cousine arbeitet dort in einem Hotel und sagt ich könne ein paar Tage vorbeikommen. Puerto Natales ist somit für mich beendet, ich kaufe Proviant für 5 Tage und freue mich wie ein Honigkuchenpferd, als ich einen der Pullis, den meine um mein Wärmeempfinden besorgte Mama mir geschickt hat, gegen ein paar Handschuhe tauschen kann. Auf geht’s!

Laguna Sofia

Etwa 25km nördlich von Puerto Natales soll ein schöner See liegen, wo man umsonst campen kann und wandern. Ich stelle mir vor, wie ich dort endlich mal ganz allein in der Wildnis ein paar Tage Naturerlebnis erleben kann. Als ich ankomme, sieben Kondore flogen über mir, ich wusste nicht, ob ich mich freuen oder fürchten sollte, stehen da schon 6 doofe Zelte und mehrere Autos. Määäp.

Das erste Aufwachen im Zelt.

Ich laufe umher und suche mir eine etwas abgelegenere Stelle, es ist früher Nachmittag. Baue mein Zelt auf und freue mich erneut darüber, dass man das Zelt kaum sieht, es ist quasi unsichtbar 😀
Ich suche Brennholz und stelle fest, dass in der Ferne ein roter Fleck die Felswand hochkrabbelt. Manchmal rutscht er etwas runter, dann bewegt er sich wieder hoch. Kletterer! Da muss ich hin! Ich bin ganz schön aufgeregt! Vielleicht kann ich was von denen lernen! Ich komme schließlich an, fürchte schon, dass sie jetzt zusammen packen, es ist bereits kurz vor 18h. Doch die Truppe macht nur eine Mate Pause (sehr wichtig!) und bietet mir gleich auch einen an. Zum Mate später mal mehr, das ist eine Wissenschaft für sich. Sie klettern, ich schaue zu und quatsche mit ihnen,  sie sind super nett, wie irgendwie alle Kletterer und fragen mich irgendwann ob ich es auch mal probieren will. Warum eigentlich nicht, ich liebe es meine eigenen Ängste zu überwinden. Ich leihe mir Schuhe und einen Gurt, Jol aus den USA sichert mich an meiner allerersten echten Felswand. Die ersten Meter sind irgendwie gewohnt, das Kieselkonglomerat erstaunlich griffig. Doch irgendwann ein winziger Überhang. Ich mach mir fast in die Hose und will nach wenigen Versuchen doch lieber runter. Aber Jol ermutigt mich, ich schaffe es bis oben (ca 15m), genieße leicht zitternd den Ausblick. Das ist doch nochmal was anderes als Halle! Gaaaanz ruhig….Die Truppe gratuliert, ich klettere an dem Tag noch eine weitere Route und die Gruppe sagt, dass sie morgen wieder kommt, aber an einer anderen Stelle. Wir verabreden uns grob und sie verabschieden mich mit dem Hinweis auf Pumas aufzupassen. Puuuuumas??? Große Augen, was mach ich, wenn ein Puma mir begegnet? Mach dich groß, mach Krach und rennt bloß nicht weg….

hiiiilfe, denke ich kleinlaut.

Am nächsten Tag gehe ich ein wenig wandern, die Zelte sind bis auf eines alle weg. Das gefällt mir schon viel besser. Ich suche die Stelle, die mir von den Kletterern beschrieben wurde und finde sie, weil hier in den Bergen der Schall mehr verrät als die Augen. Ich beschließe erst Mittagessen zu kochen, das ich vor lauter Aufregung über meinen Schoß verkippe und ein zweites Mal kochen muss. Lektion: niemals zu dicht am Zelt kochen. Steht ja auch überall fett dran, aber man macht es ja trotzdem… Hmpf…Kletterschuhe jubelnd aus der tiefsten Ritze des Rucksacks graben und mit Keksen zu den neuen Freunden laufen. Ich komme an, habe mal wieder den kompliziertesten Weg gewählt und sehe, dass es andere Leute sind. Oops. Hehe. Ich setze mich hin, als wär nichts gewesen und schaue ihnen beim Klettern zu. Als ich schob überlege einfach wieder zu gehen, komme ich doch mit ihnen ins Gespräch. Die Klettercommunity ist klein und jeder kennt jeden. Die von gestern kommen bestimmt später wird mir gesagt. Wieder darf ich klettern und als die anderen von gestern kommen, bin ich schon voll dabei. Sie haben mir extra einen Helm und Gurt mitgebracht. Wie süß! Ich verbringe einen tollen Nachmittag und stolpere im Halbdunkel zum Zelt zurück, laufe extra trampelig und laut, damit kein Puma kommt, schlage mit einem Stein auf meine Flasche und singe „Kannibalen in Zivil“ hahaha.

