Was bisher geschah

Tja, wie euch unschwer aufgefallen ist, komme ich nicht so recht zum bloggen. Da erhielt ich den genialen Vorschlag doch einen „kurzen“ Überblick zu verschaffen über alles, was bisher geschah und dann dort weiter zu machen, wo ich jetzt bin. Ha, ihr werdet staunen. Und für mich ist es die Herausforderung ein halbes Jahr kurz zu fassen.

Samoa, Fiji, Tonga, Neuseeland. Ja, ihr habt richtig gelesen… Reisen mit dem Wind auf dem größten Ozean unseres Planeten. Fast 3000 Seemeilen habe ich hinter mich gebracht. Zu Ufern jenseits meiner inneren Landkarte, von denen ich bisher gar nicht wusste, wo sie liegen. Und dann umgekehrter Kulturschock bei Ankunft in Neuseeland. Da ist ja alles noch viel strukturierter als in Deutschland!

In Samoa verabschiedete ich mich von der Manihiki und richtete meinen Blick nach Tonga, zu einem neuen Boot und einem unbekannten Kapitän, an den mich der gute Franzi aus Papeete vermittelt hatte. Ich war sehr gespannt.

Mein Weg nach Tonga, wo ich Andi treffen würde, brachte mich für zwei Tage nach Fiji. Wie konnte dieses Inselparadies kulturell so anders sein als die bisherigen Südseeinseln? Es war vielmehr ein Ableger Indiens (aus britischer Kolonialzeit) vermengt mit der negroiden Urbevölkerung, den Melanesiern, die ein wenig aussehen wie Leute aus Papua Neuginea oder Aborigines. Für mich war es auf skurrile Weise wie ein Traum zwischen zwei polynesischen Ufern, den man nach dem Erwachen nachsehnt.

Das Königreich Tonga empfing mich mit einer spontanen Übernachtung bei einer tongischen Familie. Ame und ihre Familie gaben mir eine Fahrt vom Flughafen in die Hauptstadt, Nukualofa. Ich wollte irgendwo zelten und endete mit Ame und ihren zwei kleinen Kindern in ihrem King-size Bett, das sie nicht längs, sondern quer belegten. Warum hatte ich das noch nie gemacht?! Das Haus teilten sich Ames verheirateten Geschwister mit ihren Kindern. Jede Familie ein Schlafzimmer. In der Bude nebenan schliefen die unverheirateten Brüder. Es war eine Wellblechhütte und würde unsereins meist abschrecken, doch ich werde die Gastfreundschaft dieser Leute immer in meinem Herzen tragen, so gut haben sie mich aufgenommen. Hier war ich „Papalangi“ und erst jetzt klickte es bei mir, dass eines meiner Lieblingsbücher, von den Reden eines Südseehäuptlings, hier spielte.

Bei Ame im Hof
Kava Zeremonie in Tonga

Beim Treffen mit Andi, passte alles sofort wie Arsch auf Eimer. Die Kama, auch genannt „die Dicke“ fühlte sich schnell an wie ein Zuhause. Zwei Wochen später und etliche Pullen „Kotza“ Rum später sichteten wir „Das Land der großen weißen Wolke“, Aotearoa. Neuseeland, der südöstlichste Zipfel der „polynesischen Krake“.

Im Hintergrund mein neues Boot. Scherz.

Wir segeln von Tonga nach Neuseeland und halten zwischendurch zwischendur auf dem Minervariff
In Neuseeland kommt die Dicke an Land.

Weihnachten und Silvester verbrachte ich in einem Bootsdorf in Neuseeland, nun ohne Andi, der sich nach Deutschland verpfatzt hatte. Ich fand neue Freunde und die ersten Jobs. Januar war Geldverdienzeit, ich war glücklich pleite; und stolze Bootsitterin der KAMA.

Die Abende auf der Werft sind sehr gesellig und feucht fröhlich, nicht selten wird mit allem musiziert, was zur Verfügung steht.

Neues Jahr, neue Frisur. Ich hab mich endlich getraut!

Kevin zeigt mir, was man beim Schweißen an Booten anders macht als sonst.

