My Outback

Selbst nach über zwei Jahren fallen die Abschiede kein bisschen leichter, selbst wenn die unbekannte Zukunft inzwischen statt mit Furcht voller freudiger Neugierde erwartet wird.
Der Abschied von meiner kleinen Kletterfamilie fiel schwer, doch die Gewissheit war da, dass einige der Freundchaften viele Jahre halten würden.
Nicht nur dieser Abschied fiel schwer, auch mein heißgeliebtes Zelt und Zuhause, war unter der australischen Sonne dahin geschmolzen und nicht mehr wasserdicht. Ebenso bekam meine Isomatte nach zwei Jahren absoluter Zuverlässigkeit nun auf einmal Löcher, so dass ich mehrfach nachts aufwachte, weil mein Hintern den Boden küsste und ich wieder nachpusten musste (die Matratze versteht sich).
Der Tag an dem ich mein Zelt zur Post brachte, damit es zwecks Garantie geprüft werde, fühlte sich an, als brächte ich meinen einzigen Kameraden und Freund zum Tierarzt zum Einschläfern, obwohl ihm sonst nichts fehlte. Zum Heulen. Ich spürte, dass ich es nicht wieder sehen würde. Es war eines der einzigen Besitztümer, die ich hatte, die mir ein eigenes Reich und ein Zuhause boten.
Ja, nach über zwei Jahren Wanderschaft ist das das Einzige was mich manchmal ermüdet: ich bin immer auf andere Menschen angewiesen und  bewege mich immer in ihrer Welt, halte mich an ihre Hausregeln und passe mich an ihren Bedarf an Gesellschaft oder Schweigsamkeit an. Die meisten Leute wollen mit „Besuch“ jedoch möglichst viel Zeit verbringen, perfekte Gastgeber sein und so habe ich selten einen „Raum“, wo ich mich frei entfalten kann und die Stille suchen kann. Ich versuche stets ordentlich und rücksichtsvoll zu sein, möglichst wenig extra Aufwand zu verursachen. Darum freue ich mich oft auf die Zeiten „on the road“ und auf mein Zelt. In diesen Zeiten kann ich anhalten, ruhen, vom Pfad abweichen wann ich will, kann langsam oder schnell von A nach B, kann schlampen oder ordnen, wie es mir beliebt oder die äußeren Umstände ermöglichen, kann allein bleiben oder mich unter Menschen begeben. Ich genieße diese Zeit sehr, dann fühle ich mich am freiesten. Mt. Arapiles war beinahe das erste Mal in zwei Jahren, dass ich für längere Zeit nicht für jemanden arbeitete.

Smash und Jaya brachten mich mit ihrem Wagen ein gutes Stück voran. Es war wegen der vielen Abschiede viel später geworden, als mir lieb war, aber vier Fahrten später hatte ich mein neues Zelt an einem wundervollen kostenlosen Zeltplatz am See aufgebaut, mit saftiger Wiese und Toiletten und Duschen. Ich frohlockte, als ich nach den vielen Wochen der trockenen Hitze im Vorzimmer der Wüste endlich ein Bad im kühlen See nehmen konnte. In der untergehenden Sonne übte ich mit meinen neuen Poi.

Hier in Australien wurde das Hitchhiken wieder eine regelrechte Sucht. Vor allem im Outback. Die schönsten Erinnerungen an diese Zeit werde ich für immer mit den Leuten verbinden, die mich in ihre Fahrzeuge eingeladen haben und mir somit Einblick in ihr Leben gewährten.
Am zweiten Tag stieg ich in das Auto von Ren. Er war auf dem Wege zu einer Ausstellung über seinen verstorbenen Vater, der ein berühmter Maler war. Ren und sein Freund Dominico hatten das Werk kuratiert und es war das letzte Wochenende der Ausstellung.  Ren, der selber Maler und Jazzmusiker ist, hatte eine wundervolle Ausstrahlung. Wenn ich solche Menschen treffe, lasse ich mich am liebsten treiben und erlebe die inspirierensten Sachen. Statt weiter zu trampen, ging ich mit Ren zur Ausstellung, lernte die wunderschöne Padmini und die feurige Doré kennen, Flüchtlinge aus Sri Lanka, die beide 20 Jahre jünger aussehen, als sie sind. Frechheit! Die Kraft der Ausstellung arbeitete in mir. Auf einmal war mein Wunsch selber wieder zu Malen und mich stärker den Künsten zu widmen in greifbarer Nähe. Seit einigen Jahren schlummerte der Wunsch in mir wieder regelmäßig künstlerisch tätig zu sein und nun auf einmal schien es zu explodieren.