Am nächsten Morgen wird das Zelt zusammen gepackt, der schwere Rucksack aufgeschnallt und der Weg zur „Cueva del Milodon“  angetreten, den mir die Kletterer genauestens beschrieben haben, der ist nämlich inoffiziell. Ohne die Beschreibung hätte ich es nicht gepackt. Mir fällt auf, wie dämlich manchmal das Hirn ist. Während ich auf Gelände bin, von dem ich weiß, dass es Privatgelände ist, habe ich Angst vor wilden Tieren und wütenden Besitzern. Kaum sehe ich einen ausgelaufenen Pfad fühle ich mich sicher, als ob das plötzlich mehr Sicherheit bedeute.

Die „Cueva del Milodon“. 200 lang, 80m breit und 30m hoch.

In einer gigantischen Höhle fand man das Skelett eines Eiszeitbären, der inzwischen ausgestorben ist. Auf dem Weg dorthin, komme ich an mehr als einer Höhle vorbei, an der ich denke, „also wenn hier nicht früher irgendwelche Menschen gelebt oder Rast gemacht haben, fress ich einen Besen“. Die Europäer haben hier ganze Arbeit geleistet, aber früher muss es Indianer hier gegeben haben. Wie ein Forscher, der als erster einen Ort erkundet (an dieser Stelle ziemlich absurd) suche ich nach Anzeichen menschlicher Nutzung. Natürlich nichts, aber ich fühle mich abenteuerlich. Da ich „von hinten“ komme, gelange ich in die Höhle ohne Eintritt zu zahlen und von dort aus auf die Straße, die mich zum Nationalpark bringt.

Torres del Paine

In Torres del Paine weht Wind. VIIEEEL Wind! Ich muss die letzten Kilometer zum Hotel laufen, komme aber kaum voran, weil der Wind mich beinahe aus den Socken haut. Ein irisches Paar nimmt mich die letzten 10min mit. Alejandros Cousine, Misabel, empfängt mich als würden wir uns seit Jahren kennen. Wir hatten ein paar Nachrichten hin und her geschrieben, aber mehr auch nicht. Herrlich. Wieder dieses Gefühl von Glückseligkeit. Es kommt noch besser: ich darf ein paar Tage im Haus der Angestellten wohnen, in der Kantine gibt’s 4 Mahlzeiten täglich und wenn ich Glück habe, kann ich sogar eine Tour in den Park mitmachen, ohne zu zahlen. Woooow!

Das Hotel hat Blick auf das Gebirgsmassiv, das inzwischen so berühmt ist.

Glück habe ich, wie in den letzten Wochen ständig, und darf am nächsten Morgen mit in den Park. Wir fahren mit dem Auto an alle wichtigen Aussichtspunkte und so sehe ich die Highlights des Trekkingtourismus aus der Ferne und ohne die Befriedigung der körperlichen Verausgabung, aber wenn ich ehrlich bin, genügt mir das auch schon. Es gibt so viele andere schöne Bergmassive, wo man sich ganz allein und gratis aufhalten kann; irgendwie erfüllt es mich mit Genugtuung der Geldmache dieses zum größten Teil in Privatbesitz befindlichen Parkes eine Abfuhr erteilt zu haben.

Die Gewässer haben unterschiedliche Farben je nach Nähe zum Gletscher, an manchen Mündungen mischen sich die Farbtöne.

