Lord Howe und Neukaledonien

Francis und ich auf LOGIC.

April und Mai 2019.

Es war geschafft, es war mir tatsächlich gelungen: ich hatte ein Boot gefunden, das mich nach Vanuatu bringen würde. Mein Herz hüpfte vor Freude.
Der Katamaran war eine neue Welt und dennoch vertraut. Es gab Begriffe von Elementen, die es auf einem „Monohull“ nicht gibt, und auch das Segeln selber unterschied sich in manchen Dingen, aber als erstes fiel mir auf: der Herd ist ja ein ganz normaler Haushaltsherd, keine Wippe! Und es gibt eine Waschmaschine! und kaum Handgriffe, um sich festzuhalten! Ein Katamaran ist ein schwimmendes Wohnzimmer.

Ich war es noch nicht gewohnt, dass ein Katamaran weniger schaukelt, als ein Segelboot und fragte Francis mehrfach wohin er dieses oder jenes verstauen wolle, damit es nicht durch die Bude fliegt, nur um in ein grinsendes Gesicht zu blicken , das meinte es sei nicht nötig.
Auf unserem Weg nach Süden machten wir mehrfach Halt, einmal um uns von Francis‘ Tochter zu verabschieden und seine Geburtstagsgeschenke in Verwahrung zu nehmen, denn er würde in Kürze seinen 60 Geburtstag feiern. Ein zweiter Stopp wurde eingelegt, diesmal in den nächtlichen Wirrlichtern der Großstadt Gold Coast, um Nick, das letzte Besatzungsmitglied, abzuholen.
Ey, diese Lichter! Vor lauter Lichtern sieht man gar nicht, wo die Fahrrinne ist, welche Lichter näher sind und dann sind auch noch Idioten unterwegs, die Mitten in der Fahrrinne fischen oder ankern! Und dann die ganzen unbeleuchteten Boote, die in der Bucht parken….tsss
Nick war mir hingegen auf Anhieb mit seiner ausgeglichenen und dennoch aufgeweckten Art sympathisch. Ich hatte bereits in den ersten 12 Stunden mit meinem neuen Skipper gemerkt, dass es gut tun würde seine hibbelige Energie auf weitere Personen zu verteilen. Er würde mich sonst verrückt machen. Auch würde es gut tun bei den Gesprächen über den Zustand der Welt, Umwelt, Politik und Gesellschaft einen Puffer zu haben, der verhindert, dass wir aufeinander losgingen, so unterschiedlich waren unsere Einstellungen.
Der Grund für unsere Fahrt gen Süden, war der bessere Windwinkel für unsere Fahrt zum ersten Etappenziel, Lord Howe Island.

Die Crew ist komplett. Links Nick, rechts Francis.
Vorbereitung für die Abfahrt. Ich klettere in den Mast und biege den Windanzeiger wieder gerade. Auch das Rigg wird nochmal geprüft.

Zwei Nächte verbrachten wir in Yamba, das ich bereits kannte, denn ich hatte Wochen zuvor einen meiner Zettel hier aufgehängt, jetzt war ich hier als Crewmitglied. Mit Francis‘ Studienfreund, der hier wohnt, übte ich mich zum ersten Mal im Fliegen einer Drone, denn Francis hatte seit drei Jahren eine an Bord, doch nie benutzt, und nun hatte er mich zur Dronenbeauftragten ernannt. Ausgerechnet mich…! Ich bin doch technisch unversierter als so mancher Greis! Gerne erinnere ich mich an ein Telefonat vor ein paar Jahren. Ich hatte zum Geburtstag einen Pürierstab von meinen Großeltern geschenkt bekommen, das Paket kam direkt von Amazon. Als ich meinen auf die 90 zugehenden Opa fragte, wie sie das angestellt hatten, sagte er amüsiert „Mensch Miri, wir sind doch nicht von gestern! Wir haben das im Internet bestellt und mit der Kreditkarte bezahlt“. Oh Mann, ich hab coole Großeltern.
Also bin ich hier diejenige von gestern! und ausgerechnet ich soll Francis das Dronenfliegen beibringen? Dieses fiese Ding, das wie ein Schwarm Wespen klingt?

Von Yamba aus ging es weiter nach Süden bis Coffs Harbour, wo ich ein freudiges Wiedersehen mit meiner „australischen Familie“ hatte und mich freute für einen Abend vom Boot zu entkommen. Obwohl erst seit wenigen Tagen an Bord, kam es nicht selten dazu, dass ich mir einen bissigen Kommentar verkneifen musste, wenn Francis mal wieder über Veganer, Ausländer, oder über nicht auf Titel-wertlegende-Menschen ablästerte. Auch konnte er es nicht lassen immer wieder auf seinen Wohlstand und intellektuelle sowie generelle Überlegenheit hinzuweisen. Dieser Mann findet sich unwiderstehlich. Andererseits ist er ein Mann der stets ein freundliches Lächeln hat und gut gelaunt ist und seinen eben erwähnten Wohlstand auch gerne teilt. Das weiß ich natürlich auch zu schätzen. Ohne ihn wäre meine Reise nicht gelungen und im Laufe der Zeit lernten wir uns gegenseitig schätzen.

