Tapati Tag 11-13 Mo- Mi

Ihr lieben Mitfiebernden, es ist wirklich ein auf und ab der Gefühle. Was wir an Punkten des Nachts verlieren, holen wir tagsüber wieder auf, was dazu führt, dass wir zwar gefühlt immer einen Schritt hinterher sind, aber im Grunde gar nicht so weit hinter den Weißen. Es hat sich sogar ein Spruch unter uns etabliert, der besagt: Nachts verlieren wir, tagsüber gewinnen wir! Er nährt die Hoffnung am alles entscheidenden Tag doch noch zu gewinnen, denn der große Umzug findet tagsüber statt und könnte das Blatt noch wenden.
Das Haka Pei haben alle lebend und ohne Unfälle überlebt, weshalb alle Zuschauer den Wettkampf als langweilig empfunden haben, was wieder einmal zeigt, wie sensationsgeil der Zuschauer ist, wenn seine Motivation darin besteht das Unglück der anderen zu beobachten. Hmpf.

Am Abend tanzten die Kinder zum zweiten Mal und erzielten, wie wir uns aus strategischen Gründen schon ausgemalt hatten, einen Gleichstand. Wir hatten aufgrund der Ereignisse der Hokonacht damit gerechnet, dass die Jury uns die erste Nachrunde gewinnen lässt, oder einen Gleichstand vergibt, um die Gemüter zu beruhigen, um dann bei den letzten beiden Gruppen wieder zuzuschlagen und uns verlieren zu lassen. Genau so ist es eingetreten. Die Tänze wurden von einem Mundharmonika- Wettbewerb gefolgt. Je drei Musiker hatten einen Auftritt und wir waren stolz darauf, dass einer davon unsere Kandidatin höchstpersönlich war, die auch volle Punktzahl absahnte und damit erreichte, dass wir 116:115 gewannen. Knappes Ding! unerwarteter Weise gewannen wir auch den letzten Wettbewerb des Abends, die Modeschau der Trachten, diesmal aus Mahute und Muscheln.
Zunächst Mahute; erst erschienen Tiare und Petero. Tiare ist das geborene Model und sie sahen beide wundervoll aus. Es folgte wieder die Beantwortung einer Frage zur Verarbeitung der natürlichen Materialien, die für die Trachten benutzt werden. Falls ich den Prozess noch nicht erläutert hab, hier die Zusammenfassung. Mahute wird aus der Rinde des Makoi Baumes gewonnen. Zunächst muss der Stamm vorsichtig aufgeschnitten werden und auf einem Stein oder Holzstumpf ausgebreitet werden. Mit einem Holzklöppel und viel Wasser wird so lange auf die Rinde geschlagen, dass sie weich und biegsam wird. Nach dem Trocknen kann sie weiter verarbeitet werden.

Tiare und Petero erhielten für ihr Interview volle Punktzahl, für Ihren Auftritt wurden  Tiare zwei Punkte abgezogen.

Tahira und Fer betraten die Bühne. Sie sahen ebenfalls fantastisch aus, wirken aber nicht so „heimisch“  in dieser Rubrik. Dennoch erhielten sie beide volle Punktzahl, was unserem neuen Motto der nächtlichen Pleiten widerspricht. Beim Interview wurde Fer ein Punkt abgezogen. Zuletzt die Kostüme aus Muscheln.

Tiare und Petero im Mahute-Kostüm
Tahira und Fer im Mahute-Kostüm

Tiare und Petero waren wieder dran und obgleich sie sehr aufwendige Trachten trugen, fiel mir als Laie auf, dass Tiares Tracht bis auf die verwendeten Materialien, wenig kreativ und „historisierend“ war. Dass die Kostüme sowieso nie in dieser Art getragen wurden, ist eh klar, es sind definitiv moderne Interpretationen, aber ihr Kleid hätte unter gar keinen Umständen damals Verwendung gefunden. Es war ein langes Abendkleid, dass von oben bis unten mit Abertausenden kleinen weißen und beigen Muscheln beklebt war, die einen Kraken darstellten, dass der Grundstoff derart fest und unbeweglich würde, dass die arme Tiare nur in winzigen Tippelschritten über die Bühne laufen konnte und sich nicht in ihrer gewohnten Grazie bewegen konnte. Bis auf den Aufwand hatte dieses Kleid nichts zu bieten und offenbar war die Jury gleicher Meinung und zogen ihr 6 Punkte ab, wieder der Gegenbeweis zu unserem Motto, oder aber wieder reine Strategie?

