Tapati Tag 4+5

Gestern früh war ich noch zu müde, um rechtzeitig zu dem nächsten Wettkampf, der „Pesa agricola“ zu gehen. Bei diesem Wettkampf werden alle mögliche Obst und Gemüsesorten gewogen und gemessen. Es wäre sicher interessant gewesen, denn die Teilnehmer sind allesamt Riesen. Die größten und üppigsten Wassermelonen, Süßkartoffeln, Bananen, Maniok, Taros etc und sicher wären Sachen dabei gewesen, die ich noch nie gesehen habe. Ich habe stattdessen mit Mera, Felipe, Tea und Noa gechillt, die seit Mittwoch wieder da sind.

Hier werden Tahiras Riesen gesammelt. 

Am Nachmittag bin ich zu Tahira gefahren und habe etwas ausgeholfen, da die Trachten für die Jugendlichen in Verzug steht. Hotus Mutter, Su, war mit diesen beauftragt und hatte sowohl aus dem Design, als auch dem Fortschritt wochenlang ein Geheimnis gemacht. Als letzte Woche Vero, die Obfrau, zur Besichtigung war, fielen ihr fast die Augen aus dem Kopf. Sie meinte das Design könne sogar zur Disqualifikation der Jugendgruppe führen, da zu viel Stoff sichtbar sei. Die Trachten fließen zwar nicht in die Bewertung ein, aber wenn die Trachten nicht dem historischen Gedanken gerecht werden, sei das wohl Grund genug für die Disqualifikation. Es wird also wieder improvisiert. Su änderte das Design, doch bei der nächsten Kontrolle befand Vero es immernoch für ungenügend. Inzwischen ist die Zeit so knapp, dass jede einzelne Teilnehmerin ihren Rock selbst mit den Muscheln verzieren muss. Als letzte Änderung müssen nun auch noch alle Röcke und BHs mit Federn verziert werden…Ayayay…

Wie auch immer, parallel zu dem Gewusel hinter den Vorhängen laufen alle Wettkämpfe weiter und was soll ich lügen, bisher liegen wir in allen Kategorien hinter den Weißen.

Das Obst und Gemüse hat wohl einigen Vorsprung wieder gutgemacht. Auch bei der Körperbemalung der Kandidaten, die stattfand während wir uns auf unseren Tanz vorbereitet haben, haben Tahira und Fer gewonnen. Doch in beinah allen anderen haben wir verloren,  bzw nicht die entscheidenden Ränge belegt. Es gilt bei allen Wettkämpfen eine andere Regelung. Es kann vorkommen, dass die Punkte des 2. und 3. Platzes zusammen mehr ergeben, als der 1. Platz. Oder nur der Erstplatzierte geht in die Bewertung ein.

Am Abend fand das Takona für die Mitstreiter der Kandidaten statt. Fünf Personen pro Team. Sie müssen in einer artistischen Darstellung die Bedeutung ihrer Bemalung erläutern, so wie neulich Tahira und Fer. Es gewannen die Weißen.

Am Tag 5 in der Früh fand das Pferderennen statt. Außerhalb Hanga Roas auf einer Piste an der Südküste finden die Rennen von 500 und 700 Metern statt. Immer nur der 1. zählt für die Punkte der Kandidaten und wieder hat von 12 Rennen Team Rot nur 2 gewonnen. Laut Vero hatten wir diesen Wettkampf schon sicher gewonnen. Aber der Besitzer, dessen Pferde sonst immer gewinnen, hatte in letzter Minute beschlossen doch für die andere Seite anzutreten, obwohl er im Vorfeld versprochen hatte für Tahira anzutreten.

Tahira

Die Jockeys, die Hälfte davon Kinder, galoppiert ohne Sattel ins Ziel und es wechselten meist nur die Pferde für das nächste Rennen. Ein Junge insbesondere gewann die Mehrheit der Rennen und wurde gebührend bejubelt.
Am Nachmittag fanden zwei Wassersportarten statt. Das Haka Ngaro und das Haka Honu.

