Schon wieder die Weiße Wolke

Ein Kauribaum.

Man, wer hätte das gedacht. Neuseeland. Schon wieder. Pff….Dabei hat es mir da ja gar nicht so gut gefallen. Als ich in Alaska war, war die Versuchung groß einfach mit Kanada weiter zu machen und die anderen auf den Mond zu schießen. Ich hatte ja schon mit einer gewissen Vorahnung all meinen Krempel aus Neuseeland mitgenommen…

Am Ende hatte ich jedoch sehr praktische Gründe doch nochmal nach Neuseeland zu gehen und so reisten wir zu zweit zurück nach Auckland.

Ich bin ehrlich, Alaska hat mich in eine Krise gestürzt. Neuseeland war meine einfachste Option wieder auf die Beine zu kommen, mich zu sortieren und ein wenig zu erholen. Dachte ich.

Die ersten Wochen waren jedoch nochmal turbulent. Von wegen Erholung. Ich bekam schon lange keine Luft mehr und zog die Reißleine. Es war an der Zeit mich wieder um mich selbst zu kümmern und zwar allein. Ganz allein. Ich wollte wieder auf meinen Tippelpfad kommen. Jordy flog nach Hong Kong und ich zog wieder auf der Kama ein, meine geliebte „Dicke“, und weil sie ganz schön vernachlässigt war, schruppte ich ihren dicken Bauch und machte sie erstmal sauber. Ich hatte es mir gerade gemütlich gemacht, meine alten Freunde wieder getroffen, war mit Krisenbewältigung beschäftigt und arbeitete daran mich zu entspannen und von vielen Dingen zu erholen und zu trennen, als meine zarte Blase ganz plötzlich platze. BAM! Da war sie. Christina. Das Sandkorn, das meine Blase kaputt machte und kratzte. Andi (der Besitzer von Kama, der derzeit noch in Deutschland weilte) schrieb mir eines Morgens: „Du Miri, is das in Ordnung, wenn ich eine alte Freundin, die gerade in Neuseeland angekommen ist, zu dir auf Kama schicke?? Sie möchte ein wenig reisen und brauch was für die ersten Tage.

Die Dicke bekommt ne Beauty Kur

Klar, kein Problem dachte ich. Ein Gast für ein paar Tage wird vielleicht sogar ganz nett sein. Noch am selben Nachmittag holte ich die sonnige Christina am Bus ab und schon nach 5 Minuten merkte ich an ihrem selbstbewussten Eingreifen, dass sie einen sehr einnehmenden Charakter hat. Oh oh….das wird ja was. Aber gut, mal abwarten. Ich räumte meine Koje für sie und zog in Andis ein (ganz schlechte Idee) und atmete tief ein und sagte mir: abwarten und Tee trinken. In ein paar Tagen ist der Sturm vorbei.

24 Stunden später sagte mir mein Bauchgefühl: KREISCH!!!! Christina wird definitiv nicht nur für ein paar Tage auf Kama bleiben, sie wird einziehen und so lange bleiben, bis Andi kommt (also noch einige Wochen) und vor allem wird sie sich nicht wie ein Gast auf Kama verhalten, sondern so, als wäre der Kutter genauso ihrer wie meiner. Und ehrlich gesagt war ich noch nicht dazu in der Lage meinen einzigen Rückzugsort zu teilen. Ich brauchte einen Rückzugsort nur für mich allein, wo ich mich selber, meine Gedanken und Gefühle, meine Wäsche, Werkzeug und Einkäufe, Ordnung und Unordnung nach meinen Vorstellungen verteilen konnte. Ich hatte jetzt genug Zeit mit invasiven Persönlichkeiten verbracht, mit Vampiren, die meine Energie aussaugten und mich klein machten oder meine ständige Aufmerksamkeit erforderten. Ich spürte, wie meine eigene Persönlichkeit kurz vorm Vulkanausbruch war. Immerhin kam mit Christina guter Kaffee auf die Kama. Das verschob den Ausbruch ein wenig. Das Gemeine ist ja, dass es immer dann schwer fällt Grenzen zu setzen, wenn die Leute nett sind. Christina ist eine liebe. Eine Träumerin, eine im-was-weiss-ich-wie-vieltem-Himmel schwebende Esoterikerin, die beim Reden viel gestikuliert, noch dazu Psychologie studiert hat und alles immer irgendwie versucht zu analysieren, die sich mit Schamanismus und Naturheilung beschäftigt und die an „Heilungssucht“ leidet. Sie kam nicht einen Tag heim, ohne sich in der Stadt irgendeine neue Medizin oder Tinktur gekauft zu haben. In ihrer Welt war alles immer im inneren Ungleichgewicht und musste geheilt werden, dann wurde geweihräuchert und eine Feder geschwenkt, irgendwelche „Fäden“, die an unserer Aura haften wurden beseitigt oder gereinigt und es wurde viel „gearbeitet“. Ich bin ja offen für solche Ansätze und durchaus selber interessiert an den Methoden der Naturvölker und an spirituellem Hokuspokus. Aber es war mir zu viel, zu nah, und zur falschen Zeit.

Christina

Das Dilemma war aus meiner Sicht war sie ja der Gast, ich der Kapitän und sie hätte sich an „meine Regeln“ halten müssen und doch fühlte ich mich gezwungen selber auszureißen, schließlich war sie ja Andis Gast und Freundin. Ich brachte es nicht übers Herz sie unvermittelt auf die Strasse zu setzen und ihr zu sagen, dass sie sich mal Gedanken über eine neue Bleibe machen soll – und räum gefälligst deinen Scheiß auf! Stattdessen sah ich mich schon am zweiten Tag gezwungen mit ihr über meine Überforderung mit der beengten Situation zu sprechen und beschloss für ein paar Tage auf einen Roadtrip zu gehen. Das hatte ich ja eigentlich sowieso vorgehabt, vielleicht war jetzt der richtige Moment das sinkende Schiff zu verlassen und vielleicht würde sie sich in der Zwischenzeit ja verpieseln. Mein innerer Wunsch nach einem drastischen Schnitt im Leben manifestierte sich dann auch im Außen. Schnipp Schnapp – Haare ab. In drei Etappen. Ich war bereit mich von einem alten Abschnitt zu verabschieden.

Und wie das Leben es so wollte, verbrachte ich die nächsten Wochen kaum noch auf Kama. Christina brauchte sich nicht mehr verpieseln – die Strasse tat mir gut. Ich machte einen Roadtrip nach dem anderen und kam nur zwischendurch für jeweils ein paar Tage zum Boot. Das sah beinahe jedes Mal aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen. Christina ist total chaotisch und bekam ziemlich bald von Anja den akkuraten Spitznamen „Wühlfloh“. Wow, wie kann ein Mensch so viel Durcheinander anrichten! Wo Wühlfloh ankam, verbreitete sie Unordnung und Chaos. Und selbst für die kleinsten Aufgaben, die ich ihr erteilte um das Boot für Andi vorzubereiten, brauchte sie Wochen! Aber ich hatte sie inzwischen in mein Herz geschlossen. Wir hatten sogar ne Menge Spass miteinander und ich beschloss mit innerem Frieden, dass wir gute Freunde waren, aber inkompatible Mitbewohner. Sie wirkte auf mich nicht nur räumlich chaotisch, sondern auch innerlich verloren, wuselig, ungeerdet und handlungsunfähig. Als wir uns kennen lernten, war ich in einer ähnlich kritischen Verfassung und vielleicht war es dieser Umstand, der mich noch tiefer in die Krise stürzte und mir gleichzeitig auch verhalf aus ihr heraus zu kommen. Ich dankte Christina später dafür.