Unser letzter australischer Hafen: Coffs Harbour, wo Wochen zuvor meine Suche nach einem Boot begonnen hatte.

In Coffs deckten wir uns noch mit letzten Lebensmitteln und Geschenken für die Menschen in Vanuatu ein. Die Leute dort freuen sich über Kleidung, Angelbedarf, Spielsachen, Samen etc, die man dann entweder verschenkt oder im Tauschhandel gegen frisches Obst und Gemüse oder Kunsthandwerk eintauscht. Ich war gespannt! Und auch der winzige Anteil Shopping-Queen und Trophäenjäger in mir fand Freude daran in einen Second-hand Shop zu gehen und eine ganze Tasche für 5 Dollar mit Kinderkleidung zu füllen, damit ich in Vanuatu punkten kann.

Diese kleinen Freunde (Muttonbirds) brauchen Orientierungshilfe.

Die letzten Tage vergingen wie im Flug. Ein Highlight waren die drei von mir „geretteten“ Muttonbirds. Sie kommen nach Coffs Harbour um zu brüten und lassen nach wenigen Wochen die Küken allein. Während die Eltern schon wieder auf dem Wege nach Südostasien sind, müssen die Kids lernen sich selbst zu versorgen und vor allem zu fliegen! Sie sind so programmiert, dass sie der Mondlaufbahn folgen, um ihre Eltern einzuholen. Doch sind heutzutage die Lichter der Zivilisation so stark, dass sie verwirrt in die falsche Richtung starten und nicht wenige auf dem Meer oder Land eine Bruchlandung absolvieren. Dort werden sie von dahinschmelzenden Helfern wie mir eingesammelt, die diese ach so flauschigen Federbälle dann bei eine Stelle abgeben, wo sie untersucht und registriert werden. Am nächsten Nachmittag werden die Piepmätze wieder auf ihren Hügel getragen, ausgesetzt und müssen ihr Glück aufs Neue probieren. Der ein oder andere landet natürlich mehrfach in den Händen der Flughelfer, entweder weil er beratungsresistent ist, oder die freundliche Bedienung auskostet. Es kommt ja nicht alle Tage vor, dass man so viel Entzücken auslöst. Das ist sicher gut fürs Ego eines Heranwachsenden.

Schließlich ist es soweit. Nach beinahe zwei Wochen der verbissenen Wetterbeobachtung hat Francis die sich stabilisierende Wetterlage für perfekt befunden, um 800 Seemeilen nach Lord Howe zu segeln. Er ist sogar so zufrieden mit dem, was sein Wetterprogramm ihm prognostiziert, dass er (und wir) uns auf „Champagner – Segeln“ freuen können. Welle um die 1,5m Höhe und 10-12 m Abstand, gute Windstärke um die 15-20 Knoten. Er denkt, dass wir mit 10-12 Knoten die Stunde voran kommen, für einen Katamaran keine Seltenheit aber für mich eine bisher nur erträumte Segelgeschwindigkeit.

Ein letztes Mal tanken, letzter Einkauf, alle Dinge auf der To-Do-Liste haben wir bereits abgehakt, Logic befindet sich in einem guten Zustand, ist mit allem doppelt und dreifach ausgerüstet und scharrt schon ungeduldig mit den Hufen.

Von wegen Champagner…
Es ist ungemütlich und noch dazu hängt der Magen quer.

Anders als erwartet entpuppen sich die ersten 400 Meilen als ganz schöne Kotzefahrt. Statt Champagner gibt es was aus dem Shaker. Am besten was mit Sahne, Obststücken und so viel Zucker, dass daraus eine explosive geronnene Mischung entsteht, die den Magen auf die Barrikaden bringt. Der Ostaustralische Küstenstrom steht gegen die Wellen des Windes an, das Meer ist ruppig und aufgewühlt, der Strom drückt uns viel mehr herunter, als gedacht und zwingt uns viel höher am Wind zu segeln als gewollt,
der Wind ist ebenfalls stärker als prognostiziert.
Ich kämpfe gegen Übelkeit, habe schon ein Pflaster genommen und kann mich kaum im Boot bewegen, es schlägt einen herum wie im Rodeo. Es war ja unnötig im Katamaran ein paar Handgriffe anzubringen. Das Wasser in der Kloschüssel springt schon über den Rand, wer pissen will, muss schon während des Pullerns abpumpen, sonst kann man gleich noch die Dusche einschalten, da überlegt man nicht zweimal, ob man das große Geschäft lieber auf später verschiebt, der Wasserkessel poltert vom Herd durch die ganze Kombüse (ist ja schließlich kein Schaukelherd!), der Spülibehälter zerbricht auf den Bodenbrettern und verwandelt den Durchgang in eine Schlittschuhbahn, durch den Salon kullern die Limetten, wer keine Schicht hat und versucht zu pennen, wird in der Koje feststellen, dass er einmal die Minute von einem Wellenschlag in die Luft gehoben wird und Aladin auf dem Fliegenden Teppich spielen kann.
Doch Logic ist ein Katamaran und liebt es zu sprinten, der Wind treibt ihn in immer größere Geschwindigkeiten, er will zeigen was er kann. Wegen der kurzen und unordentlichen Wellen ist das aber ungemütlich, die Gefahr zu groß, dass Dinge kaputt gehen und wir überpowern.