Am folgenden Tag lernte ich das wundervolle Paar Christina und Victor kennen. Sie ist Irin und in ihren 20ern selbst per Anhalter durch Australien getrampt, wo sie Victor kennenlernte und nach wenigen Monaten heiratete. Sie lasen mich auf nachdem ich einige Autos abgewunken hatte und obwohl ich an diesem Tag hoffte in das 300 km entfernte Broken Hill zu kommen, ließ ich mich treiben und landete abermals einen Jackpot. Die zwei verwoewhnten mich und stellten fest, dass eine Nachbarin am nächsten Tag nach Broken Hill fahren würde. Christina und Victor leben auf dem Murray River, einem der größten Flüsse Australiens. Entlang des Flusses leben seit Jahrtausenden verschiedene Aborigine Clans und je weiter ich in den Outback vordrang, desto mehr Aborigines sah ich und lernte ich persönlich kennen.

Buff, der Hund von Christina und Victor ist so gross wie ein Kalb.

In Australien herrscht nach wie vor eine gespaltene Einstellung zu den Aborigines und sie begegnete mir nun immer häufiger. Weiße, die entweder Angst haben oder voller Vorurteile sind, oder sich für die Geschichte schämen und versuchen jetzt mehr von und mit den Ureinwohnern zu lernen, ihnen ein stärkeres Mitspracherecht eingestehen möchten und ihnen einen sicheren und unvoreingenommen Platz in der Gesellschaft geben wollen. Meine allererste Aborigine lernte ich bei Dominico, dem Maler, kennen. Ich war als eine der ersten aufgewacht, und Dom machte mir einen guten italienischen Kaffee. Ich sagte ihm wie sehr ich mir wünschte die Aborigines kennenzulernen und wie wenige ich bisher gesehen hatte. Da sagte er „in meinem Gästezimmer ist gerade eine!“

Sie war wunderschön. Ein wenig wie Cesaria Evora. Ihr Wesen war zart und liebevoll und ich wollte sie am liebsten knuddeln und nie mehr loslassen.

Die kommenden Tage rückte ich immer weiter in die Wüste vor und sah mit eigenen Augen, welch dramatische Fehlgriffe der Weiße Mann in den letzten 200 Jahren mit dem Australischen Ökosystem gemacht hat und leider noch heute verursacht. Ich hatte beinahe das Gefühl, als blickte ich durch die Augen der Aborigines in die Welt und spürte voller Mitgefühl den Schmerz den sie empfinden.

Ein ausgetrockneter Fluss. Baueme koennen oft noch Jahre lang Feuchtigkeit aus der Erde ziehen.

Der Murray River ist beinahe ausgetrocknet, ebenso die vielen Seen, die von ihm gefüllt werden. Anders als man annimmt, wenn Australien als „Trockener Kontinent“ beschrieben wird, gibt es hier viel mehr Wasser, als man auf den ersten Blick sieht. Beziehungsweise GAB es. Ich kriegte einen Anfall, als ich feststellte, dass mitten in der Wüste die Hauptwirtschaft aus Obst- und Baumwollplantagen besteht – mit die wasserintensivsten von allen.

Heather, Christinas Nachbarin, fuhr mit ihrer dementen Mutter und zwei Klobrillen (Hunde) zu einer Beerdigung. Sie ist im Busch aufgewachsen und beantwortete meine Fragen über die Bäume und Büsche, die Tiere etc…Sie gehört zu jenen, die die Natur lieben, aber den Aborigines nicht traut.

Emus

Man sah jetzt immer öfter Ziegen. Sie sind verwildert und gehören meist niemandem, aber sie kommen hervorragend in der Wüste klar. Leider kommen sie so gut klar, dass sie eine Pest sind und einen massiven Beitrag zum Verfall des Outbacks leisten. Sie sind den Kängurus überlegen, weil sie ein breiteres Nahrungsspektrum haben und den Roos somit das einzige Gras wegfressen, das diese verdauen können. Dann radieren sie die Büsche aus, was einen erheblichen Einfluss auf die Hitze und Größe der Buschbrände hat. Früher war es so, dass Buschbrände von den Aborigines kontrolliert entfacht wurden und ihr immenses Verständnis der natürlichen Zusammenhänge einen funktionierenden Zyklus ermöglichte. Einige Samen von bestimmten Pflanzen konnten erst durch die Asche der Brände gedeihen. Die Buschbrände waren kleiner, das Vorhandensein von flächiger Gras- und Buschvegetation verhinderte, dass die großen Bäume in Brand gesetzt wurden, die Flammen wurden nicht so hoch und nicht so heiß. Sie verstanden, dass die Tiere in den Buschbränden in die Baumwipfel flüchteten, wo sie sicher waren, weil die Flammen flach und weniger heiß waren. Doch heute sind die Buschbrände ein Inferno. Die Tiere flüchten in die Baumwipfel und sterben an indirekten Verbrennungen durch die Hitze der Flammen und die Flammen schlagen so hoch und heiß, dass die Bäume nicht nur die alten, trockenen Blaewtter verlieren, sondern auch die kräftigen Neuen. Damit sind auch die großen Bäume dem Untergang gewidmet und die Wüste wird zu einem unbewohnbaren Ort.