Am nächsten Tag mache ich eine Wanderung zu einem See zu dem ausser mir niemand geht. Er liegt außerhalb des Nationalparks 😉 in der Ferne Gletscher, Berge, Seen…In einem der Seen gehe ich in sekundenschnelle baden, nur um sagen zu können ich sei in einem patagonischen See schwimmen gewesen, Highlight ist ein verlassener Ranchposten.Am nächsten Morgen stehe ich aufgrund der Zeitumstellung in Deutschland aus versehen eine Stunde zu früh auf, fahre mit einem Transferbus des Hotels zur Grenze und starte meine Rückreise in den Norden an. Mein nächstes Ziel: Chalten, wo ich versuchen will Gerardo aufzufinden, der mein erster Anhalter war.

El Chalten

Eine herzallerliebste Familie aus Kanada bringt mich nach Chalten, wo ich ohne Mühe Gerardos Campingplatz finde, nicht ohne eine Einladung nach Kanada zu erhalten 😉 Es schüttet, wie beim letzten Mal. Gerardo freut sich, dass ich ihn aufsuche und stellt mich seiner Frau und seinem Sohn vor. Sie laden mich zum Abendessen ein, es gibt Schaf von der Ranch und Fußball. Der Schmerz über die Niederlage gegen Deutschland bei der Weltmeisterschaft sitzt noch tief. Gerardo hat derzeit keine Arbeit für mich, aber ich darf solange bleiben, wie ich will. Ich schlage mein Zelt auf seiner Wiese auf.

Am nächsten Tag laufe ich durch ganz Chalten und frage nach Arbeit. Es ist die letzte Woche der Saison und niemand brauch meine Hilfe. Aber ich erfahre von einem Schlosser, den ich suche, aber nicht finde. Abends werde ich wieder reichlich gefüttert.

Ich habe kaum noch argentinische Pesos, umgerechnet etwa 15€ und muss entweder etwas Geld machen oder weiter ziehen. Am nächsten Morgen laufe ich zum Hotel der tollen Kanadier und verkaufe ihnen den zweiten Pulli, den Thomas mir aus Berlin mitgebracht hat. Ein hübscher Alpacapulli aus Peru. Ich bin froh dass mein Rucksack etwas leerer ist und ich Geld für einige Tage verdient habe.

Das Wetter ist fantastisch und ich sehe in den nächsten Tagen ständig den Fitz Roy. Dabei muss ich an die armen Kletterer denken, die beim letzten Mal meinten sie hätten noch nie den Fitz Roy zu Gesicht bekommen. Für Gerardos Frau bastele ich eine Aufhängung aus Bewehrungsstahl für eine Flaschenlampe. Sie bringen mich zu dem Schlosser, den ich vergeblich gesucht hatte; sie gehören zu seinen Kunden. Er ist ein schüchterner Kauz und ist, wie alle, nicht ganz davon überzeugt, dass ich Schlosser bin. Doch die Lampe darf ich bei ihm schweißen. Danach ist er schon etwas zutraulicher. Vermutlich sollte ich immer erst einen Tag umsonst arbeiten…

Gerardo nimmt mich mit auf die Ranch. Ein 8000 Hektargrundstück, dass er pachtet. Er hat mit das schönste Stück Land, dass ich hier in der Gegend je gesehen habe. Ungestörte Täler, Berge, Flüsse, Gletscher, ein unbezahlbarer Blick auf den Fitz Roy. Hoffentlich kauft nicht irgendwann ein reicher Milliardär das Land und baut dort ein schreckliches Hotel. Beim Gedanken daran schnürt sich alles in mir zusammen. Mit einem Quad und vier Hunden treiben wir Schafe zusammen. Die Hunde sind der Wahnsinn. Der moderne Cowboy von heute nutzt das Quad und brettert mit 40 Sachen durch die Landschaft, die Hunde rennen unermüdlich nebenher und haben ganz offensichtlich Spaß dabei. Da sie den Umgang mit Kühen gewohnt sind, stellen sie sich nicht so gut mit den sensiblen Schafen an. Die Schafe müssen in ein anderes Gehege, ein Puma hat letzte Nacht eines gerissen. Gerardo sagt, er muss den Puma töten. Wieder so ein Ding, dass mich ärgert, aber dazu vllt später mehr. Ein altes Schaf stellt sich stur und rennt in die falsche Richtung in den Wald. Gerardo schickt die Hunde hinterher. Sie sind einen ruppigeren Umgang mit den Kühen gewohnt und verletzen das Schaf so sehr, dass Gerardo es später töten muss. Das alles kriege ich Gott sei Dank nicht mit. Am Tag darauf darf ich mit ausreiten. Er bietet den Touristen Ausflüge zu Pferd an, da darf ich mit und bin sehr stolz, dass ich als einzige weiß, wie man reitet. Und dass, obwohl ich ja selbst Anfänger bin. Mein Pferd war jedenfalls sehr gütig.