Trotz der Herausforderung uns ein Boot zu teilen, hatten wir viel Spass miteinander.

Erster Roadtrip: Sechs-Tages-Tour an der Ostküste entlang

Das fängt ja super an, denke ich mir, als ich die ersten 7km meiner 35km Anreise laufen muss, die ich normalerweise erfolgreich per Anhalter fahre. Es sind gerade 45-60min zum Startpunkt meiner Wanderung und ich bin die Strecke schon mehrfach gehitched. Es hat nie länger als eine Stunde gedauert und ausgerechnet heute, mit meinem schweren Rucksack, nimmt mich niemand mit. Zum Piepen.

Vier Stunden später bin ich endlich auf der Zielgeraden zum Startpunkt meiner Wanderung. Noch etwa 1km übrig. Eigentlich wollte ich schon über dem Gipfel sein, grins. Nur dass ich jetzt schon etwa 3 Stunden Fußmarsch mit einem viel zu schweren Rucksack hinter mit habe. Das ist mir schon lange nicht mehr passiert. Als ein Auto nach dem anderen an mir vorbei fährt ohne zu stoppen, komme ich zu dem bitteren Ergebnis: das liegt nur daran, dass ich keinen langen Pferdeschwanz mehr habe. Gott, wie erbärmlich oberflächlich sind die Menschen nur – und rolle innerlich meine Augen. Das Klischee, dass „hübsche Frauen“ es auf diesem Gebiet einfacher haben, scheint sich zu bestätigen.

Stunden später.

Noch 500 m. Ist das dann auch der richtige Weg? Ich halte mehr aus Gewohnheit meinen Daumen heraus, als ich ein Auto kommen höre und puff, da hält es an. Der Fahrer kurbelt die Scheibe herunter und schaut mich mit einem schelmischen Grinsen an: Hey, du weisst schon, dass die Strasse in 200 m zu Ende ist? Es wäre ein Witz dich mitzunehmen. Ich lache belustigt zurück und sage, ja, aber ich bin jetzt schon so weit gelaufen und müde, da kann man ruhig auf die letzten Meter noch hitchen. Er findet es wohl lustig und fragt mich woher ich komme, ich sage Deutschland und sein Gesicht hellt sich abermals auf und er sagt: Hopp, du musst definitiv einsteigen! Es ist der Beginn einer langen Freundschaft. Bill kommt aus Kanada und wohnt in jener Strasse am Hang. Im Schritttempo fahren wir am Ufer entlang. Er fragt mich ob ich Hunger habe und zum Mittag kommen wolle. Offenbar war die Frage rein rhetorisch, weil er völlig überascht ist, als ein Ja klar! aus mir herausplatzt. Er rudert zurück, weiss nicht, ob seine Frau genug zu Essen gemacht hat, schliesslich kommen schon andere Freunde vorbei, aber dann lacht er ach komm, lass uns mal hochfahren und nachsehen.

So lerne ich mal wieder tolle Menschen kennen aus denen eine gute Freundschaft wird. Bills Frau Olivia ist Neuseeländerin und seit ein paar Jahren leben sie wieder in Neuseeland. Bill ist schon über 70 und hat die lustigsten Reiseabenteuer in seiner Geschichtenliste. Ich zähle mich nicht gerade zu den besten Erzählern, aber mit Bill entwickelt sich eine Art Wettstreit, wer die spannendsten Geschichten erzählen kann. Er packt eine Story nach der anderen aus in der Erwartung, dass ich sowas noch nicht erlebt habe – dann packe ich meine aus und versuche ihn zu toppen.

Olivia und Bill.

Natürlich wurde aus meiner Wanderung an diesem Tage nichts mehr. Nach dem Essen ist es schon zu spät und die Gesellschaft ist einfach zu schön. Ich habe inzwischen gelernt mich nicht von meinen Plänen einsperren zu lassen. Ich lasse mich viel lieber treiben und lasse mich gerne auf Unvorhergesehenes ein. Es ist meistens viel schöner so. Das Leben schenkt mir die Bekanntschaft mit so liebenswerten Menschen, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Olivia zeigt mir wie man webt und macht ein Video, Bill trinkt vor lauter Freude über meinen Besuch einen Whiskey nach dem anderen und findet schliesslich, dass ich eine hervorragende Gitarrenspielerin bin. Das alles habe ich nur dem Umstand zu verdanken, dass Bill und Olivia einst nach Deutschland gereist sind und zwei Wochen lang von einer Deutschen so herzlich und warm aufgenommen wurden, dass sie die gute Bewirtung und Gastfreundschaft irgendwie zurück geben wollen. Bill ist so happy, dass er zum Telefon greift und die Freundin in Deutschland kurzerhand anruft. Sie haben lange nichts voneinander gehört und sie freut sich riesig über den unerwarteten Anruf. Weil Bill ein paar Whiskey zu viel getrunken hat, verspricht er Verena spontan, dass er sie die Woche drauf besuchen kommen wird. Hahaha….Warum nicht? Manchmal muss man sowas machen, sonst macht man es nie! Doch am nächsten Morgen ruft er nochmal an und verschiebt den Besuch, damit Olivia auch mit kann und alle was davon haben.

Herrlich.

Am nächsten Morgen werde ich nochmals gut gefüttert und beginne früh meine Wanderung über den Berg. 5 Stunden bis zur anderen Seite. Ich habe meinen Rucksack schlecht gepackt, bin untrainiert und muss auf der steilsten Strecke alle 20-30 Schritte anhalten und durchatmen. Erbärmlich. Dann fängt es an zu regnen. Ich fluche und kämpfe. Verdamme den scheiß Berg und mich selbst, dass ich es so weit habe kommen lassen, dass ich so lange nicht mehr gemacht habe was mich befreit und mir gut tut, dass ich so untrainiert bin. Ich schimpfe laut aus, quäle mich durch jeden Schritt und bin zugleich so froh. So froh endlich wieder unterwegs zu sein, so froh, dass ich alleine bin, so froh, dass ich den Rucksack zu schwer und den Berg zu steil gewählt habe. Ich sauge alles um mich herum wie eine Verdurstende auf. Die Vögel, die seltenen Ausblicke zwischen den Bäumen, den Wind, selbst der Regen stimmt mich froh. Ich bin glücklich. Ich erreiche eine Lichtung auf dem Gipfel. Und sehe nichts. Die Wolken hängen so tief, dass man keine 50 m sehen kann. Ich sehe wie der Wind die Wolken von links nach rechts schiebt. Mein Blickfeld wie eine milchige Blase. Es ist spukig schön und super friedlich. Ich sehe vor mir einen ausgetretenen Trampelpfad und ein Gedanke kommt mir: Das ist wie das Leben. Man kann nicht weit sehen, nur ein paar Schritte voraus. In der Blase kannst du klar sehen, sie ist sicher und du fühlst dich wohl. Es ist total ok, dass du nicht sehen kannst was jenseits der Blase ist, weil es eh keine Rolle spielt was da ist. Es ist so oder so der richtige Weg.