Mitte Februar dann endlich wieder Freiheit. Man tut sich ja doch schwer Knecht zu sein. Da reichen fünf Wochen auch schon wieder 😉

Es folgte ein Roadtrip mit meinen neuen Freunden zu einem seltsamen „Regenbogen Gathering“ mit Neuzeit -Hippies, die mir meine inneren Monster vor Augen führten, als vor jeder Mahlzeit erstmal ’ne Dreiviertelstunde händchenhaltend und zum Teil nackt die dämlichsten Kinderlieder gesungen werden mussten, um dann einen winzigen Klacks veganen Breis auf den Teller gegossen zu bekommen. Diese Hippies nehmen keine Drogen und trinken keinen Alkohol.

Wenn man nicht arbeitet, lebt man nicht schlecht 😉

Ende Februar endlich der Moment, wo ich das Land ein wenig erkunden kann; mit meiner Mutter und Thomas (Sie werden erstmal mit 400 Neuseelanddollar dafür bestraft, dass noch ein Apfel im Gepäck ist) fahren wir mit einem Wohnmobil von der Nordinsel zur Südinsel und teilen drei Wochen lang Campingplätze mit den zahlreichen anderen Campern oder die wilden Plätze mit den Sandfliegen. Manchmal mit beiden. Klapptisch und Klappstuhl raus, dämliche Hüte aufgesetzt und überaus interessiert die Nachbarschaft inspiziert und gelästert. Peinlich. Ich wollte als Kind immer mit einem Wohnwagen in den Urlaub, was meine Eltern stets wegen dieser „dämlichen Wohnwagenkultur“ ablehnten – nun waren wir selbst Teil davon. Und wie fand ich es? Naja, teilweise dämlich 😉

Aber ganz nebenbei fuhren wir durch nasse Urwälder, bestiegen Vulkane, hatten kilometerlange Strände (inkl. seelöwen!) ganz für uns und machten, wenn es mal nicht regnete schöne Tageswanderungen. Ich war stolz auf meine Ma, dass sie Thomas‘ und meine teils ausschweifenden Wandersgelüste mitgemacht hat und das ein oder andere Mal ihre Komfortzone überwand und sich der lohnenden Ziele dann zufrieden erwartet miterfreute. Noch nie waren wir so lange miteinander verreist und es waren schöne Momente. Danke dafür! 🙂

Neuseeland ist ein wunderschönes Land, wären da nur weniger Menschen! Meine drei Monate in Neuseeland brachten insgesamt Ernüchterung in meine Prä-Ankunfts-Träumerei, dass dies ein Land sein würde, in dem ich hängen bleibe könnte, einen heißen Maori -Rugbyplayer mit Farm kennenlernen würde und mir mein Lehmhaus mit Werkstatt bauen würde. Pfff…..
Ich hatte weder besonders viele Maori gesehen, geschweige denn Maori -Freundschaften geschlossen, gutaussehende und überhaupt Rugbyspieler hatte ich nur auf Samoa und Tonga persönlich kennen gelernt, und auf eine Farm habe ich es auch nicht gebracht. Stattdessen lernte ich Jordy, einen Holländer kennen, verbrachte meine Zeit auf Werften, schliff und schabte in Vollmontur an giftigen Farbanstrichen, schweißte aus Stahlbooten Schweizerkäse-Boote und ärgerte mich mit völlig übertriebenen Sicherheitsvorschriften herum. Wer denkt in Deutschland könne man vor lauter Regularien gar nicht mehr handeln, sollte nicht nach Neuseeland. Doch gleichzeitig bekam ich von verschiedenen Seiten Anerkennung für meine Arbeit und sogar Jobangebote in der ganzen Welt. Karibik, Alaska, Maine USA, Neuseeland….Ich hatte die Qual der Wahl! Am Ende entschied ich mich für Alaska mit Jordy.