Zum Abschied lädt mich Gerardo zum Essen ein und schenkt mir knapp 100€. Ich fühle mich schlecht dafür, denn er gibt mir das Geld aus Mitleid. Ich möchte kein Mitleid, denn ich habe mich bewusst für das Reisen ohne Geld entschieden. Natürlich können sich die wenigsten vorstellen, dass es Spaß macht und gar nicht so schlimm ist.

Ich bin erstaunt, wie ich selbst von anderen Backpackern verwöhnt werde. Sie haben ja selbst nicht mehr als ich. Ich hoffe, dass ich auch irgendwann so sein kann.
Nach Chalten wird das Hitchhiken schwer. Auf der Ruta 40 sind nun kaum noch Leute unterwegs. Ich bin es nicht gewohnt länger als 1,5 Stunden zu warten, jetzt kommt alles anders.

Chalten – Los Antiguos

Mein Plan war zunächst auf argentinischer Seite etwas in den Norden zu reisen, weil auf chilenischer Seite noch hunderte Fjorde sind und es keine Straße gibt. Perito Moreno war mein Ziel, um dann dort nach Chile rüber auf die ebenso bekannte Carretera Austral zu wechseln und auf chilenischer Seite in den Norden zu trampen, um dann auf der Höhe von El Bolson wieder nach Argentinien zu wechseln und Erfahrung im Lehmbau zu sammeln. Als ich noch in Puerto Natales war, erreichten mich die Katastrophenmeldungen aus Peru und meinen Freunden in Lima. Ich dachte sofort, dass ich hinreisen sollte, um zu helfen. Ich kam aber zu dem Schluß, dass es noch zu früh sei anzureisen. Hilfe ist natürlich immer willkommen, aber Aufbauarbeiten brauchen ihre Zeit, bis wieder eine gewisse Infrastruktur vorhanden ist. Also bleibt es dabei, dass ich erstmal weitere nützliche Fertigkeiten lernen möchte.

Zufall? Auf dem Schild steht „La vida es todo un viaje“, das Leben ist eine große Reise.

Für die Strecke, die ich mit Thomas an einem Tag machte, brauchte ich diesmal 3 Tage. Man kommt ein Dorf weiter und muss bis zum nächsten Tag warten, bis wieder ein Auto hält.  Das war zunächst frustrierend, aber später fand ich es auch eigentlich ganz gut. Mir sind nämlich dann wieder gute Sachen passiert. 

In Tres Lagos lief ich ca eine halbe Stunde aus dem 30-Häuser-Dorf, ein Hund begleitete mich. Ich wartete ca 2 Stunden an der Straße, Wauwe setzte sich auf die Straße, als ob er mir helfen wolle. Als niemand kam, schlug ich mein Zelt neben der Brücke neben dem Fluss auf. Der Hund blieb den ganzen Nachmittag in meiner Nähe. Ich teilte mein Abendessen brüderlich mit ihm und unterhielt mich mit ihm. Dabei musste ich an die Obdachlosen in Deutschland denken. Obwohl sie selbst wenig haben, teilen sie es mit ihrem Vierbeinigen Freund. Ich kann sie so gut verstehen. Tiere sind so edel und gut, wahre Gefährten. Ich fühlte mich auserwählt und beschützt. Er hatte die anderen Backpacker zurück gelassen und mich begleitet. Die ganze Nacht schlief er neben meinem Zelt. Er bellte hin und wieder, als sich irgendwas näherte. Mein Beschützer. Die Nacht war arschkalt und ich schlief nicht gut, aber immerhin war Wauwe da, das war irgendwie schön. Am Morgen lief ich nur seinetwegen zurück in die Ortschaft. Es war bereits 10, aber bis auf einen Kiosk war noch alles zu. Ich wollte Hundefutter kaufen. Hier macht alles erst um 11 auf. Hier ist echt der Hund begraben…Ich kaufte ihm eine Dose Fleisch, er war mir selbstverständlich gefolgt. Zusammen gingen wir zurück zur Brücke, wo nun auch die anderen Backpacker, ein Paar aus Spanien, standen. Sie hatten auch gezeltet. Ich wusste bereits, dass mir der Abschied vom Hund schwer fallen würde. Schnief….Ich war grade dabei ihm das Fleisch zu servieren, als ein Auto hielt und sich bereit erklärte uns alle drei mitzunehmen. Es ging alles ganz schnell und ich sah Wuawe in der Ferne verschwinden. Innerlich vergoss ich viele Tränen und stellte mir vor, wie ich zurück fuhr, um Wauwe abzuholen und mitzunehmen. Er ist der Beste. 