Broken Hill ist eine Minen Stadt mitten in der Wueste.
Windhosen bei Broken Hill

Heather war eine wunderbare Gastgeberin. Sie fuhr an diesem Tag noch etwa 100 Extra-Kilometer durch die Gegend, um mir möglichst viele Highlights der Minenstadt Broken Hill zu zeigen. Wir fuhren nach Silverton, wo der Film Mad Max gedreht wurde und zu einem Skulpturen Park mit grandioser Aussicht. Das Unwirkliche geschah: es regnete!

An diesem Abend schlief ich unter freiem Himmel im Garten von Heathers Schwester. So langsam schlafe ich lieber im Freien, als in meinem Zelt. Haha.

Als mich Heather am nächsten Morgen am Stadtrand absetzte, hatte sie Tränen in den Augen vor Sorge um mich und drückte mir 50 Dollar in die Hand. Unter keinen Umständen solle ich in Wilcannia halten, der Ort sei „zu Schwarz“. Wilcannia ist ein Ort mit überwiegend Aborigine Einwohnern und stand gerade deswegen auf meiner To-Do-Liste. Für einen kurzen Augenblick wägte ich ab, ob ich ihrem Rat folgen sollte, doch dann sagte ich mir: ich lasse es auf mich zukommen. Wenn meine Anhalter dran vorbei fahren, dann hat das seinen Sinn und wenn ich am Ende dort lande, dann hat das auch seinen Sinn. Ich vertraue auf die Fügung der Dinge.

Einige Wagen hielten, ehe ich in eines einstieg, das mich jenseits von Wilcannia bringen würde. Der Fahrer sah für mich aus, als käme er aus Indien oder vielleicht Tonga. Er stellte sich vor, als was für mich klang wie „Wilbur“. Keine 5 min später wusste ich, dass er ein Aborigine ist und noch dazu ein Archäologe und ich kriegte einen so fetten Kloss im Hals, dass ich am liebsten vor Freude weinen wollte. Ich hatte mir so sehr gewünscht hier in Australien Zeit mit Aborigines zu verbringen und mehr über ihre Kultur zu erfahren ohne ein Tourist im Zoo zu sein, sondern im Alltag und auf Einladung und kaum teilte ich Wilbur dieses Gefühl mit, sagte er zu mir, „Hey, verbringe doch die nächsten Tage mit mir, ich muss dienstlich eine Runde durch die National Parks drehen und ich kann dich nach Mutawinji bringen, ein heiliger Ort und heute National Park, wo man ohne einen Aborigine Guide nicht hineinkommt. Du kannst dort umsonst bleiben und meine Brüder dort können dir Orte zeigen, die für uns sehr heilig sind.“

So viel zur Fügung der Dinge. Wilbur schreibt sich „Warlpo“ und kommt aus Wilcannia.

Warlpo zeigt mir am Fluss im Sedimentprofil , dass die obersten Schichten fehlen seit es Huftiere in Australien gibt. Die Pfoten der Emus und Kaengurus sind weiche Kissen, die die Schutzschichten nicht durchdringen, jetzt ist alles weg und der Wind traegt die Schicht weg, in der die Gräser wachsen können.

Die nächsten Tage waren ein wahr gewordener Traum. Wir fuhren durch die Wüste, die mich an meine Kindheit erinnerte und Warlpo lehrte mich so viel. Er beantwortete meine unendlichen Fragen , obwohl er mich lehrte, dass Fragen in der Kultur der Aborigines unhöflich sind. Ich war der unhöflichste Mensch, dem er wohl je begegnet ist. Ich lernte vieles über die Bräuche von früher und die von heute, ich lernte alles mögliche über die Tiere und Pflanzen, Berge und Flüsse, über die Veränderungen seit dem Weißen Mann, über die Überlebensstrategien der Völker, über die Sprache, das Miteinander, die Gesetze und über ihre Weltanschauung.