Eindrücke von Neuseeland

Aber zuerst trat ich einen Heimatbesuch an – entgegen meiner ursprünglichen Behauptungen Deutschland nicht innerhalb von zwei Jahren zu betreten. Ich wollte meine Großeltern besuchen und kam daher für vier Wochen außerplanmäßig nach Deutschland und wurde in vielerlei Hinsicht überrascht. Wie würde es meinen Großeltern gehen, wie würde das Wiedersehen mit Freunden und Familie sein? Ich war auch sehr nervös meine Walz im Traditionsland der Wanderschaft durchzuziehen, hatte Bammel vor Begegnungen mit zünftigen Tippelbrüdern und Konfrontationen, war skeptisch ob das Trampen in Deutschland Erfolg haben würde und wie man mich behandeln würde, wenn man mich in Kluft sah. Was würden Handwerker von mir halten, wenn sie merkten, dass ich unzunftig unterwegs bin?
Deutschland empfing mich mit Nebel und Regen. Schon bei der Fahrt in die Stadt fielen mir erste Dinge auf. Wie still die Menschen waren! Jeder in seiner eigenen Seifenblase, Musik hörend, chattend, man sah sich gar nicht die Menschen um sich herum an. Der Fahrer war unfreundlich, die Ausschilderungen ein Labyrinth, für Ausländer noch viel mehr als für mich. Imbisse aus aller Welt und kleine türkische Supermärkte, das hatte ich sehr vermisst! Das bunte multikulturelle Leben auf den Straßen und die Stille!

Am nächsten Morgen traute ich mich das Trampen in Deutschland zu beginnen. Ich wurde dermaßen belohnt. In nur vier Stunden schaffte ich es mit vier Fahrern von Frankfurt in dem Harz zu meinen wartenden Großeltern. Das hätte ich nie gedacht! Ich musste nie länger als 10-15 min warten und die Bekanntschaften erfüllten mich mit Wonne. Manchmal denke ich wohl zu schlecht von den Deutschen. Seit diesem Tag legte ich alle meine Strecken in Deutschland per Anhalter zurück. Es wird zu einer Art Sucht! Wie kann man je wieder Geld für teure Verkehrsmittel ausgeben, wenn das Trampen einem so viel gibt? Neue Menschen, interessante Gespräche, Einblicke in die Geschichten anderer Menschen und dann sogar so viel Schnelligkeit auf dem Weg von A nach B.

Das Wiedersehen mit der Familie tat gut. Meine Großeltern beeindrucken mich immer wieder mit ihrer Kraft und Disziplin, durch die sie sich bis ins hohe Alter geistig und körperlich fit halten. Ihr Gedächtnis ist besser als meines! Die Besuche bei Familie und Freunden aus alten Zeiten führen auch immer zu einer Reflektion über das Selbst und so vergingen die Wochen im Flug. Vier Wochen waren kürzer, als sie klingen, weshalb es leider unmöglich war, alle Leute zu sehen, die man gerne sehen würde. (Entschuldigung!) Aber der ungeplante Besuch nach Deutschland hat sich dennoch gelohnt. Es war schöner, als ich erwartet hatte „durch mein altes Leben“ zu reisen und so manches zu tun, was ich noch nie getan hatte. Meistens kam man irgendwo an und nichts hatte sich verändert, es war so, als ob man gestern erst weggegangen sei. Lediglich die Fernseher, Computer, Autos und Staubsauger hatten sich verändert. Und ich. Soll man darüber lachen oder weinen?

Das Wiedersehen mit Freunden und Familie wärmt das Herz.

Zu guter Letzt musste ich mir ein Visum für Alaska besorgen. Ich hatte in Neuseeland Jordy kennengelernt, der ebenfalls auf einem Segelboot lebte und sein Boot von Holland nach Neuseeland gesegelt hatte. In seinen anderthalb Jahren, die er nun bereits in Neuseeland war, hatte er viele Menschen kennengelernt unter anderem Larry aus Alaska. Larry hatte Jordy gefragt, ob er Lust hätte mit ihm in Alaska zu navigieren. Er hatte zugesagt. Als Jordy und ich uns kennen lernten, fragte er mich, ob mich Alaska auch interessieren würde und ich mit wollte. Alaska hatte schon zu Beginn meiner Walz auf meiner inneren Liste gestanden und Jordys Frage machte mich neugierig. Erst als ich auch Larry kennenlernte, sagte ich zu. Und nun brauchten wir ein Visum und trafen uns in Frankfurt.
Jordy fand es sehr praktisch die Nacht so nah wie möglich am Konsulat zu verbringen und kam mit einem gemütlich ausgestattetem Auto seiner Eltern, dass er trotz meines Protestes direkt gegenüber der Botschaft parkte. Ich wusste genug über Botschaften, um zu wissen, dass sie es nicht gerne sehen, wenn jemand ein Auto mit abgedunkelten Scheiben direkt vor der Tür abstellt, geschweige denn darin zu pennen. Und die Amerikaner noch viel mehr! Dann auch noch ein ausländisches Kennzeichen! Hihi….
Doch die Polizei kam erst um 8 Uhr morgens. Sie ließen uns ausschlafen. Ich bin mir sicher, dass sie uns schon viel früher auf dem Schirm hatten. Vielleicht waren wir eindeutig ungefährlich, als sie sahen, dass wir gemütlich im Kofferraum saßen, mit offener Heckklappe, und aus echten Weingläsern Rotwein tranken. Doch in der Früh kamen sie und klopften an die Türen. Nachdem wir uns umständlich aus dem Kofferraum geschält hatten, sie unsere Pässe kontrolliert hatten, ließen sie uns zu unserem Interview bei der Botschaft gehen, wo wir unser Visum genehmigt bekamen. Uff. Haha.