Der Gipfel von Mt. Lion

Und auch der schwere Rucksack auf meinem Rücken ist wie eine Metapher. Er ist zu voll mit Ballast. Und mit jedem Kilometer, mit jedem Tag wird er leichter. Lässt den Ärger und Kummer der letzten Monate hinter mir. Ich fühle mich schon jetzt total befreit und euphorisch. Singend laufe ich im Nieselregen auf dem Bergrücken entlang und komme auf der anderen Seite im Sonnenschein an einen weißen Strand. 15km Sand liegen vor mir. Ich will auf diesem Strand zelten und morgen weiter. Das ist Freiheit.

Vor mir liegen nun 15km Strand.
Ich verstecke mein Zelt, weil ich nicht weiss, ob gezeltet werden darf.

Ab jetzt versinkt meine Wanderung im Regen. An meinem Strandtag hielt sich der Regenguss noch in tolerierbaren Grenzen, aber am Tag darauf ging der Monsun los und hörte für die ganze Woche nicht mehr auf. Konnte ich anfänglichs noch mit meiner Regenjacke und dem Regenschutz meines Rucksacks frohen Mutes durch den Nieselregen patschen, (wenn ich an Kühen vorbei kam, muhte ich im Rythmus meiner Schritte ein fröhliches Lied vor mich hin), aber schliesslich öffnete sich die Wolkendecke mit einem erbarmungslosen Wasserschwall und durchnässte mich innerhalb von 90 Sekunden bis in die Poritze. Mein Rucksack war inzwischen auch innen feucht, meine Stiefel liefen voll und das Wasser kitzelte zwischen meinen Zehen, aber mir war nicht nach Lachen zumute. Ich musste dringend eine Zuflucht suchen und fand ein Schild, das eine Wandershütte für 15 Dollar in 800 m Entfernung versprach. Eigentlich wollte ich kein Geld ausgeben, aber vielleicht konnte ich dem Bauern 2 h im Stall helfen. Alles besser als Regen. Es waren die längsten und nassesten 800 m meines Lebens. Und es waren tatsächlich auch eher 1400 m. Wer auch immer das Schild geschrieben hat, ist ein Meister der Untertreibung.
Aber die Hütte, die mich erwartete, übertraf meine kühnsten Träume und war sowohl leer, als auch offen. Es gab eine Küche mit Gasherd, Tee und Kaffee, Reis, Nudeln und eine kleine Box mit Lebensmitteln. Ich wäre dem Besitzer jubelnd um den Hals gefallen und hätte ihn wild abgeknutscht.

Ein umgebauter Anhänger
Zuflucht mit allen Annehmlichkeiten für 3 Tage. Ich wohne umsonst, weil Nebensaison ist und räume die Bude auf.

Ich verbrachte die nächsten drei Nächte ganz alleine hier. Es regnete ohne Pause. Ich hatte Essen für fünf Tage. Es war wundervoll so allein zu sein in diesem kleinen Paradies. Ich fühlte mich wie der Typ aus Into und Wild und seinem Bus in Alaska.

Ich las die Bücher die dort lagen, räumte auf, fand drei tote Mäuse in dem Schlafsofa auf dem ich zu nächtigen gedachte, räumte auf, trank Tee, trocknete meine Sachen, räumte auf…trank Tee, schlief, ging bei erster Dunkelheit schlafen, es gab keinen Strom, und wachte zum Geschrei der Vögel auf. Immernoch Regen.

Am dritten Morgen hörte es kurzfristig auf zu regnen und schweren Herzens packte ich alles wieder zusammen und tippelte wieder Richtung Straße. Innerhalb von 45 min war ich wieder auf dem Boot. Die Strecke, die ich mühevoll in drei vollen Tagen erwandert hatte, wirkte wie ein verblassender Traum auf mich.

Zweiter Roadtrip: Drei Tage Nordcap.

Ich blieb nur so lange auf Kama, bis meine Sachen wieder trocken und sauber waren. Sobald die Wettervorhersage für ein paar Tage gutes Wetter versprach, machte ich mich auf zum Nordcap. Von Whangarei bis zum Ende der Straße der Nordinsel waren es gerade mal 280 km, aber trotz hervorragender Mitfahrgelenheiten brauchte ich den ganzen Tag und baute mein Zelt erst in der untergehenden Sonne auf. Mein letztes Auto war bereits voll mit einer schnatternden indischen Familie, die mich noch auf die Rückbank quetschte und ohrenbetäubend laute indische Bumbum-Musik hörte. Es wurde gesungen, an jeder Kurve begeistert Fotostopp gemacht und hemmungslos geselfiet. Wiesen, Kühe und Schafe. Erst da merkte ich, dass der Anblick einer müllfreien Wiesen- und Waldlandschaft, kaum Verkehr, kaum Menschen und dieser stille Frieden über den Hügeln etwas sehr Ungewöhnliches für sie sein musste. Für mich war es gewöhnlich und kaum eines Fotos wert. Erst als wir uns den gelblich, rötlichen Dünen näherten, fingen auch meine Augen an zu leuchten. Es war so anders als der Rest der Nordinsel und erinnerte mich eher an Bilder von Australien.
Je weiter man sich von der Hauptstadt entfernte, desto menschenleerer wurde die Landschaft, mehr Maori und weniger „Pakhias“ (Bleichgesichter). Die Dörfer sahen etwas verwahrloster und lotterig aus, genau wie die Menschen. Es war endlich meine Gelegenheit mit Maori in Kontakt zu kommen. Ich hatte mir das so einfach vorgestellt, bevor ich das erste Mal nach Neuseeland gekommen war, und hatte sie leider sehr vermisst. Erst bei meinem dritten und vermutlich letzten Besuch sollte ich endlich ein paar Maori kennen lernen. Vielleicht fand ich ja ausgerechnet jetzt meinen Rugbyspieler. Es war lustig zu sehen, dass ich mit meinen Rapanui Sprachkenntnissen genug über die Maori Sprache verstand, um in einen interessanten Dialog über die Aussprache der Maori Worte in einem englischen Sprachraum zu kommen. Die Kiwis sprechen Maoriworte meist völlig falsch aus. Aber diese falsche Ausprache hat sich so sehr etabliert, dass niemand dich versteht, wenn du es richtig aussprichst. Selbst die Maori sprechen inzwischen manche Worte so aus, wie die Kiwis sie verschandeln – der Einfachheit halber, oder aus Gewohnheit. Einer Maori Frau fiel erst durch meinen Kommentar auf, dass sie seit Jahren den Namen des Caps (Cape Reinga) falsch aussprach. Dieselbe Frau echauffierte sich auch über das schlechte Verhalten mancher ihrer Artgenossen. „Arbeitslos, unmotiviert, nichts besseres zu tun als zu klauen und Leute zu vermöbeln, die ihnen nicht gefallen.“ Die meisten meiner Maori Bekanntschaften waren bescheidene Menschen, hatten irgendwo einen kleinen Job – nichts hochtrabendes – und waren sehr gastfreundlich. Sprach man sie auf ihre Beziehung zu der Kolonialmacht an, hatten sie hier und da eine milde Antihaltung gegenüber der Pakhia Regierung, aber alles in allem waren sie sehr viel weniger aggressiv und weniger in der trotzigen Opferolle und alles-was-von-euch-Weißen-kommt-wird-erstmal-abgelehnt-weil-wir-zuerst-hier-waren-und-ihr-uns-scheiße-behandelt-habt, als die pubertierenden Rapa Nui. Sie sagten oft „wir haben eigentlich keine schlechte Meinung von den Kolonialherren, wir wollen nur, dass sie verstehen, dass wir anders denken und manche Dinge ganz anders angehen. Uns sind ganz andere Dinge wichtig als den Pakhias.“ Sie wirkten gelassener, akzeptierender, stärker wie ein Stein in der Brandung, der sich nicht um die kleinen Wellen an der Wasseroberfläche kümmert. Weise und weitsichtig genug, um gegenseitiges Lernen zu erlauben und das Gute beider Welten zu vereinen.
Wenngleich sie recht adaptiert sind an die neuen Begebenheiten, waren die meisten dennoch recht stark in ihrer Maori Community engagiert. Ich lernte auch einen Aktivisten kennen, aber er ließ mich nicht einen Augenblick spüren, dass ich mit meinem ethnischen Hintergrund nicht in seinem Land willkommen sei. Das war auf der Osterinsel anders und ich fragte mich woran das liegen könnte.
Die nächste zwei Tage lief ich entweder über den Mars, oder über einsame Strände. Weit und breit keine Siedlung, noch nicht mal Schiffe am Horizont. Die Tasmanische See war leer.