Hier und da ist noch ein wenig Wasser uebrig. Die Pelikane bleiben bis zum letzten Tropfen.

Wir fuhren an Wilcannia vorbei und hielten in Cobar, er setzte mich ab und überließ mich mir selbst. So ging das die nächsten drei Tage. Wir fuhren einige hundert Kilometer in denen ich unhöflich all meine Neugierde versuchte zu stillen, wir hielten an, er zeigte mir Dinge, er machte Umwege und dann setzte er mich irgendwo mitten im Busch auf Aborigine Land ab und überliess mich bis zum nächsten Tag mir selbst in absoluter Einsamkeit.

In dieser Tonne am Rand von Cobar finde ich neues Kinderspielzeug der Marke Graesslich, aber wieso wirft man sowas weg, wenn keine 500m von hier ein Second Hand Shop ist, der Spenden annimmt. Ich behalte das SPielzeug und gebe es Warlpo, damit er es in der Aborigine Community verschenken kann.
Ein Sandsturm fegt ueber Cobar und mein Zelt.
In dieser Nacht setzt mich Warlpo mit nur 700 ml Restwasser in meiner Trinkflasche an diesem Fluss ab. Es herscht absolutes Feuerverbot im Bundesstaat, aber er sagt ich solle dennoch eines machen, er wolle spaeter mit seinem Freund vorbeikommen , mir Wasser bringen und am Feuer sitzen. Natuerlich kommt er nicht, und taucht erst 24 h spaeter auf. Ich trinke das Wasser aus dem Fluss nachdem ich es mit Chlor-Tabletten verunreinigt habe.
In der Nacht wachte ich auf, weil das Feuer wieder aufgeflammt ist und Flammer schlaegt. In einer Nacht und Nebelaktion loesche ich das Feuer und komme mit einem Schrecken davon….
Wieder ein Goanna. Er laeuft ganz gemuetlich an mir vorbei.

Eigentlich wollte ich inzwischen schon an der Küste sein, um meine Zettel zu verteilen, um ein Boot zu finden. Doch wie konnte ich diese Chance vergehen lassen? Statt zur Küste fuhren wir im Kreis und am Ende der Woche war ich wieder am selben Punkt, an dem ich Warlpo kennen gelernt hatte. Er setzte mich in Mutawinji ab und fuhr ab mit dem Versprechen, dass die Ranger, seine Freunde, sich um mich kümmern würden.

Mutawinji National Park ist ein Heiliger Ort fuer die Aborigines. Ich werde eingeladen hier ein paar Tage zu verbringen.

Es war Wochenende und ich war die einzige Seele in Mutawinji. Ich baute mein Zelt auf und lief in eine der Schluchten. Ich entdeckte wunderschöne Felsmalereien. Auf dem Rückweg lief ich zur Ranger-Station, doch sie war unbesetzt. Von wegen seine Brüder würden sich um mich kümmern, Haha! Sie waren alle übers Wochenende in die Stadt gefahren. Ich war 165 km entfernt vom nächsten Ort und 65 km entfernt vom Highway. Ich plünderte meinen Rucksack und evaluierte meine Lebensmittel. Sie waren ausgelegt auf 1,5 Tage Selbstversorgung und den Rest war ich auf die Gastfreundschaft der Ranger angewiesen, die nicht da waren. Nun erstellte ich einen Plan, um mit meinen Vorräten 3 Tage zu überleben. Immerhin war Wasser kein Thema, das bekam ich am Zeltplatz.

Meine Vorraete fuer drei volle Tage. 4 Cracker pro Mahlzeit.

Am nächsten Morgen machte ich eine Ganztageswanderung. Es war heiss, sicher über 40 Grad und meine zwei Liter Wasser reichten gerade mal 2/3 des Marsches. Die letzten Kilometer trottete ich geistig abwesend Richtung Zeltplatz, meine Zunge klebte am Gaumen und mein Geist war leer. Überall lagen tote Kaengurus und der Geruch von Verwesung war ein ständiger Begleiter. Hier und da sah ich ein paar fette und wohlgenährte Ziegen.