Die Wandersgesellin und die (zukünftige Wanders-) Gesellin. Bianca ist Steinmetz und das erste Mal außerhalb von Europa.

Eine Woche später flog ich mit Bianca, meiner Steinmetz -Freundin aus der Handwerkskammer, zurück nach Neuseeland. Wir machten einen „Zwischenstopp“ zur Verbotenen Stadt in Peking und staunten über China. Erst mussten wir wieder und wieder in Schlangen stehen und warten bis wir den Flughafen verlassen durften. Mich überraschte wie westlich das Stadtbild ist. So viel Grün! Nicht so viele Autos, kein hektisches Durcheinander. Nein, alles ganz gesittet.

Es war warm, fast 30 Grad und ich war positiv überrascht, dass nicht wie in anderen heißen Ländern, alles mit Air-condition auf Minusgrade abgekühlt wird. Es wird gar nicht gekühlt! Super, keine Umweltsünden! ^^ Ja, da fällt mir auch auf, dass der Verkehr viel zu leise ist. Weil so viele Autos Elektroautos sind! Da sind die Chinesen wesentlich weiter als wir. Find ich topp.

Es sind kaum westliche Touristen unterwegs und unbelästigt erklimmen wir einen Aussichtspavillon. Der Ausblick ist fantastisch – ebenso der Duft nach Jasmin. Eine Riksha bringt uns noch zum Platz des Himmlischen Friedens.

Die Verbotene Stadt

In Neuseeland trafen wir uns wieder mit Jordy und ein paar Tage später mit zwei weiteren Freunden aus Weimar, die beschlossen hatten mich zu besuchen. WOW, ich hab tolle Kumpels! Wir hatten gut zwei Wochen, um gemeinsam zu reisen, ehe Jordy und ich nach Alaska fliegen würden. Wieder war ich auf der Südinsel, doch anders als beim ersten Besuch mit meiner Mutter, war nun Nebensaison und wesentlich weniger los. Endlich hatte ich das Gefühl Neuseeland so zu erleben, wie ich es mir vorher ausgemalt hatte. Schon beim ersten Mal war Neuseeland landschaftlich sehr schön gewesen. Doch Patagonien und die Leere der Ozeane hatten mich verwöhnt. Neuseeland war mir zu zivilisiert und touristisch – und zu viele Regeln und Vorschriften. Schlimmer als bei uns!!! Doch diesmal war es ruhiger und menschenleerer und wir hatten wunderbare Tage in den Bergen und machten neben wundervollen Tageswanderungen auch eine großartige Mehrtageswanderung.

Ruhigen Gewissens konnte ich das Kapitel Neuseeland nun schließen.

Alaska, ich komme.

Südinsel zweiter Versuch. Ich nenne es mal Versöhnung…

Ich möchte noch kurz all denen danken, die mir auf dem ersten Jahr meiner Walz (5. Dezember!!!) über den Weg gelaufen sind und ihn mitgestaltet haben. Manche haben Namen, andere nicht. Aber die Erinnerung an sie verbleibt und sie machen diese Reise zu dem was sie ist: und sie macht mich glücklich.
Anfang Januar sank mein Handy in den Pazifik und mit ihm einige Nummern und Fotos, von jenen Menschen, die ein STÜCK DAVON geworden sind. Ich wünsche mir zu Weihnachten ein neues Gehirn, das so gut ist wie das meiner Großeltern, damit ich mich auch ohne Fotos noch in 60 Jahren an diese Menschen erinnern kann.

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