Reffen erfordert das ganze Team. Mein Körper ist so geschwächt, dass schon das Winschenkurbeln für mich eine Höchstanstrengung ist.

Wir reffen was das Zeug hält, nehmen das Groß (das Segel am Mast) sogar ganz weg. Am Ende fahren wir selbst mit den letzten 10 Quadratmetern, die wir an der Genua (das große Vorsegel) stehen lassen noch 8-10 Knoten. Das Boot beruhigt sich etwas und liegt ruhiger, aber die Wellen schlagen von unten an die Brücke und weil die Wellen so kurz und wild aus allen Richtungen kommen, scheren die Rümpfe im Tal der Welle ruckartig aus. Wie eine Achterbahn.
Irritierte meldet mein Magen: diese Bewegung sind wir nicht gewohnt! Davon hast du nie was gesagt!
Mein Blick schweift über das Meer. Es sieht aus wie gewohnt, stelle ich mit den Augen eines Einrumpf-Matrosen fest. Wie kann das sein? Das Boot ächzt und knarzt, man hört regelrecht, wie das Material belastet wird und aufschreit. Torsion und Scherung, Zug und Druck. Leise danke ich dem Himmel, dass Logic ein Aluminiumboot ist. Ein Plastikboot will ich mir gar nicht erst vorstellen. Wie wird das erst, wenn das Meer wirklich mal tobt? Das ist ja hier trotz der düsteren Wolken noch Sonntagswetter!
Im Laufe der nächsten Wochen, in denen mich das Flaue in der Magengrube nie wirklich verlässt, lerne ich, dass es einfach am Katamaran liegt. Ein Rumpf bewegt sich anders als zwei. Wo Francis schon aufhört zu segeln, kann Andi mit der Dicken erst loslegen. Francis plant seine Routen ganz anders, benötigt andere Windstärken und Wellenhöhen als ein Monohull.

Lord Howe taucht am Horizont auf bevor wir von einer Schlechtwetterfront überrollt werden.

Im Morgengrauen des xxx Tages, taucht imposant die Bergkulisse von Lord Howe Island vor uns auf. Wir kommen gerade noch rechtzeitig vor der bevorstehenden Schlechtwetterfront an. Überhaupt kündigte der kalte Wind, den wir bis auf die Nasen vermummt abwetterten und die kräftigen Böen der letzten Tage schon an, dass der australische Sommer nun dem Winter Einzug gewährt. Es war definitiv an der Zeit nach Norden zu gehen. So lange, bis das Kokosnussöl in seinem Behälter wieder flüssig und klar bleibt.

Lord Howe Island hat einen Sonderstatus im Australischen Hoheitsgebiet. Es ist zum größten Teil Naturschutzgebiet wegen seiner Bedeutung als Brutstätte für einige Seevogelarten und überhaupt als sensibles Inselbiotop. Die Anzahl der Einwohner ist begrenzt auf 500, wenn ich mich nicht täusche und auch Besucher, dürfen zu keinem Zeitpunkt mehr als 300 sein. Wer als Segler unterwegs ist, darf nur an einer der wenigen Moorings bleiben und überhaupt eigentlich nur dann auf der Insel stoppen, wenn es ein Emergency Stopp ist, sprich um abzuwettern oder wichtige Reparaturen vorzunehmen. Drei Tage ist Maximum es sei denn die Wetterlage verhindert eine sichere Weiterfahrt.

Für uns trifft das zu. Wir dürfen länger als drei Nächte bleiben, weil das Wetter zu instabil für eine Weiterreise nach Noumea ist. Alle 6-8 Tage trifft ein Tief auf Lord Howe, der Wind dreht dann im Laufe des Tiefs von Nordost auf Südwest. Mit dem nächsten Südwest wollen wir nach Neukaledonien schießen.
Pyramid Island lässt das Kletterherz sehnsüchtig in die Ferne blicken.
Seit einiger Zeit hat LH ein Rattenproblem, das nun in einer Großaktion angegangen wird, um die Vögel der Insel zu schützen. Über 20 000 Rattengiftbehälter werden verteilt, alle 10 qm einer. Wer Kühe, Pferde oder Schafe besitzt, soll sie zum Festland bringen, oder schlachten, damit sie die Behälter nicht umstoßen oder sich vergiften und erhält pro Kuh 2000 Au$. Dieser Viehbesitzer entscheidet sich für das schnelle Geld.
An Ned’s Beach kann man Fische füttern. Ich bin neugierig, ob ich einen streicheln kann. Es geht. Aber in den Finger werde ich trotzdem gebissen 😛
Nicht von diesen Fischen. Diese sehen wir beim Schnorcheln.
Grillen vor der Abfahrt. Die vielleicht letzte Mahlzeit, die im Magen bleibt.