Im Februar zum Südcap, jetzt zum Nordcap.

Dritter Roadtrip: Vulkane hoch 3.

30 Jahre alt

Mein dritter Roadtrip begann nach meinem Geburtstag. Ah, das Durchbrechen der Schallmauer erfolgte im kleinen Kreis mit selbst gemachter Pizza und bretonischem Butterkuchen. Das war sehr nett und die Welt brach nicht zusammen, wie erwartet. Mopsfidel ob dieser guten Neuigkeit packte ich wenige Tage später wieder meinen Rucksack und machte mich auf meinen letzten Roadtrip auf und davon. Ziel war diesmal Mount Tongariro, ein Vulkan im Herzen der Nordinsel, in einem geothermischen Gebiet mit hoher Bedeutung für die Maori.

Die Legende der Schlacht der Berge

In einer längst vergangenen Zeit wurden acht personifizierte Berge aus der Landschaft geboren. Dort lebten sieben Männer – Tongariro, Taranaki, Ruapehu, Ngaruahoe, Tarawera, Tauhara und Patauaki – und eine Frau, Pihanga. Ihr Schrei als Kinder lautete: „Wir werden immer zusammen sein, und nichts wird uns jemals trennen!“

Im Laufe der Jahrtausende wuchsen die Jungenberge zu mächtigen männlichen Kriegern, während Pihanga zu einem hübschen, mit Farn bedeckten Nebelmädchen wurde, das jeder von ihnen zur Frau begehrte.

„Wähle!“, rief Tongariro. „Du musst wählen!“

„Ich kann nicht“, antwortete Pihanga. „Ich liebe euch alle gleich.“

„Dann werden wir kämpfen, und der Sieger wird dein Ehemann sein“, erklärte Tongariro.

Einer nach dem anderen traten die Berge gegen Tongariro an und einer nach dem anderen wurde besiegt. Schließlich blieb nur Taranaki dem mächtigen Tongariro gegenüber. Ihr Kampf war spektakulär gewalttätig, da jeder Berg dem anderen gewachsen war.

Die Schlacht tobte monatelang, bis die brennende Pihanga „Stop!“ rief, als sie in ihrem verbrannten und geschwärzten Farnmantel fast zu Tode lag. Anstatt sie zu verlieren, gab Taranaki eine Niederlage zu – und so wurde Pihanga Tongariros Frau.

Als unzählige Jahrtausende vergingen, heilte die Landschaft und die besiegten Berge zogen sich fort: Tarawera, Tauhara und Patuauki im Norden und Ruapehu und Ngaruahoe im Süden.

Viele Kinder wurden in Tongariro und Pihanga geboren, darunter auch Panitahi, der sich von den anderen sehr unterschied. Klatsch und Anspielungen flogen durch die Landschaft, bis Tongariro, der misstrauisch gegenüber seinem Freund Taranaki war, beschloss, eine Falle zu stellen. Er tat so, als würde er schlafen, und traf seinen Freund und seine Frau in einer zärtlichen Umarmung.

Tongariro brach in einer gigantischen Wut aus, die auf der ganzen Welt zu hören war. Riesige Explosionen zerrissen die Landschaft. Der Krater, der sich aus der größten Explosion gebildet hatte, füllte sich schließlich mit Wasser und wurde zum See, den wir heute als Lake Taupo kennen. Taranaki erinnerte sich an das, was in den vorangegangenen Kämpfen mit Pihanga passiert war und zog sich zurück. Er sammelte Panitahi ein und floh mit gebrochenem Herzen nach Westen, geführt vom Stein Te Toka Rauhoto Tapairu.

Auf seiner Flucht hat er eine tiefe Narbe in die Landschaft geschlagen. Als er das Meer erreichte, streckte Pouakai – einer von fünf Bergen der Westküste – die Arme aus, um Taranaki zu trösten, bis die untergehende Sonne ihn zum Stehen brachte. Er ist bis heute dort geblieben, mit Panitahi an seiner Seite und dem Leitstein, der jetzt südlich von New Plymouth residiert.

Mit der Zeit ließ sich Tongariro nieder und begann nach seinem verlorenen Freund zu weinen. Seine Tränen füllten die Narbe in der Landschaft, die wir heute als Whanganui River kennen.

Es wird angenommen, dass der Leitstein eines Tages Taranaki freigeben wird, um zu seiner wahren Liebe, Pihanga, zurückzukehren.

Wahre Liebe kann wirklich Berge versetzen. Aber für den Moment schlafen die Berge.

nach James Heremaia

Ich lief vom Boot zur Hauptstraße und stieg in den Lastwagen von Dan. Er setzte mich nach 5 Minuten wieder ab, weil wir in unterschiedliche Richtungen wollten, aber er enttäuschte mich doch leider sehr, als er entschied das gängige Klischee vom Brummifahrer zu erfüllen. Immerhin war er nicht beleidigt oder aufdringlich, als ich seine Einladung genau so freundlich ablehnte, wie er sie ausgesprochen hatte. Vielleicht dachte er ja auch, dass ich das gängige Klischee einer Frau erfülle, die in einem LKW hitchhiked.
Meine nächsten Fahrten machten alles wieder gut und brachten mich doch in der Tat bis ans verhoffte Ziel. Sogar mit ungeplantem Mittagessen bei einer Verwandten der Fahrerin.

Mit solcher Gesellschaft ist der Frust vom Morgen vergessen.