Beim Haka Ngaro müssen die Teilnehmer auf den Totora-Floßen, die bereits im Vulkankrater benutzt wurden, die Wellen reiten. Sie legen sich auf ihr Floß, dürfen die Arme benutzen, um eine gute Welle zu nehmen und müssen dann so weit wie möglich ans Ufer surfen. Sie dürfen dann nicht mehr die Arme benutzen und es gewinnt derjenige, der es ans Ufer schafft, bzw am nächsten dran ist.

Die Jungs Schwimmen mit ihrem Pora raus

Beim Haka Honu ist es das gleiche nur ohne Floß. Mit reiner Körperspannung müssen die Jungs die Wellen reiten. Es ist die Königsdisziplin, weil wieder die Arme nicht benutzt werden dürfen. Die Jungs sind alle sehr athletisch und das Publikum besteht überwiegend aus sabbernden Damen, die sich an den muskulösen Herren sattsehen und anschließend alle ein Foto mit ihnen haben wollen. Ich muss sagen, dass ich vor lauter Haut, die hier täglich zu sehen ist, sowohl bei den Frauen, als auch den Männern, gar nicht mehr so darauf achte. Ich weiß noch wie unangenehm es mir früher war, diesen ganzen Shows beizuwohnen, weil ich es komisch fand so viel Nacktheit zu betrachten.

Ein Anblick, der die Damen glücklich macht.

Am Abend war dann die Spannung groß. Es waren der Tanzauftritt der Kinder, ein Gesang namens Rio, sowie der Tango Rapa Nui dran. Und wir hofften sehr in allen zu gewinnen, um wieder etwas aufzuholen.

Der Canto Rio. Im Wechsel sang jede Seite zwei Lieder.
Tahira und Fer beim Tango Rapa Nui

Doch beim Rio, der wie die Himene Ute, nur von einem Chor ohne Instrumente und im Sitzen oder Stehen gesungen wird (es handelt sich um Lieder der Trauer oder starken Gefühle) verloren wir mit zwei Punkten, und den Auftritten der Kinder um einen. Ich fand tatsächlich den Auftritt der weißen Kinder schöner, aber natürlich möchte ich trotzdem, dass Tahira aufholt und die Arbeit der letzten Monate belohnt wird.

Die Kids von Team Weiß
Unsere Kids

Im Tango, der in den 30er Jahren auf die Insel kam und adaptiert wurde, traten zuerst nur die Kandidaten an und anschließend je fünf Paare pro Seite.
Bei den Kandidaten sind Tahi und Fer als Sieger hervor gegangen und bei den Restlichen habe ich zwar die Punkte alle mitgeschrieben, aber noch nicht summiert; grob überschlagen wird es sehr eng, aber doch eher für uns, als die Weißen…

Es heißt also nicht aufgeben und weiter kämpfen, es kann immernoch viel passieren und vor allem der letzte Tag wird entscheiden, wenn der große Umzug ist.

Tapati Tag 3

Ooo-Heeeeeeeeeeeeee-hooo!! Auf in den Kampf!

Unsere Generalprobe heute Mittag war relativ chaotisch, denn es war unser einzige Probe auf der Bühne, die natürlich ganz anders ist, als die Turnhalle in der wir die letzten Wochen geprobt haben. Die Sonne hat so stark geknallt, dass wir alle gebraten wurden und eine Dame ist sogar in Ohnmacht gefallen, als wir fertig waren.

Wir probten den Eingang, den Ausgang und unsere Stücke. Ein Hoko als Eröffnung, dann drei Lieder, und zuletzt ein Duo von Tahira und Fer zu einem eigens von Tahiras Papa komponierten Lied, bei dem wir nur Backgroundsänger waren. Mit Schrecken stellte ich fest, dass eine Dame direkt hinter mir die Schritte nicht wirklich kannte und überlegte noch, ob ich was unternehmen sollte, bevor sie unseren Auftritt riskiert, da war sie schon verschwunden.

Ich düste halb verdurstet nach Hause, sprang einmal kurz ins Meer, duschte, dinierte und radelte wieder zur Bühne, wo wir uns um 21h treffen sollten, um uns umzuziehen. Eine kurze Schrecksekunde hatte ich, als mein Kostüm zunächst fehlte, dann aber doch auftauchte. Uff!