Wuaue

In Perito Moreno strandeten wir neben drei anderen Backpackern. Einen kannte ich aus Chaltén und er wiederum kannte schon die beiden Spanier. Argentinien ist ca 8mal größer als Deutschland und doch läuft man sich immer wieder über den Weg! Das gleiche passierte mir mit Vincent und Helena, sowie einem holländischen Paar, dass ich zweimal wieder traf und mit einem Paar aus Australien, dass ich einmal wieder sah.
Wir warteten wieder den ganzen Nachmittag und beschlossen schließlich gemeinsam zu übernachten. In der Nähe stand ein leerstehendes Haus. Eine Vorhut ging die Lage checken und kam begeistert zurück. Strom, Matratzen, Toiletten und viel Platz. Der Rest ging hinterher und wir fanden Lebensmittel, Heizkörper und vieles mehr. In dieser Nacht schliefen wir alle gut.

Unser besetztes Anwesen

Wir hatten königlich gegessen, kaum Geld ausgegeben, ein warmes, gemütliches Bett. Am Morgen warteten wir nur knapp 1 Stunde und wurden zu viert bis Perito Moreno mitgenommen. Auf der Ladefläche des Pickups. Es war kalt und windig, aber wir kuschelten uns zusammen und dann wars halb so schlimm. Leider mussten zwei zurück bleiben…

Wärmen auf dem warmen Asphalt.

Die Nacht in Perito Moreno zelteten wir im Stadtpark. Wir kochten gemeinsam und so nett es war, desto deutlicher wurde mir, dass es auch wieder an der Zeit war aufzubrechen. Mit anderen Backpackern zu reisen kostet mich mehr Geld und bringt mich nicht mit Locals zusammen. Es hat wie gesagt andere Vorteile. Nun hieß es für mich wieder solo-reisen.

Los Antiguos

Mein neues Ziel war jetzt die Grenze nach Chile, Los Antiguos, nur 60 km von Perito entfernt. Weil es den ganzen Tag regnete, verzögerte sich meine Abreise erheblich. Ich stellte mich erst um 17h an die Straße. Als ich in Los Antiguos ankam, spürte ich sofort eine positive Stimmung. Dieser Ort am See gefiel mir. Ich wollte am Strand zelten, das war irgendwie einladend. Ich versteckte meinen Rucksack im Gebüsch und lief den Strand entlang. Der Sonnenuntergang war fantastisch, das Herbstlaub leuchtete hier besonders schön. An einer Biegung waren ein paar Windsurfer. Eigentlich schenkte ich ihnen zunächst kaum Beachtung, ich fotografierte den Sonnenuntergang. 

Doch dann fragte ich die Surfer, ob ich am Strand zelten dürfe und die Herren, alle in ihren 50ern, bombardierten mich mit väterlichen Sorgen und luden mich stattdessen ein in der Geborgenheit eines Hauses zu übernachten. Ich wollte ja nur eine Nacht bleiben und dann nach Chile rüber, aber daraus wurde dann wohl nix. Ich bin immernoch hier, weil’s so schee ist. Einer der Surfer, auch ein Gerardo, besitzt eine Kirschplantage. Er möchte jetzt dauerhaft dort wohnen und braucht Möbel und einen Hühnerstall 😀 da kenn ich jemanden der das sehr gerne erledigt ^^ der Hof steht voller Paletten. Mein Paradies.

Ich versuche ihn zu überzeugen Wuawe herzuholen, was bisher nicht gefruchtet hat, aber dafür lerne ich windsurfen bei kühlen 12 Grad und lache und freue mich wie ein kleines Kind, wenn der Wind seine Kraft entfaltet.