Wir bleiben eine ganze Woche. Machen Wanderungen, gehen Schnorcheln, Stand-up Paddeln, Reparaturen, Wetter abwarten. Es ziehen immernoch Tiefs durch, das erste am Tag unserer Ankunft das nächste wenige Tage später, nicht lang genug, um bis Neukaledonien zu kommen. Als das zweite durch ist, sieht es besser aus. Wir planen wenige Stunden nach dem Höhepunkt des Sturms abzufahren und uns an den „Schwanz“ des Wirbels zu hängen. So hoffen wir schnell voranzukommen, ehe die nächste „Zwischenflaute“ eintrifft.

Wir sind die ersten Segler, die das Wetter für passend bestimmen und abfahren. Ein halber Tag nachdem das Tief abgezogen ist. Der Wind hat gerade erst gedreht, weht um die 20 Knoten – bei mehr lässt uns der Hafenmeister nicht durch den Pass. Wir sind bereit und starten kurz nach Mittag. Die Motoren auf Vollgas, denn im Pass sind die Wellen höher – an die 3 Meter. Es klappt gut und 2-3 Stunden später haben wir schon gute Strecke gemacht.

Wir sind schon eingespielt, es bedarf keiner Erklärungen mehr. Das Meer ist auch diesmal durcheinander, schließlich dauert es eine Weile, bis es sich nach dem Tief beruhigt. Noch stehen die alten Wellen gegen die Neuen, damit habe ich mich schon teilweise abgefunden. Francis übernimmt die erste Nachtschicht. Einmal wache ich auf und schaue nach dem Rechten. Ob Zufall oder nicht, Francis stellt gerade fest, dass der Riemen im Autopilot, der das Steuerrad bewegt, gerissen ist. Das ist nicht witzig. Aber komisch ist es auch. Wieso reißt er jetzt, wo es eigentlich gar nicht so wild ist? Es ist natürlich besser so. Ich wecke Nick und zu dritt bauen wir das gesamt Lenkrad unter voller Weiterfahrt ab. Nur mit einem Zange und dem Kompass wird Logic jetzt durch die Nacht gelotzt. Francis holt den Ersatzriemen und ich halte das Rad beim Wechseln. Fertig. Das ging doch ganz gut. Ich gehe wieder in meine Koje und warte bis zu meiner Schicht. So segeln wir in einer Woche durch bis Neukaledonien. Fische fangen wir nicht. Ich vermute, dass wir zu schnell sind. Lediglich ein paar fliegende Fische gesellen sich zu uns aufs Deck, aber in der Pfanne landen sie nicht.

Besuch von Delfinen. Sie spielen gerne am Bug.
Wir sind in Frankreich! Von Australien nach Frankreich in nur 2 Wochen. Haha! Es ist irgendwie surreal, dass man in dieser Gegend der Welt die Französische Gastlandflagge hisst. Aber Neukaledonien gehört unseren Nachbarn. Ich reise wieder in die EU ein.
Wir kommen pünktlich zu Francis‘ 60. Geburtstag an und überraschen ihn mit einem geschmückten Salon, selbstgemachter Torte und gesammelten Geschenken.
Eine Kirmes direkt an der Marina. Jeden Abend leer.
Und endlich wieder ordentliche Märkte. Wir decken uns wieder ein und genießen die französische Gastronomie.
Croissant und Café au Lait, was sonst?!
Der Französische-Ikonen-Overkill.
Und endlich wieder vernünftige Butter!
Schnecken nicht zu vergessen…

Nouméa lässt mich als Stadt kalt. Nichts besonderes. Ich schaue mir gerne die Menschen an. Sie sind schön, die „Kanaken“. Ich gehe ins Museum und versuche mehr über die Geschichte des Landes vor und seit den Französischen Kolonisten zu erfahren. Es sind auch Melanesier und ich sehe Vertrautes, das mich an die anderen mela- und polynesischen Inselstaaten des Südpazifiks erinnert.

Logics Vorläufer. Die ersten Katamarane stammen aus dem Südpazifik. Die Rümpfe waren oft aus einem einzigen Baumstamm.

Wir bleiben nur 3 Tage in Nouméa und vor Abreise erfülle ich mir einen langersehnten Traum. Ein Besuch bei den „Eiern“ von Renzo Piano, deren Bilder mir aus dem Studium im Gedächtnis geblieben sind und die ich nie zu sehen für möglich gehalten hatte. Ich hatte ja noch nicht mal eine Vorstellung wo Neukaledonien sein solle.

So, noch einmal schnell die Baguette Tüten trocknen, dann können wir los.
Aurevoir Neukaledonien, Vanuatu wir kommen!

Noch drei Nächte Buchtenhopping, dann eine letzte Überfahrt, diesmal eine kurze, es trennen mich nur noch 250 Seemeilen von Vanuatu und der Kama.