Das große Gewusel brach aus und alle rannten durcheinander. Fer und Tahira mussten sich zunächst bemalen lassen, um zu ihrem nächsten Wettkampf,  dem takona zu gehen. Beim takona müssen die Kandidaten sich am ganzen Körper bemalen lassen und die Bedeutung der Bilder und Tätowierungen erläutern. Fer sah fantastisch aus, Tahira habe ich nicht gesehen.

Fer wird „tätowiert“

Zwei Männer der anderen Gruppe.

Überhaupt habe ich wenig von den Aktivitäten auf der Bühne mitbekommen, ich war schließlich Backstage. Alle waren ganz aufgekratzt und als die andere Gruppe ihren Auftritt hatte, haben wir uns aufgereiht, um unsere Kronen entgegen zu nehmen und uns aufzustellen. wieder brach Panik aus, weil ein Mädel fehlte und als sie schließlich sehr spät ihren Platz einnahm, hatte sie die falsche Krone. Alle anderen in der Reihe waren Schwarz und sie hatte eine Braune. Auch das hätte möglicherweise zur Disqualifikation geführt und bis das Problem gelöst wurde, vergingen wieder einige aufgeregte Minuten. Schließlich kam die erste Gruppe zurück und unser Leiter sprach mit uns ein Gebet, wir brachen in aufgeregtes Jubeln aus, riefen Oheeehoo und tippelten dann leise und im Dunkeln Reihe für Reihe auf die Bühne. Es dauerte noch eine Weile bis unser Auftritt begann und ich schaute über mir in den von Sternen übersäten Himmel, um mich zu Sammeln und zu konzentrieren.

Es ging los und wir gingen unser Programm durch. Meine Krone war so hoch, dass ich mehrfach mit den Armen an ihr hängen blieb. Doch viel lustiger war, dass sie mir bei den Schritten mit gebeugten Kopf runter rutschte. Wäre sie gefallen, hätte ich sie liegen lassen müssen, so habe ich sie hoffentlich unbemerkt wieder ins Gesicht geschoben.
Der Ganze Auftritt hat Spaß gemacht und Gott sei Dank konnte man wegen der Scheinwerfer nicht das Publikum sehen, das hätte mich nur unnötig abgelenkt.

Glücklich und jubelnd kehrten wir zurück und freuten uns über die schöne Erfahrung. Später erfuhr ich, das wir wieder einmal verloren hatten. Die Choreographie und die Akustik hatten Punktabzug bekommen 🙁 buuuu! bislang liegt Tahira leider hinten, aber da ich nicht hundertprozentig über die Punkte informiert bin, kann es sein, dass es nicht ganz so heftig ist, wie ich mir ausmale. Laut Hotu haben wir noch genug Zeit und Wettkämpfe, um das Ruder umzureißen. Es sind ja noch 10 Tage.

Bleichgesicht mit Hoko-Dame. Unser Special war der Hoko und die erste Reihe hatte dafür eigens ein anderes Kostüm. Der Rock mit einem anderen Schnitt und Oben ohne, dafür mit Ganzkörperbemalung.

Wie es z.B beim Fußball lief, kann ich nicht sagen, weil ich das wegen der Generalprobe verpasst habe…
Wer gerne einen ersten Eindruck von den Tänzen gestern Abend haben will, findet auf Facebook Videos und Fotos des ganzen Abends unter folgendem Link:

https://m.facebook.com/TapatiRapaNuiOficial/?tsid=0.032435848724098215&source=typeahead

Das Video ist leider nur aus einer einzigen Perspektive und ohne Nahaufnahmen, aber es dient dennoch der audiovisuellen Orientierung unserer Show und sicher findet man dort auch die andere Gruppe, deren Tänze ich ja selber nicht kenne. Vielleicht seht ihr mich ja, ich bin ungefähr in der Mitte /Mitte und zum Schluss in der letzten Damenreihe.  😀

Viel Spaß! 🙂