Gerardos Freunde wollen nun auch alle Möbel haben, dabei hab ich noch gar nicht angefangen, hehe, und sie haben mich jetzt schon so herzlich in ihre kleine Surfercommunity aufgenommen, dass sie mich gar nicht mehr gehen lassen wollen. Los Antiguos hatte von Anfang an dieses gute Gefühl von Wohlgefallen.

Gestern sind wir an die Küste, nach Caleta Olivia, gefahren, um Gerardos Umzug zu machen und Werkzeug und Material zu kaufen. Sogar einen Schweißapparat kauft er, damit ich in Ruhe arbeiten kann. Ich kann mein Glück kaum fassen. Der Schutzpatron der Katzenköppe meint es gut mit mir. Stück davon. (Danke Steffi und Frank!!! <3)

—-

Wie ihr vielleicht gemerkt habt, komme ich nicht so schnell mit meinen Berichten hinterher, wie ich manchmal wünschte. Das liegt zum einen daran, dass so viel passiert und zum anderen, dass es anstrengend ist das alles auf dem Handy zu schreiben. Ihr könnt euch aber nicht vorstellen, wie oft ich an euch denke und meine Erlebnisse teilen will! Darum freue ich mich über eure Mails und Fragen, die mir zeigen, dass ihr meine Berichte mit Neugier erwartet und irgendwie mitreist 😀

Es gibt nun auch oben rechts die Seite mit Rezepten, die ich nach und nach ergänzen werde.

——
Ein paar lose Gedanken.

Meine Reise läuft deswegen so gut, WEIL ich eine alleinreisende Frau bin. Das weckt den Beschützerinstinkt vieler Menschen. Manchmal fühle ich mich wie eine Botschafterin. Die Leute finden es alle gut. Cool, dass es auch manchmal von Vorteil ist Frau zu sein.

Die Wanderschaft verwundert sie alle, aber auch das finden sie klasse und bewundernswert. Einen Job als Schlosser hat mir das trotzdem noch nicht gebracht.

Die Menschen in Argentinien sind soooo lieb.

Pumas sind vom Aussterben bedroht und sollten nicht unter den wirtschaftlichen Interessen stehen, sondern darüber. Es gibt sicher andere Möglichkeiten Pumas von Schafen fern zu halten und der Idiot, der mir erzählt hat, Pumas zu jagen wäre ein beliebter Zeitvertreib der Männer seines Dorfes und das Fleisch verkaufe sich hervorragend, sollte mal ordentlich das Gehirn gewaschen bekommen. Ebenso wie der Typ der meint Juden wären an der finanziellen Ungerechtigkeit der Welt schuld und heimliche Drahtzieher der Weltpolitik und Hitler habe nicht ganz Unrecht gehabt.

Wauwe ist der Beste.

Wenn ich groß bin, lasse ich Backpacker umsonst bei mir wohnen und nehme Straßenköter auf. Und ich nehme jedes Mal Anhalter mit!

Ich fange auch schon an Mate zu zelebrieren.

Wauwe ist der Beste. Ich hoffe es geht ihm gut.

Ich bin jetzt vier Monate unterwegs. Es fühlt sich gar nicht so lang an. Ich bin immernoch voller Abenteuerlust 🙂

Frohe Ostern!

4 Gedanken zu „Feuerland :-)“

  1. Miri, du bist der Wahnsinn!! Bei deiner SMS vom Klettern hatte ich mir das wesentlich weniger abenteuerlich vorgestellt… so sah es ja schon sehr nach Extremsport aus 😉 Sei lieb umarmt aus der Ferne und pass weiter gut auf dich auf!!

  2. Huhu Miri!

    Ich kann das kaum lesen ohne dass es in den Fingern juckt…!
    Wie toll sich das anhört und was du alles lernst über dich selbst, Andere, Elektroden und Zeitmanagement.
    Ich hoffe, dass es, was die Hilfsbereitschaft, netten Kontakte und tollen Naturerlebnisse genauso für dich weitergeht!

    Der Rest ergibt sich dann von selbst!
    Liebste Grüße, Glück auf und Stück davon 😉
    Steffi & Frank

Antworte auf den Kommentar von Monika Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.