Tiares Krakenkleid

Montag, Tag 11

Vormittags fand ein weiterer Wettkampf außer Konkurrenz statt, das Harpunenfischen. Es wurde in Gruppen getaucht und Carlos, der in Felipes Tauchschule mitarbeitet, hat mit seinem Team den zweiten Platz belegt. Die ersten drei Plätze bringen zwar den Kandidaten nix, dafür aber den Fischern ein sattes Preisgeld.

Parallel fand vor Meras Haus, wo auch der Hoko neulich aufgeführt wurde, ein weiterer kunsthandwerklicher Wettkampf statt, diesmal das Schnitzen von Moai und Paoa,  Anfertigung von Blumenketten und dem Zweikampf der Kandidatinnen im Tingitingi Mahute, jenem Herstellungsprozess, den ich erklärt habe. Da es ein Tageswettkampf war, haben Tahiras Leute gewonnen 🙂

Generalprobe

Am späten Nachmittag hatten wir unsere einzige und letzte Tanzprobe vor dem zweiten Auftritt, und sie war ehrlich gesagt zum Mäusemelken. Ich habe wenig Verständnis dafür, dass unsere Erwachsenengruppe weniger zuverlässig und aufmerksam ist als die Kinder- und Jugendgruppe. Die beinah 180 Frauen sind extrem nervig und anstrengend und bringen mich an meine Geduldsgrenze. Leider sind zu allen drei Probeterminen, die wir seit dem ersten Auftritt hatten, nicht viele Damen gekommen, weshalb wir auch nicht geprobt haben. Bei unserer Generalprobe waren auch nur 2/3 der Ladies anwesend, was dazu führte, dass jede von uns nach den Formationswechseln an einer andere Position tanzte als gewohnt, was für einige, auch für mich, eine Herausforderung darstellte. Hinzu kamen unklare Anweisungen von Tio Lynn. Wir probten, bis es einigermaßen saß, aber ich ging mit einem unguten Gefühl nach Hause. Ich sah bereits kommen,  dass manche Damen dann doch zum Auftritt auftauchen würden, ohne die Änderungen auch nur einmal geprobt zu haben.