Mein letzter Fahrer war Angelo aus Italien, seit 25 Jahren lebt er in Neuseeland und wie es sich für einen Italiener gehört, hat er in seiner neuen Heimat eine Pasta Manufaktur eröffnet und ist nun erfolgreicher Nudelmacher. Er war super, und brachte mich sogar bis zu einem kostenlosen Campingplatz an einem Fluss. Da er die Region gut kannte, verriet er mir noch ein paar Geheimtipps, die ich besuchen musste, als wir uns zum Abschied herzlichen umarmten. Nach der Enttäuschung des Morgens, war ich nach all den tollen Menschen wieder besänftigt. Der Campingplatz roch nach Blumen, die Camper kochten ihre Dinners und ich versteckte mein Zelt im Gebüsch. Kein Bock auf Trubel. Ich war happy.
Am Morgen packte ich meine Sachen und trabte am Fluss entlang zu kostenlosen heißen Quellen, die mir Angelo empfohlen hatte. Ich plumpste ins Wasser und ließ mich eine halbe Stunde lang durchkochen und lernte eine junge Frau kennen, die schon etwa 30 Mal die Wanderung gemacht hatte, die ich nun in Angriff nehmen wollte und mir noch nützliche Tipps gab. Sie überzeugte mich, dass ich die Wanderung um 3-4 Uhr morgens starten solle, damit ich bei Sonnenaufgang auf dem Gipfel sei und riet mir warme Sachen anzuziehen, vor Ort die Wettervorhersage zu erfragen und zeigte dann über unsere heißen Quellen hinweg und sagte „wenn man an der Berghütte nicht weiter sehen kann, als von hier zur anderen Seite des Flusses, dann geht man gar nicht erst los.“ Das Tongariro Crossing ist eine beliebte Wanderung bei den Touris: anfängerfreundlich, gut ausgebaut und beschildert und mit spektakulären Herr-der-Ringe Aussichten. Nichtsdestotrotz kommen hin und wieder Wanderer ums Leben, weil sie die Wetterverhältnisse und das wechselhafte Gemüt des Berges unterschätzen und in Flip-Flops und kurzer Hose auf eine alpine Wanderung gehen. Es wurde einem regelrecht Angst gemacht vor dieser Wanderung, damit die Dümmsten gar nicht erst auf die Idee kommen sie zu starten. Bedauerlicherweise war grade mal eine Woche zuvor ein Mann auf diesem Trek ums Leben gekommen und die Panikmache besonders groß. Er hatte die Gruppe verloren und war erfroren, wie die meisten. Meine Badebekannte verstand es aber mir zu erklären, dass es alles halb so wild sei und ich die Wanderung nicht bereuen würde.
Jetzt hatte ich es eilig dort hin zu kommen und machte mich sofort auf den Weg. Mein nächster Halt war Taurangi, dort buchte ich die Hütte, hinterließ mein Zelt und ein paar Dinge, die ich nicht brauchen würde, kaufte Proviant für 3 Tage (Notfallrationen, für alle Fälle), fragte nach der Wettervorhersage, kaufte mir Handschuhe , wählte alles was ich mitnahm mit Bedacht und stellte mich wieder an die Straße. Ich wollte noch heute Nachmittag bei der Hütte sein. Es lief wie am Schnürchen und bei bestem Wetter näherte ich mich den drei Vulkanen Mt. Tongariro, Mt. Ngaruahoe und Mt. Ruapehu.

Die Landschaft war ganz anders, als der Rest der Nordinsel: die Flanken der Vulkane waren baumlos, das Gras hatte gelbe, rote und braune Flecken, hier und dort ein paar qualmende Bergritzen und leuchtend weiße Gipfel. Der Himmel war blau und ich konnte mein Glück kaum fassen. Bestes Wetter. Es war meine letzte Chance diese Wanderung zu machen, denn zwei Tage später sollte eine Schlechtwetterfront beginnen, die eine halbe Ewigkeit anhalten würde. Schon am nächsten Tag sollte der Wind sich drehen und Wolken heranbringen, aber sie sollten keine Gefahr darstellen.

Gegen 15 Uhr näherte ich mich der Hütte, mir kamen ein paar einsame Wanderer entgegen und ich wagte zu hoffen, dass ich die Hütte für mich alleine haben würde. Die Berghütte lag auf rund 1200 m und als ich ankam, saß eine schnatternde Amerikanerin in Hotpants und Spaghettiträgern auf der Terrasse der pittoresken Hütte und quakte mit ihrem Boyfriend in den USA. Au weia, dachte ich, nicht so eine die im Natururlaub eine Internetverbindung braucht um andauernd mit ihren Liebsten in Verbindung zu sein. Ich kann das in der Regel gar nicht haben, wenn jemand an so einem wunderbaren, naturverbunden Ort woanders weilt und sein Zeit am Smartphone verbringt; vor allem wenn alle anderen alles mitbekommen, auch wenn sie lieber Ruhe hätten.

Das Bettenlager der Berghütte

Ich ging in die Hütte und schaute mich um. Sah nett aus! In der Mitte ein Gemeinschaftssaal, Kochecke, Sitzbänke und Tische, Waschbecken und Kamin. Zu beiden Seiten der Stube ein Schlafraum mit Etagenbetten. Insgesamt Platz für ca 20 Personen. Es kamen mehr und mehr Leute und man kam miteinander ins Gespräch. Wo kam man her, wo ging man hin, wo waren gute Wanderrouten, wer hatte welches Equipment, wie lange hatte man für die Strecken gebraucht.
Es bildeten sich schnell Grüppchen. Ein französisches Paar schlief draußen im Zelt (zitter) und sprach kein Wort Englisch. Sie zogen sich ziemlich schnell zurück und verschwanden. Die schnatternde Amerikanerin fand eine Gleichgesinnte und unterhielt sich angeregt mit ihr, während ich mich mit einem anderen französischen Pärchen anfreundete. Auch ein paar Deutschsprechende kamen schließlich an, aber sie sagten weder Hallo noch wirkten irgendwie daran interessiert sich anderweitig mit den Anwesenden auseinander zu setzen. Sie fingen aggressiv an ihre Taschen zu sortieren, Wäsche zu waschen und Abendessen zu kochen. Da dachte ich mir, die halten sich wohl für was Besseres, die nehmen das Wandern und sowieso alles viel zu Ernst, haben für alles das beste Equipment und geben sich nicht ab mit Leuten wie mir, die keine Merinofunktionsunterwäsche haben und einen Wanderstock aus dem Farn nehmen anstelle einer gefederten Aluteleskopstange mit Korkgriff.
Während wir so in der Stube saßen, zogen vor der Hütte die Nebelschwaden zu und ich dachte mir schon, dass das nicht so sein sollte. Wo kommen die denn her??!! Um 9 Uhr als ich ins Bett ging , konnte man schon keine 100m weit sehen. Naja, dachte ich mir , ich stelle meinen Wecker auf 4 Uhr und schaue mal nach draußen. Die milchige Brühe war immer noch da. Sichtweite circa 300 Meter. Ich ging wieder ins Bett. 5 Uhr: Die milchige Brühe ist jetzt etwa 100 Meter weit weg. Noch mal Bett. 6 Uhr die milchige Brühe ist unverändert 100 Meter entfernt. Wenn ich jetzt nicht losgehe, dann brauche ich es gar nicht erst versuchen, muss die Wanderung komplett vergessen. Zurückkommen kann ich nicht, ein anderen Mal kommen kann ich nicht. Ich schultere meinen Rucksack und stapfe los, die Stimme der Frau von der heißen Quelle in meinem Ohr: wenn man von hier bis dort nicht sehen kann, dann geht man gar nicht erst los. Meine eigene Stimme sagte, ich kann ja jeder Zeit abbrechen und zurück gehen, ich werde sehen ob andere Wanderer unterwegs sind, denen ich mich anschließen kann.

Mit grosser Verspätung beginne ich meinen Aufstieg.

Als ich meine Frühstückspause mache, kommen die ersten Leute an mir vorbei. Zu zweit zu dritt. Ich frühstücke in Ruhe und laufe dann weiter, immer noch alleine.

Die Farben hätte ein Maler nicht besser kombinieren koennen.