Am 21. Mai hissen wir die Flagge Vanuatus und laufen in Port Vila ein. Gespannt halte ich nach der KAMA Ausschau.
Und da ist sie <3
Logic hat sich nach drei Wochen auf See einen Platz in der Marina verdient.
Und Bislama, ein Pigeon-English bereitet mir in den nächsten Wochen große Freude. Das Laut-Aussprechen dieser Sprache hilft beim Verständnis sehr. Hier das Schild einer Apotheke.
Und vor meinem Umzug auf die Kama, verbringe ich noch ein paar Tage mit Team Logic. Das ist ein Hundeleben.
Abschiedsabend mit Francis und Nick.
Und eintauchen in die Gemütlichkeit Vanuatus.
Das Wiedersehen mit Kama….<3 oh wie schön, dass auch meine liebe Sunny da ist. Das ist eine perfekte Überraschung.
Teil 1 ist geschafft. Jetzt heißt es mit Kama nach Deutschland zurück. Für mich heißt das ein Jahr auf dem Meer mit wenig Zeit an Land – für euch heißt das, dass ihr schonmal meine Willkommensparty vorbereiten könnt! Die Käsespießchen nicht vergessen!

„Die Leute sagten das geht nicht…“

…Da war eine, die hat das nicht gewusst
und hat es einfach gemacht.“

Ein Radfahrer auf der Autobahn.

Wie erklärt man, ohne arrogant zu klingen oder wie ein Hippie auf zu bunten Drogen, dass man „Kräfte“ hat? Ich halte mich inzwischen für recht talentiert darin groß zu Träumen und meine Träume zu „manifestieren“.
Immer wieder formuliere ich einen Wunsch, sende diesen ins Universum und mit der richtigen Einstellung und „Technik“ wird dieser Wunsch irgendwann und zu gegebener Zeit wahr. ^^
Wahrscheinlich verliere ich jetzt ein paar Abonnenten, „Oh nein, jetzt fängt sie mit diesem Quatsch an…“

Wie auch immer, hier war mein Wunsch: ich suche ein Boot von Australien nach Vanuatu (Vanu-Wo?), damit ich meinem Freund Andi und meiner geliebten Kama, alias der Dicken, helfen kann nach Deutschland zurück zu kehren. Die meisten von euch haben wahrscheinlich noch nie was von Vanuatu gehört.

Ja ja, das war ein kleiner Schock, als mein Lieblingspirat mir offenbarte, dass er gedenkt so schnell es geht nach Deutschland und für ein paar Jahre zurück ins „Tal der Gesetzlosen“ zu kehren (sein irdisches Zuhause in Niedersachsen). Ich kann mir diesen Mann nicht dauerhaft woanders als auf Kama vorstellen; so etwas gibt es gar nicht! Er wollte doch eigentlich noch viele Jahre auf den Sieben Weltmeeren herum vagabundieren – und ich wollte ihn doch hier und dort begleiten, sein Piratenlehring sein!
Aber nun gab es eine neue Aufgabe: die Dicke bis Sommer 2020 nach Deutschland bringen und ich hatte Andi versprochen ihm zu helfen, wo ich konnte – Indianerehrenwort. Also muss ein Boot her. Von Australien nach Vanuatu, wo Andi und ich uns treffen würden. Ich würde aus Australien anreisen und Andi von Neuseeland, wo anscheinend Wetten zwischen meinen Seglerfreunden abgeschlossen wurden, ob mir die Anreise per Anhalter auf einem Schiff gelingen würde oder nicht. Ach ja, es gibt doch immer die eine Hälfte der Zuschauer, die hofft, dass du scheiterst…

Ein kleiner Wunsch ans Universum. Ich suche ein Boot von Australien nach Vanuatu.

Ich begann also mit meinem „Manifest“. Inzwischen hatte ich eine gewisse Routine für das Manifestieren von Segelmitfahrgelegenheiten:
Zettel aufhängen, parallel auf der Website Findacrew aktiv sein und mit so vielen Seglern, wie nur möglich ins persönliche Gespräch kommen.

Ich begann in Coffs Harbour. In 14 Tagen verteilte ich auf einer Strecke von über 921km meine Zettel, ging in jede Marina, in jeden Waschsalon, in jeden Yachtclub, in jede Werft, in Touri Zentren und Supermärkte, wurde hierhin und dorthin geschickt, hatte Schwierigkeiten mit Seglern in Kontakt zu kommen, da alle Marinas abgeriegelt sind und man nur in die Büros kommt…. All das per Anhalter. Es war anstrengend!

Die Reaktion der Angestellten war meist die Gleiche: nein wir kennen niemanden und wir erfahren auch meist nicht wohin die Leute segeln, außerdem sind hier nur lokale Boote. Außerdem bist du ein paar Wochen zu früh. Deine beste Chance ist Facebook. Alle verwiesen mich aufs Internet. Immer dieses doofe Internet. Mir wurden ein paar Gruppen genannt, denen ich beitreten solle – aber ich war nicht überzeugt. Meine bisherige Erfahrung hat gezeigt, dass der frühzeitige, direkte Umgang mit Seglern und meine Zettel in den Laundry Räumen der Marinas die richtige Zielgruppe erreicht. Denn ein Segler kennt ein Dutzend andere und beim Sundowner stecken sie ihre Köpfe zusammen und überlegen, wen sie kennen, der aushelfen könnte. Und dann haben sie schon einen persönlichen Eindruck von mir. Ein viel besseres Netzwerk als Facebook, wie ich finde. Aber was solls, ich versuchte es natürlich trotzdem auch auf der digitalen See.