Am dritten Tag lief ich die 2km zum Infozentrum, das natürlich unbemannt war und fand die Tür an der Rückseite zum „Kiosk“ unverriegelt. Ich ging hinein und fand Tee, Kaffee, Sirup, ein paar Dosen Cola etc. Nichts zu essen. Ich ging wieder raus und wartete darauf, dass irgendetwas geschehe. Dann hörte ich ein Auto. Ich knüpfte mein Hemd schnell zu (ich lief meist nur im BH und offener Bluse herum, weil es so warm war.) und rannte auf die Strasse. Hoffentlich waren es die Ranger!

Es war ein Touristen Paar und ich muss sie ein wenig überrumpelt haben, denn sie wirkten eher zurückhaltend und verwundert, als hilfsbereit. Also zog ich mich zurück und lief wieder ins Camp. Ich wartete ein paar Stunden, bis die heißesten Mittagstunden vorrüber waren. Das Paar kam und baute sein Lager auf. Schliesslich kamen wir doch ins Gespräch und sie setzten mich am Südende des Parks ab, wo der letzte Wanderweg eingetragen war, den ich noch nicht abgehakt hatte. Ich lief los, doch wurde bald von einem Sandsturm eingeholt. Ich brach die Mission ab und beschloss querfeldein zum Lager zurück zu laufen, mich nur nach dem Sonnenstand richtend und meinem natürlichen Kompass vertrauend. Ich hörte Warlpos Stimme sagen, dass Weiße sich immer nur an Strassen orientieren könnten und völlig unfähig seien querfeldein auf gerader Linie von A nach B zu gelangen. Ich wollte mir selbst und ihm beweisen, dass auch ich ein Indianer bin. Viel früher als erwartet sah ich die Ranger-Station auftauchen. Die verdammte Strasse hatte einen Riesenumweg gemacht.

Ich trottete den Berg hinab und lief zum Camp und dann auf der anderen Seite den Berg hoch, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Als ich wieder unten war, zog gerade ein Pickup von den Rangern auf dem Campingplatz ein und ich beschleunigte meine Schritte. Der Ranger schnackte mit dem Paar und ich trat heran und mischte mich mit ein. Kurz darauf saß ich im Pickup neben Chris, der mich zur Rangerstation mitnahm, damit ich Warlpos Freund, den Chefranger treffen könne. Meine Einsamkeit und Nahrungsknappheit war endlich vorrüber. Die naechsten anderthalb Tage war ich Schneewittchen bei den Sieben Zwergen (hier waren es es Acht). Die Ranger – alles Aborigine Männer – wollten sich von ihrer besten Seite zeigen und mir den allerbesten Eindruck ihrer Kultur hinterlassen. Ich wurde zu einem Känguru-Mahl eingeladen, durfte die Tour in den Heiligen Bereich kostenlos mitmachen, den das Paar gebucht hatte und bekam von Smasher, einem der Ranger, Plätze gezeigt, die sonst wenige Menschen zu Gesicht bekommen. Ausserdem traf Bernhard, ein Reisender aus Oesterreich ein und wir verbrachten den letzten Abend gemeinsam am Lagerfeuer und schreiben uns selbst heute noch. Ich fühlte mich sehr geehrt und dankbar.

Der Chefranger setzt mich am Highway ab.

Dienstag Früh, nach 5 Tagen in Mutawinji, stand ich am gleichen Highway, wo mich Heather eine Woche zuvor abgesetzt hatte. Ich hatte in der Zwischenzeit eine Nacht im „bösen“ Wilcannia verbracht, die liebsten Aborigines kennengelernt, die mich herzlich und stolz in ihre Kultur haben eintauchen lassen und jede Menge Neues gelernt. Jetzt war ich aber wirklich auf dem Weg zur Küste.

Meine Runde durch den Outback mit Ren, Christina + Victor, Heather und Warlpo und den Aborigines.
Meine hauefigsten Anhalter…Road trains.

Innerhalb von drei Tagen legte ich eine Strecke von 1265 km zurück. Meine liebsten Anhalter waren die Brummi-Fahrer. Je näher ich der dichtbesiedelten Küste kam, desto schwerer war es zu Hitchhiken. Wieder einmal stellte sich unter Beweis, dass es im leeren Nirgendwo einfacher ist, als in der Zuvielisation. Ich zeltete abends versteckt im Gebüsch und wurde morgens schnell eingesammelt. Je näher ich der Küste kam, desto grüner wurde es wieder und mit einem Mal befand ich mich im schwuewlen Regenwald. Als Startpunkt fuewr die Bootssuche hatte ich Coffs Harbour auserkoren und als ich dort ankam, spürten mein Körper und Geist einen radikalen Unterschied zur Stille und Trockenheit der Wüste. Wilkommen zurück im Trubel der Zuvielisation.

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