Die Stimmung um mich herum ist absolut magisch . Der Nebel, der Wind, die Farben, die Kälte, die Einsamkeit. Leider wird das Wetter statt besser, immer schlechter . Und ich komme an 3 Stellen, an denen ich denke, wenn du vernünftig wärst , würdest du jetzt umkehren . Stattdessen lasse ich mich ermutigen von den Leuten die auch unterwegs sind und denke mir, wenn die es schaffen, dann schaffe ich es auch. Schließlich überholt mich ein Mädchen, das auch alleine läuft und ich gebe die Sporen und laufe ihr hinterher. Sie kommt aus Österreich und ist in einer Gruppe unterwegs. Wir erreichen die Schneegrenze und ich komme aus dem Entzücken gar nicht mehr heraus. Da die Österreicherin mir zu flott läuft, bin ich wieder alleine. Die Sicht beträgt inzwischen etwa 20 Meter, der Wind ist stärker und sobald man stehen bleibt, wird es kalt. Eine schwache Silhouette holt langsam mit mir auf, vollvermummt und schwarz gekleidet. Ich schaue auf die Schuhe. Joggingschuhe und eine Regenhose. Oh man, das kann doch nicht wahr sein. Den greif ich mir. Wenn wir zusammen bleiben, dann kann ich auf diesen armen Burschen aufpassen und für mich ist es auch sicherer in einer Gruppe zu gehen. Der Bursche kommt aus Südafrika und sieht heute zum ersten Mal in seinem Leben Schnee. Ich freue mich, dass ich ihn an diesem besonderen Tag begleiten darf.

Je hoeher ich steige, desto schlechter wird die Sicht. Ich hoffe darauf, dass der Gipfel über den Wolken ist.

Je näher wir dem Gipfel kommen, desto schlechter wird das Wetter. Es schneit und der Wind ist jetzt so stark, dass er mich mehrfach auf die Seite legt. Mein Stock bricht, nur noch ein Pickel und es ist nicht ersichtlich, dass wir bald über der Wolkengrenze sein werden. Wir bleiben ein paar Mal stehen und ich muss klein beigeben. Ich sage zu meinem Südafrikanischen Schützling, dass wir umkehren sollten, wenn es nicht in ein paar Metern besser wird. Er schaut mich hilflos an und sagt er könne nicht umkehren, sein Schuttelbus hole ihn schließlich auf der anderen Seite ab. Ich will eigentlich auch nicht aufgeben, aber es sieht alles andere als rosig aus. Alleine wäre ich jetzt umgekehrt. Aber wir sind zu zweit und noch mehr Leute hinter uns irgendwo, wir kämpfen uns also weiter.

Wie man sieht, sieht man nichts. Schnee- und Eisfelder, Starkwind und Eisregen.
Das ist der Gipfel!

Der Gipfel ist alles andere als spektakulär, man kann kaum was sehen. Als ob das noch nicht reichte, kann man klar erkennen, dass wir nur etwa 10-20 m unter der Wolkengrenze stehen. Kannst du nicht 50 m größer sein du blöder Berg?! Trotz all der Anstrengung genieße ich diese Erfahrung. Ich fühle mich lebendig und das Blut in meinen Adern ist heiß. Ich kriege Nasenbluten. Die feuchten Wolken peitschen kleine Tropfen mit über 100 km/h in mein Gesicht, dass dadurch mit einer hauchdünnen Eisschicht bepanzert ist. Wer kann schon behaupten, dass er einen Vulkan in einem Schneesturm bestiegen hat. Hinter dem Gipfel ein weiteres Eisfeld und mehrere gefrorene Kraterseen. In den Broschüren sind dies die Highlights. Das türkise Blau, das sich vor dem Ocker der Steppe absetzt und von Schwefelschwaden umschmeichelt wird. Wir werden hier nur von Eisregen umschmeichelt und können uns kaum eine Pause erlauben – sofort fängt man an zu frieren. Auf dem Abstieg vernebelt es noch mehr und man kann die Pfadweiser nicht mehr sehen – Sprich die Sicht beträgt nur noch wenige Meter. Es sind noch ein paar mehr Leute da, die jetzt langsam unsicher umherirren. Stolz ziehe ich meinen Kompass heraus und alle folgen mir. (Danke Steffi und Frank !!!) Wenige Meter weiter finden wir den orangen Stab und dann den nächsten. Alles gut. Wer brauch schon Merinofunktionsunterwäsche…kicher.

Auf der anderen Seite erreichen wir nach etwa 45 Minuten eine weitere Hütte. Sie liegt in der Sonne und hat eine wunderbare Aussicht. Alle packen aufgeregt ihre Butterbrote aus und erzählen sich stolz ihre Gipfelstories. Ich ernte neidische Blicke, als ich für mich und meine Wandergruppe Kaffee und Tee koche. Der restliche Abstieg zog sich in die Länge, ich dachte schon der Weg endet nie! Müde aber fröhlich erschöpft, komme ich unten an. Trotzdem mein Körper jetzt gerne ausruhen würde, muss ich weiter. Zur Straße, nach Taurangi hitchhiken, meine Sachen abholen und weiter nach Taupo, um dort wieder auf dem Umsonst-Zeltplatz zu pennen. Es gelingt und ich schlafe um 20:00 happy ein, denn wer kann schon erzählen, dass er in einem Schneesturm über einen Herr-der-Ringe Berg geklettert ist mit einem Südafrikaner, der zum ersten Mal Schnee sah.

An zahlreichen Stellen steigt der Dampf aus dem Berg. Es stinkt nach faulen Eiern.
Auf die letzten quaelenden Kilomenter wandert man durch einen dichten Märchenwald.

Vierter Roadtrip: Segeln mit den Schnaubis. Great Barrier Island
Nach meiner Vulkanüberquerung war ich mit den Schnaubis verabredet. Die Schnaubis sind vom Aussterben bedroht. Genau genommen gibt es nur noch zwei. Anja und Thomas. Sie kommen aus der Schweiz. Und wenn man mal ein paar Tage in ihr Leben schnuppern darf, dann wundert man sich, dass sich diese zwei letzten Exemplare nicht schon gegenseitig umgebracht haben.

Es war ihr Boot, die Robusta, das ich Anfang des Jahres mitrepariert habe. Jetzt waren sie endlich, nach 9 Monaten Schwerstarbeit, wieder auf dem Wasser und erkundeten Neuseeland. Von Taupo aus fuhr ich Richtung Nordost zur Coromandel Halbinsel und traf mich in einer geschützten Bucht mit den Schnaubis. In der Nacht sollte das Unwetter beginnen. Auf dem Weg zum Steg liefen Anja und ich über eine Privatstraße und wurden prompt erwischt und erhielten eine Predigt. Ich kam mir vor wie in Deutschland. Wo waren die netten Neuseeländer, die zwei gutaussehenden Frauen mit einem schweren Rucksack einen Lift geben, statt sie anzumotzen. Ich kann mir denken warum der Empfang so unfreundlich war. Sie wollten nicht, dass die falschen Leute sahen, dass sie Gras anbauen 😉

Es war gemütlich einen faulen Tag auf dem Boot zu verbringen und das Unwetter auszusitzen. Wir hatten uns viel zu erzählen und Anja hörte gar nicht mehr auf über Neuseeland herzuziehen während wir eine Runde Backgammon nach der anderen zockten. Sie kann das Land nicht leiden.
Sie hatten in der Zwischenzeit einen jungen italienischen Segler kennen gelernt, der sich vor wenigen Wochen ein Stahlboot ersteigert hatte und jetzt von den Schnaubis nützliche Ratschläge erhielt. Am Abend trudelte er mit seiner IRON LADY neben uns in die Bucht ein und ankerte nebenan. Er segelte bis zur Ankerstelle und ließ die Ankerkette per Hand herunter. Das gefiel mir, ein echter Pirat. Er trug gelbes Ölzeug, hatte gelblich rotes Haar und sah überhaupt nicht aus wie ein Italiener – eher wie ein Minion – aber viel war ja nicht von ihm zu sehen. Es war schwer zu sagen, wie alt er war.
Ein paar Stunden später kam er im Schneckenrythmus mit einem gelben Schalendinghi angerudert. Ganz gemütlich, als hätte er alle Zeit der Welt und als käme er aus einer anderen Zeit. Als er sich umdrehte und die Schnaubis grüßte und ich sein Gesicht sah, wusste ich, dass mir dieser Kerl gefiel. Ein Hippie, ein Straßenköter mit Dreadlocks (unwiderstehlich), ein Pirat, eine wilde und freie Seele, so wie ich. Er hat was von Jack Sparrow. Der Style! Dieses Getue, von dem man nicht weiß, ist das jetzt schwul oder exzentrisch? Er kam an Bord und brachte uns alle zum Lachen mit seinen leuchtenden Augen, seinem verschmitzten Humor, seinem herrlichen italienisch-jamaikanischem Englisch. Ein Unikat. So einen wie ihn habe ich noch nie getroffen. Ich war umgeben von einzigartigen Personen und fühlte mich sehr gut aufgehoben.