Kurz vor unserem zweiten Auftritt 

Es kam wie befürchtet und ich habe doch tatsächlich meine Geduld verloren und mich von einer Seite gezeigt, die ich selbst kaum von mir kenne: ich habe mich so richtig mit einer Nachbarin gefetzt und hätte ihr am liebsten eine verpasst. Seit Wochen hieß es, dass leere Plätze in der Formation von den hinteren Reihen aufgefüllt werden müssten. Als wir uns hinter der Bühne aufstellten, fehlten rechts vor mir zwei Mädels, die von meinen beiden Nachbarinnen ersetzt wurden. Doch die Damen in der Reihe hinter mir weigerten sich, ohne die Gründe zu nennen, die nun freien Plätze rechts neben mir einzunehmen. Es waren nur noch wenige Minuten bis zum Auftritt und die eine Frau insbesondere stellte sich dermaßen stur, dass ich wirklich aggressiv wurde, weil mich ihr Egoismus ankotzte. Ihr Weigerung würde dazu führen, dass ein Loch in der Mitte entstehen würde und ein Teil der Reihe ihre Choreographie nicht richtig würde tanzen können. Ich argumentierte, dass sie doch bitte aufrücken solle, wie besprochen, und dass sie sonst viel mehr Leuten schaden würde. Ich glaube am meisten störte mich, dass sie keine Argumente hatte. Sie sagte sie werde unter keinen Umständen aufrücken, sah mich beim Reden nicht einmal an und sagte lediglich, dass ich doch endlich das Maul halten solle. Es hatten inzwischen mehr Leute angefangen auf sie einzureden und ihr Verhalten war einfach aberwitzig. Sie weigerte sich selbst noch, als wir im Dunkeln bereits Reihe für Reihe auf die Bühne marschierten und unsere Positionen einnahmen und ich kochte vor Wut, als die Reihen hinter uns aufgrund dieser Sache plötzlich völlig verwirrt waren und sich durcheinander aufstellten. Selbst im Dunkeln versuchten wir zu Mehreren Ordnung in das Chaos zu bringen, aber die blöde Kuh stellte sich stur, obwohl sie inzwischen völlig daneben, weder in einer horizontalen noch vertikalen Reihe, stand. Als das Licht anging, herrschte also im hinteren Abschnitt alles andere als Ordnung und zwei Damen von sonstwo sprangen ein, um die leeren Plätze aufzufüllen. Doch als die ersten Formationswechsel eintraten, war alles so dermaßen durcheinander, weil keiner mehr wusste, ob er nun dies oder jenes tanzen sollte und alles wegen dieser verdammten Trulla. Ich könnt immernoch kotzen. Ich vertanzte mich selbst mindestens 2x, weil ich mich noch so ärgerte. Insgesamt war ich einfach enttäuscht, dass vielen der anderen das Verantwortungsbewusstsein fehlte, den zweiten Tanz noch besser zu machen, als den ersten. Viele der Frauen haben nur mitgemacht, um eine Tracht zu bekommen, sind nie zu Tahiras Basis gegangen, um bei den Vorbereitungen zu helfen und genau denen ist es auch egal, ob wir wenig oder viele Punkte bekommen, sie denken nur an sich und merken nicht, wie sehr sie damit Tahira und denjenigen schaden, für die das alles kein Spaß ist, sondern Ernst. Ich war froh als wir fertig waren, denn ich konnte es kaum noch ertragen und zog mich direkt um, um die Weißen tanzen zu sehen, die diesmal als zweites dran waren. Ihre Aufführung kam mir perfekt vor und sehr gelungen und als die Bewertung erfolgte, war ich mehr als irritiert, als die anderen plötzlich verloren. Was bringt die Jury, wenn sie die festgelegten Kriterien jedes Mal nach anderen Maßstäben bewertet? Ich konnte die Pfiffe der Weißen im Publikum gut verstehen, andererseits empfinde ich es als ausgleichende Gerechtigkeit. Beim ersten Auftritt haben wir so gut getanzt und verloren, diesmal haben wir gewonnen, jetzt sind wir quitt. Dennoch hat Weiß nun auch den Erwachsenentanz als Ganzes gewonnen, die Differenz war nicht mehr wett zu machen. Es bleibt uns nur noch der Jugendtanz, wenn wir den auch verlieren liegen wir 6000 Punkte hinterher.

Ein Foto mit Tänzerinnen „der anderen Seite“, neben mir Mahina 😉

Foto: Leyla Guerrero Retamal

Dienstag, Tag 11
Den gastronomischen Wettbewerb am Vormittag habe ich verpasst, weil ich seit heute ein Haus streichen geh. Dieser Job kam mir wie gerufen, um kurz vor Abreise noch ein wenig Geld zu verdienen, denn mein bereits verdientes Geld ist bald weg.

Am Abend fanden drei Wettbewerbe statt, die ich nur halbherzig verfolgte, weil sie mich schnell langweilten: Akkordeon, unbekannte Lieder und zweiter Tanzauftritt der Jugend. Je fünf Musiker traten pro Team auf und es war bereits nach Mitternacht, als die Tänze starten sollten. Ich ging aber heim und sparte mir die absehbare Niederlage. Am nächsten Morgen erfuhr ich, dass unsere Gruppe richtig gut getanzt hatte, es aber nicht gereicht hatte. Dafür hatten wir Akkordeon und die Lieder gewonnen.Wir ihr seht, ging es immer hin und her mit den Punkten, wir waren immer dicht beieinander und es es lässt sich inzwischen absehen, dass in der Tat der Umzug am Donnerstag alles entscheiden wird. Seit Nächten arbeiten Tahiras Helfer an zusätzlichen Trachten für Leute, die am Umzug teilnehmen wollen. Jeder der möchte kann mitlaufen und hat in diesen Tagen Zeit, bei Tahira ein eigenes Kostüm zu basteln und auch diejenigen die bereits eins haben sind aufgefordert zu helfen.