Eine typische Bucht an der stark bevölkerten australischen Ostküste.

Ich erreichte die Stadt nach meinen Wochen im trockenen Outback erst am späten Nachmittag, kannte mich nicht aus und fragte mich durch bis zur Marina, die ich kurz vor Sonnenuntergang erreichte. Die Hitze war erstickend, die Wälder mit ihrem satten Grün trieften vor Feuchtigkeit. So schwül! Es war schön später als mir lieb war, aber ich dachte mir, dass ich am Strand zur Not immer Zelten kann (da hatte ich noch nicht die heranziehenden Gewitterwolken gesehen).
Ich fragte mich am Yachtclub durch bis zur Mitgliederbar, wo ich hoffte auf ein paar Segler zu treffen. Ich hatte Glück, Donnerstags ist das Regatta Segeln der Mitglieder und sie würden in Kürze eintreffen, um ihre Ergebnisse zu erfahren, zu klönen und ein paar Biere zu schnorpseln.
Ich setzte mich in den noch leeren Raum an einen Tisch und fertigte meinen ersten Aushang an.

Ich schreibe sie per Hand, das gibt ihnen mehr Charme als ein Ausdruck und unterstreiche die wichtigsten Punkte in Farbe. Mein Aushang soll sich am Brett von anderen abheben.

Die Segler kommen und es wird laut, aber aus irgendeinem Grund fühle ich mich nicht in Interaktionslaune. Ich beobachte von meinem Tisch aus. Und werde beobachtet. Aber ich bin ausgelaugt von einem langen Tag, ja Wochen des Anhalterfahrens, den vielen Konversationen, die ich heute schon geführt habe. Gerade als ich beschließe, dass ich mich nun verkrümeln möchte und ausnahmsweise auf die Chance mit Seglern zu sprechen verzichten kann, fängt es so dermaßen an zu regnen, blitzen und donnern, dass ich doch noch ein Getränk bestelle und mir denke, Menno, es hat sicher seinen Grund. Jetzt gehste mal unter die Leute und gibst dir nochmal ein bisschen Mühe.
Tatsächlich. Es ist im Nachhinein betrachtet das einzige Mal gewesen, dass es mir vergönnt war persönlich mit Seglern zu sprechen und meine Geschichte zu erzählen und somit die Wurzeln meiner Suche in alle Richtungen auszustrecken.

In Coffs lerne ich meine „australische Familie“ kennen.

Ich lerne an diesem Abend meine „australischen Eltern“ kennen, Jacqui und Michael, die unweit des Hafens wohnen und mir ihr Gästezimmer anbieten, als ich während des Gewitters (um die Dramaturgie meiner Frage zu untermalen) nach einem Zeltplatz frage. Ja, man muss manchmal ein wenig strategisch sein und auf das Mitleid der Leute appellieren. Solange sie glaubhaft spüren, dass man tatsächlich mit einer Niederlage rechnet und umgehen kann (in diesem Beispiel der Nacht im Nassen) sind bisher alle Menschen sehr großzügig mit ihrer Hilfe gewesen. Wir verstehen uns letztendlich so gut, dass ich vier Tage bleibe, Apfelkuchen backe, sie mit mir Ausflüge machen, unter Anderem zum Koala Krankenhaus, weil ich inzwischen denke, dass Koalas ein Mythos sind, und ich bei Abreise als dritte Tochter bezeichnet werde. Ein paar Wochen später besuchte ich sie wieder. Da regnete es immernoch.

Da kann man nicht anders, als vor Entzückung dahinschmelzen.
Sie sind doch kein Mythos, es gibt sie wirklich! Nach Monaten sehe ich meine ersten Koalas. Und komme aus dem Oh-wie-Süüüßen gar nicht mehr heraus.
Ich treffe sie leider nicht in der Natur, sondern in einem Koala Krankenhaus, wo sie nach erfolgreicher Behandlung wieder freigesetzt werden.
Wie die Besucher erfahren, gehen sämtliche Leiden der Koalas letztendlich auf den Menschen und den bedrohten Lebensraum zurück…
Vor allem der verringerte Lebensraum ist Schuld. Denn er deckt sich mit dem der Menschen. In der Folge teilen sich nun mehr Koalas ein Revier, es entstehen Krankheiten. Desweiteren verunglücken viele auf Straßen oder in Buschfeuern , die ebenfalls auf die Rechnung der Menschen gehen.
Einige der Patienten sind unheilbar und bleiben hier und werden liebevoll gepflegt.