Captain Jack Sparrow, alias Marcello.

In der folgenden Woche segelte ich mit den Schnaubis nach Coromandel und dann zum verwunschenen Great Barrier Island. Anja und ich machten Wanderungen, wo wir konnten und übernachteten in einer wunderschönen Berghütte. Seltsamerweise tauchte die IRON LADY immer ein oder zwei Tage später am gleichen Ort auf und ich fragte mich, ob ich bald Läuse haben würde. Haha. Marcello, zeigte mir sein Boot und wir reparierten seine Motorwelle notdürftig. Ein Splint im Getriebe war gebrochen.

Zum Schutz der Kauriwälder muss man seine Schuhe desinfizieren.
Der Gipfel von Castle Rock auf dem Great Barrier Island
Die Iron Lady. 33 Fuss lang.

Die IRON LADY gefiel mir auf Anhieb. Sie, war bunt, gemütlich, heimelig – und rostig, hihi. Klein, aber gut durchdacht. Sie war eine Baustelle, aber ein gutes Boot. Wie gerne hätte ich ein Boot wie dieses! Immer wieder musste ich an Jordy und sein Boot denken, auf dem ich mich nie wohl gefühlt hatte. Im Vergleich spürte ich jetzt, dass es einfach Verbindungen gibt, die man nicht mit Worten beschreiben kann.
Inzwischen war ein zweites Mitglied auf Marcellos Boot. Timu. Er und Marcello waren ein einzigartiges Duo. Ich hatte so viel Spaß mit den beiden. Abends holten sie mich von der Robusta ab und dann jammten wir und aßen Fisch und Spiegelei. Marcello ist ein begnadeter Straßenmusiker. Er spielt Querflöte, Gitarre, Mundharmonika, Didgeridoo und singt. Ich werde neidisch wenn ich ihn singen höre, aber wir hatten auch ein paar ganz gute Duette und Trios. Timu ist ein begnadeter Fischer. Leider auch ein notorischer Langfinger. Haha. Wenn du was aus deiner Tasche vermisst, dann such es bei Timu.

Meine neuen Lieblinge Timu und Marcello.
Die Ähnlichkeit ist frappierend.
Er nennt mich Amish, ich nenne ihn Jude. Wir lachen.

Als sich die Woche dem Ende neigte und ich am liebsten für immer die Zeit angehalten hätte, war es Zeit nach Whangarei zurück zu kehren. Andi kam zurück, ich wollte auf dem Boot sein, wenn er ankam und eine mögliche Tragödie mit Christina vermeiden und außerdem hatte ich zu einer Feier eingeladen, um meinen Geburtstag und Andis Wiederkehr nach 10 Monaten Abwesenheit zu feiern.

Letzter Roadtrip: The Hens and Chickens
Ich konnte meine letzten Tage in Neuseeland nun an meinen Fingern zählen. Ich war seit mehreren Wochen auf der Suche nach Booten nach Australien und all meine Seglerfreunde sagten ich würde keines finden. Also hatte ich mir Anfang Oktober ein billiges Ticket nach Melbourne gekauft. Ich freute mich gigantisch auf Australien und konnte kaum erwarten Neuseeland zu verlassen. Das war vor meinem Geburtstag. Nach meinem Geburtstag und mit meinen Roadtrips bekam mein Leben wieder richtig Schwung und Abenteuer, ich lernte fantastische Leute kennen und genoss meine Reisen durchs Land. Erst mit Andis Wiederkehr und Marcellos Auftauchen kroch eine gewisse Trauer über meine nun doch so nahe Abreise ins Herz. Desweiteren meldeten sich gleich zwei Boote bei mir, die mich gerne mitnehmen wollten. Eines nach Tasmanien, das andere nach Neukaledonien. Der Wahnsinn. Nie wieder kaufe ich mir ein Flugticket, außer ich habe nur noch einen Tag bis zur Ausreise….
Andi kehrte zurück und wurde von Christina am Flughafen abgeholt. Ich segelte einen Tag später mit den Schnaubis ein. Das Wiedersehen mit Andi war schee. Ich wollte natürlich sofort wissen, wie er das Boot fand, und ob alles in Ordnung sei und er verkniff sich die Wahrheit auszusprechen. Offenbar war ziemliches Chaos. Oh oh….War das jetzt nur Wühlflohs Durcheinander, oder hatte ich auch was vermasselt? Andi kaufte mit Christinas Hilfe ein Auto und über die nächsten Tage brachten wir das Chaos wieder in Ordnung, aber irgendwas lastete unausgesprochen auf der Kama. Andi und ich verstanden uns wie immer ohne Worte, auch mit Christina hielt der Frieden an. Aber irgendwas zwischen den Zeilen schien nicht zu passen.

Einladung zur Geburtstagsfeier.

Die Feier war grandios mit etwa 25-30 Leuten von der Werft. Wir schmückten den Gemeinschaftsbereich und ich kaufte Getränke für alle, jeder brachte was mit. Meine engsten und jüngeren Freunde hatten weitgehend alle abgesagt und nur die Alten, Spontaneingeladenen tauchten auf und ermutigten mich, dass ich nun ins beste Alter kam.

Auf die Alten ist Verlass.
Und auf die ganz frischen.

Zu meinem Entzücken tauchten auch Timu und Marcello auf, sie waren uns abermals hinterher gesegelt und fortan waren wir bis zu meiner Abreise unzertrennlich. Mit ihnen kam Musik und Leben in die Bude, es wurde gesungen und getrommelt, Christina packte ihre Feuerkugeln aus und tanzte zur Musik. Es war ein Geburtstag, der mir in Erinnerung bleiben wird.
Man soll immer aufhören wenn es am schönsten ist, heißt es. Scheiß drauf – ich will das Schöne auskosten und verlängern. Spontan buchte ich meinen Flug um und verlängerte meinen Aufenthalt um 10 Tage.

Dank dieser Leute, geht es mir gerade so richtig gut.