Zehn Tage nach Ankunft an der Küste habe ich dann Bundaberg erreicht, das am Südende des Great Barrier Riffs liegt, und beende meine Aushang-Rally hier. Alle Segler nördlich von hier werden aller Vorraussicht nach nicht in die Richtung segeln, in die ich möchte; das Riff versperrt den Weg nach Osten und die überwiegende Windrichtung ist auch verkehrt.
Ich habe zwischen Port Macquarie, wo ich die Koalas besuchte, und Bundaberg über 50 Zettel in Marinas, Supermärkten, Waschsalons und Bootszubehörshops verteilt, über 1000 km zurück gelegt und viele neue Menschen kennen gelernt und sogar in meine Mission mit eingebunden. Einige meiner Anhalter versuchten in ihren Bekanntschafts- oder Arbeitskreisen nach einem Boot für mich zu suchen und blieben noch einige Zeit mit mir in Kontakt. Es ist herrlich. Mit ein paar Bekanntschaften verstand ich mich so gut, dass wir Freunde wurden und uns Wochen später wieder trafen und auch heute noch in Kontakt stehen.

Eine besonders beeindruckende Erfahrung war meine Bekanntschaft mit der Familie Price. Ich lernte Charene an einer Tankstelle kennen und bat sie mich an einem Park abzusetzen. Sie bot an auf ihrem Grundstück zu zelten. Und am Sonntag…
…Ging es zu einem Rock- und Popkonzert, äh, nein, in die Kirche! Sowas hatte ich noch nie gesehen und nicht für möglich gehalten. Nebelmaschine, E-Gitarre und Verstärker, Videoprojektionen und Sänger mit betörten Blicken…. Eine gutbezahlte PR- und Kommunikationsabteilung (man will es fast Propaganda-Ministerium nennen) vermittelt sowohl im Virtuellen, als auch im Räumlichen eine moderne und trendige Kirche. Ich bin misstrauisch angetan. Doch als nach der gut gemachten Messe eine ältere Dame völlig aufgelöst ist, als ich auf Ihre Frage, ob ich an Jesus glaube, sage, dass ich an Gott, aber nicht an Jesus glaube, wandelt sich meine interessierte Einstellung doch wieder in Ablehnung. Helen erklärt mir lange, daß ich nicht in den Himmel kommen werde, solange ich nicht an die Dreifaltigkeit Gottes glaube, denn dann würde mein Name nicht in den Büchern der Himmelspforte stehen. Sie holt eine Freundin herbei, um mir auszureden, dass ich auch ohne Jesus eine direkte Konekte zu Gott habe, und um für mein Seelenheil zu beten. Das reicht mir doch alles wieder. Menno.
Und in Bundaberg wohne ich bei Debra und Michael, Familie von Freunden aus Victoria. Sie betreiben hier eine Erdbeerfarm und Pflanzenzucht für die anderen Farmen der Gegend.
Als Dank für meine Unterkunft helfe ich einen Tag beim Setzen der Samen mit.
Die Erdbeerpflanzen.
Und die Pflanzenzucht. Da ham wa den Salat.

Jetzt wo alle Zettel verteilt waren, hieß es abwarten und ablenken. Denn genau genommen waren die Aussagen der meisten eher demotivierend – aber ich musste mich immer wieder daran erinnern, dass es genau SO schonmal geklappt hatte und ich musste an meinen Weg glauben. Es gibt nicht viele Leute, die auf Segelbooten per Anhalter fahren und die Schlussfolgerung der meisten Menschen ist daher in der Regel eher: Boa, das ist unmöglich, du wirst das nicht schaffen.
Da ist es manchmal schwer optimistisch zu bleiben und an meine „Fähigkeit zu Manifestieren“ zu glauben. Daher versuche ich mich abzulenken.

Ich schlafe in diesen Wochen entweder versteckt in dem Wäldern, oder am Strand auf nur einer Matte. Ein neues Gefuehl von Freiheit

Ich trampte wieder von Bundaberg ein paar hundert Kilometer Richtung Süden und traf mich dort mit dem eigens angereisten Yasha aus Arapiles. Wir wollten klettern.

Wiedersehen mit Yasha aus Arapiles.

Ihr erinnert euch vielleicht an meine Beschreibung der Kletterer, die ich in Mount Arapiles kennen lernte. Yasha, alias Ninja, war einer der Letzten, mit denen ich klettern ging und nun war er hinaufgefahren und zeigte mir die Kletterspots seiner Heimat Queensland. Er kommt nämlich ursprünglich von der „Sunshine Coast“, das ist der Abschnitt der Ostküste nördlich von Brisbane.

Wir zelten 10 Tage bei den Glasshouse Mountains.

Wir zelteten 10 Tage bei Dauerregen und Moskitoplage in der Nähe der „Glasshouse Mountains“, die nicht nur spektakulär aus der Landschaft ragen und einen besonderen Rang in der Mythologie der Aborigines haben, sondern auch kletterbar sind, vorausgesetzt es regnet nicht….Leider macht es nicht so viel Spaß zu klettern, wenn man von 152 Moskitos pro Kubikmeter umgeben ist, die einen sogar durch die Kleidung beißen, kaum hat man das Zelt verlassen. Als Resultat gingen wir nur einmal klettern und machten stattdessen spastische Wanderungen (wg der Mücken) oder fuhren mit Yashas Auto an die Küste zum Strand, denn dort gab es keine Mücken, nur Regen. Oder wir verbrachten Stunden in den Second Hand Shops und verkleideten uns.
Nach 10 Tagen zogen wir lieber um und wählten einen neuen Zeltplatz. Halleluja, hier gab es keine Mücken. Wir gingen gelegentlich klettern (wenn mal die Sonne schien) oder widmeten uns „den Künsten“, die Yasha wieder aus mir heraus kitzeln wollte.