Ich half Andi mit der Kama, verbrachte aber inzwischen die meiste Zeit mit der wechselnden Crew der Iron Lady, auf der ein Kommen und Gehen war. Timu musste wieder zur Familie und wurde abgelöst vom 74-Jährigen Patrick, ein Freund Marcellos aus Korea. Patrick blieb ein paar Tage, ehe Sunny aus Korea anreiste. Ein kleiner Dämpfer kam, als Christina von Andi gebeten wurde, sich ein paar Tage zu verkrümeln. Mir lag sehr daran, dass sie wusste, dass ich damit nichts zu tun hatte. Ihr ging es schon seit Tagen, ja Wochen, nicht besonders gut, sie wirkte verloren, orientierungslos und irgendwie viel zu „luftig“. Sie hatte tausend Ideen, aber kein Umsetzungsvermögen und wirkte mit jedem Tag hohler und leerer. Als kriegte sie in ihren eigenen Träumen keine Luft. Als Andi sie anstubste in die Socken zu kommen, fühlte sie sich abgestoßen. Am nächsten Morgen schaute ich in ihr graues Gesicht und ihre dunklen Augenhöhlen und wusste, dass ihr was auf dem Herzen lag. Sie erzählte mir, dass sie ein günstiges Rückflugticket nach Deutschland gesehen hatte und sich nichts sehnlicher wünschte, als zum Geburtstag ihrer krebskranken Mutter in drei Tagen zu kommen, aber sich nicht hinreißen könne es zu buchen. Seit Tagen quälte sie sich damit herum. Mit meiner Überzeugungsarbeit buchte sie das Ticket und düste noch am selben Vormittag nach Auckland. Sie wirkte augenblicklich wie befreit, leicht und erlöst. Ich freue mich noch heute, dass ich ihr den letzten Stupser geben konnte.
Wenige Tage später legte ich mit der Iron Lady, Marcello und Sunny ab Richtung Küste. Ich hatte eine Woche übrig und Marcello wollte uns die Hen and Chicken Islands zeigen und mich dann zum Flughafen segeln. (Damit wollte ich die Liste ungewöhnlicher Flughafen-Dropoffs ergänzen. Vor ein paar Jahren wurden mein Koffer und ich zum Flughafen geritten.)
Das Segeln mit Iron Lady war für mich ein neues Abenteuer. Es brachte mich näher an meinen Traum mal selbst ein Boot zu haben und relativ oldschool zu segeln. Nachdem ich Tanja Aebis Buch Im Sturm die Welt erobert gelesen hatte, träumte ich auch davon eines Tages, wie sie, auf einem kleinen Segelboot ganz allein um die Welt zu segeln. Mit dem Sextanten und Windsteueranlage und einer simplen und einfachen Ausstattung. Die Iron Lady war solch ein Boot und ich würde selbst in nur einer Woche eine Menge über mittelloses Segeln lernen. Marcello gehört zu einer kleinen Gruppe alternativer Segler und ist schon auf recht ungewöhnlichen Booten unterwegs gewesen. Und natürlich traue ich einem Piraten viel mehr zu, als so manchem Multimillionär mit Luxusyacht und Instrumenten, die niemand versteht. Ich liebe es zu lernen, wie man ohne Technologie überlebt!

Es ist noch kalt, aber wir gehen Schnorcheln. Marcello geht Harpunieren. Sunny traut sich auch ins Wasser.
Zwei Fische in 10 Minuten, kurz vor den Poor Knights Island.
Die Poor Knights Islands haben steile Hänge. Wir brauchen unsere ganze Ankerkette und ankern nur wenige Meter vor den Felsen. Es ist ein Marine Reservat und man sieht allerlei Fische. Es ist grossartig.

Die Woche mit Marcello und Sunny war wunderbar. Wir segelten zu einsamen Inseln, brachten Sunny das Schnorcheln bei und zeigten ihr wie man das Boot steuert. Sie ist ein Naturtalent und wir wurden sehr schnell enge Freunde, die sich gegenseitig bewunderten. Ich wurde für sie wie eine Art Mentor und Vorbild, dafür, dass man innerhalb kurzer Zeit die Grundlagen des Segelns lernen kann. Auch ist es stärkend immer mehr tolle Frauen kennenzulernen, die segeln. Sie wird definitiv eine davon sein. Auch sie wurde zum Vorbild für mich und ich bewundere diese starke und wunderschöne Frau.

Sunny hat Geburtstag. Wir backen einen Pfannenkuchen. Ich bewundere diese Koreanerin für sehr viele Dinge.

Als weiteres Highlight meiner Zeit mit Marcello, führte er mich kurz vor meiner Abreise in die Welt des „Dumpster Diving“ ein (Tonnentauchen – zu deutsch: Containern) nichtsahnend, dass er damit einen gravierenden Wendepunkt in meinem Leben auslöste. Ich hatte davon schon vor Jahren gehört und immer wieder damit geliebäugelt, doch bisher hatte es immer an fehlendem Mut oder fehlenden Connaisseuren gemangelt. Alle Lebensmittel auf Marcellos Boot stammten aus der Tonne und ich bekam große Augen: Toast, Eier, Butter und Mehl, Chips und Cracker, Süßigkeiten, Basilikum, Nüsse, Chiasamen, Öl….Ich flehte ihn an mich das nächst Mal mitzunehmen. Eines Abends schnappten wir uns das Auto und zogen los. Ein Supermarkt nach dem anderen wurde unter die Lupe genommen und auf Eignung geprüft. Ich hatte bei diesem Mal noch nicht meinen ganzen Mut zusammen genommen und spielte lediglich Chauffeur und Fluchthelfer. Die Jungs kamen mit einer Kühltruhe voll Essen und anderen Fundsachen zurück. Paprika, Zucchini, Tomaten, Pilze, Bananen, etwa 70 Angelhaken, 4 Sofakissen, Kosmerikartikeln… Unglaublich was die Läden wegwerfen. Selbst Dinge ohne Haltbarkeitsdatum!!!

Auf dem Warnschild steht:

bitte nicht in der Tonne spielen oder wohnen. Dass ich nicht lache. Nur in Neuseeland sieht man sowas.

Es stellt uns vor ein Dilemma: Als Umwelthippies und Ökofutzis wäre es uns am liebsten die Tonnen wären leer. Das würde bedeuten, dass kaum Waren vergeudet würden und sinnvoll mit den Ressourcen umgegangen wird. Sei es, indem Überfluss gar nicht erst entsteht, weil gut gewirtschaftet wird, oder weil sinnvoll gespendet wird. Aber als Schatzsucher und Vagabunden macht unser Herz jedes Mal einen Sprung, wenn wir Lebensmittel oder andere Dinge finden, die noch gut sind und die uns nix kosten. Die Tonnen eröffnen uns dabei ein Produktspektrum, das wir unter anderen Umständen gar nicht bezahlen könnten. Ich habe seit ich „tauchen“ gehe, mehr gesunde Lebensmittel auf dem Tisch als vorher. (zugegebenermaßen auch mehr von den Ungesunden 😉

Am 10. November brachte mich Andi zum Flughafen und setzte mich in den Flieger nach Melbourne. Doch nicht zum Flughafen gesegelt, hehe. Eine neue Ära stand bevor. Ich hatte mir vor einigen Monaten mehrfach gesagt, Neuseeland seid damit endgültig vorbei…Jetzt auf einmal war ich mir da nicht mehr so sicher. Es zeigt einmal mehr, dass es mehr auf die Menschen ankommt, als auf alles andere.
Zugleich blickte ich sehr neugierig und gespannt auf meine neuen Abenteuer.

2 Gedanken zu „Schon wieder die Weiße Wolke“

  1. Yeah, großartige Gitarrespielerin!! Absolutely! 🙂 Ich denk oft an Dich, v.a. jetzt im Herbst, wenn ich die wundervolle Jacke von Dir aus Peru wieder anziehe. Sei geknutscht!!

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