Auch die Kunst schützt vor Mücken nicht.
Nach vielen Jahren der Kunstlosigkeit, fange ich wieder an zu malen.
Und klettern nicht vergessen. Yasha gibt mal wieder an 😛
Unsere Kletterwand

Kaum zwei Wochen nach Beendigung meiner Rally, hatte ich von mehreren Leuten schon Anrufe bezüglich meiner Anzeige bekommen. Ich telefonierte mit ein paar Seglern, die in andere Richtungen wollten und mir einen Platz an Bord anboten, traf mich sogar mit einem, der noch nützliche Tipps hatte, doch mit Francis‘ Nachricht wurde es endlich ernsthaft interessant. Er fuhr exakt im gewünschten Zeitraum in exakt die gewünschte Richtung. Ziel Vanuatu.
Ich war sehr aufgeregt und verabredete mich mit ihm zum Kennenlernen.
Per Anhalter fuhr ich die 150 km nach Mooloolaba, um Boot und Skipper kennen zu lernen. Ich erduldete die spanische Inquisition von Skipper Francis, der sicher gehen wollte, dass ich nicht ein totaler Reinfall war, wie ein paar seiner früheren „Anwerber“.
Jedes Jahr fährt der pensionierte Biochemiker von Australien Richtung Vanuatu, um den Ruhestand zu genießen und dem australischen Winter zu entkommen. Er teilt seine Reisen gerne mit Fremden und Freunden und sucht jedes Jahr Mitfahrer für seine Überfahrt und auch fürs Inselhopping während „der Saison“. Er fragte mich nach meiner Kindheit, meinen Eltern und Ex-Parntern, prüfte sogar meine Hände, um meine Geschichte mit der Arbeit als Handwerker während meiner Wanderjahre auf Glaubhaftigkeit zu prüfen. Sowas hatte ich noch nicht erlebt. Aber irgendwie fand ich es lustig statt lästig und ertrug die Inquisition mit Gelassenheit. Ein paar Themen wurden angerissen, die mir zeigten, dass ich es hier mit einem Mann zu tun hatte, der in vielerlei Hinsicht in einer ganz anderen Welt lebt, als ich und dessen Werte und Ansichten sich krass von meinen unterscheiden. Doch wollte ich mich davon nicht abschrecken lassen und deswegen auf diese wundervolle Chance verzichten, mein Ziel zu erreichen.

Der Alu-Katamaran LOGIC bringt mich bald nach Vanuatu. Mein Wunsch geht in Erfüllung.
Die geplante Route mit dem Katamaran.

Am Ende des Vorstellungsgesprächs bot er mir eine „Position“ anbord seines Katamarans LOGIC an. Noch nie war ich einen Katamaran gesegelt und zugegebenermaßen hatte ich so meine Vorurteile – aber dann gibt es ja nix besseres als empirisch zu testen, ob an den Vorurteilen was dran ist.
In zwei Wochen (Ende April) sollte es losgehen, wir würden zu dritt oder viert sein, ein Crewmitglied stand noch auf der Kippe, und zunächst von Mooloolaba nach Coffs Harbour segeln, von dort Richtung Lord Howe Island, das noch zu Australien gehört und von dort aus, über Neukaledonien, nach Vanuatu. Planmäßige Ankunft: um den 20 Mai. Das deckte sich recht gut mit Andis Zeitplan und ich nahm Francis‘ Einladung mit größter Dankbarkeit und Stolz an. Mein Plan schien perfekt aufzugehen. Das Manifest hat mal wieder funktioniert 😀

Während der letzten zwei Wochen half mir Yasha großzügig noch alle letzten Vorbereitungen und Besorgungen zu erledigen. Andi wünschte sich einen Hut aus Känguru Leder und ein neues personalisiertes Logbuch für die Kama und ich brauchte für mich selbst noch einen Vorrat an Peanut Butter, nach der ich inzwischen süchtig war. Wir fuhren sogar Kreuz und Quer durchs Land, um mir eine wunderbare Belohnung zu gönnen: Leucht-Pois, damit ich weiterhin an dieser neuen Beschäftigung Freude finden würde und eine besondere Erinnerung an meine Zeit mit den Kletterern aus Arapiles dabei haben würde.

Am 25. April setzte mich Yasha bei LOGIC ab und nach einer letzten Nacht unter freiem Himmel am Strand, segelten Francis und ich am nächsten Morgen um 6:30 Richtung Brisbane ab, wo wir das letzte Crewmitglied, Nick, abholten und unser Segelabenteuer begann.