Mittwoch, Tag 13

Heute waren noch einmal wichtige Wettkämpfe mit vielen Punkten dran. Schwimmen. Duathlon und Speerwurf. Weil ich ja arbeite und ein Haus streiche, habe ich die Wettkämpfe nicht in voller Länge mitbekommen, den Duathlon habe ich ganz verpasst.

Zum Schwimmen versammelten sich alle an der Hauptpromenade; auch eine Bekannte von mir, die ich über Mahina, die Architektin, kennen gelernt habe, ist angetreten. Zunächst die Herren, dann die Damen, dann die Jugend inkl. Aitos und zum Schluss die Kandidatinnen. Mehrfach wurde der Ablauf über Mikrofon durchgesagt: im Wasser an der weißen Boje in einer Reihe aufstellen, bis zur gelben Boje schwimmen, diese umschwimmen, zurück, und zwischen der weißen Boje und den Zuschauern die Ziellinie überqueren. Zu keinem Zeitpunkt darf man sich hinstellen (das Wasser ist auf die letzten Meter nicht tief) und mit den Beinen abdrücken und wer die Bojen auf den falschen Seiten kreuzt, wird disqualifiziert.

Dennoch gab es ein paar Spezialisten, die es spannend gemacht haben, indem sie auf der Zielgeraden völlig die Orientierung verloren und die Ziellinie drohten zu verpassen. Ein paar andere kennen die Strömungen der Strecke nicht und bewegten sich auf der Stelle und brauchten doppelt so lang wie die anderen, ich habe richtig mitgelitten.
Jeder Schwimmer hatte ein rotes oder weißes Bändchen an Bein oder Arm, aber es war mir unmöglich mitzuverfolgen wer welchen Platz belegt. Am spannendsten waren die Rennen der Damen und der Kandidatinnen. Eine Dame führte mit einem riesigen Abstand, aber sie schwamm in die falsche Richtung. Die Zuschauer versuchten lautstark ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen, aber sie hörte es nicht. Und obwohl sie 1-2 Mal das Gesicht hob, um zu schauen, schwamm sie mit mindestens 25m an der Ziellinie vorbei. Als ihr das bewusst wurde, war sie bereits beinahe am Ufer, sie drehte um, gab Gas und erreichte dennoch als Dritte das Ziel, ob es gezählt wurde, oder nicht, weiß ich nicht. Aber ihr könnt euch vorstellen, wie das Publikum mitgefiebert hat. Die Bekannte,  die für Weiß antrat kam als letzte an und quälte sich bis zum Schluss, weil sie die Strömungen ungünstig erwischt hatte und sich teilweise nicht vom Fleck bewegte. Sie wurde immer langsamer und kraftloser und ich litt richtig mit. Auch Tahira und Tiare hatten ein spannendes Rennen, weil sie bis zu 3/4 der Strecke direkt nebeneinander waren. Auf die letzten Meter verließen Tahira die Kräfte und Tiare gewann mit etwa 5m Vorsprung.

Bei den Aitos gewann Fer, was niemand erwartet hatte, weil er nicht so eine Wasserratte, wie Petero ist.

Der Duathlon ging ohne mich von statten. Er bestand soweit ich weiß aus Rudern auf einem Schilfboot und ebenfalls Schwimmen.

Ein Totora-Boot für den Duathlon

Speerwurf:

Beim Speerwurf mussten die Sportler und die Kandidaten einen von drei Bananenstämmen treffen. Die Speere sind aus Bambus oder anderen lokalen Hölzern und haben eine Spitze aus Obsidian. Wer nur trifft und eine Marke hinterlässt bekommt 5 Punkte, wessen Speer stecken bleibt 10. Die wenigsten haben überhaupt getroffen…Meiner Meinung nach sollte es mehr Punkte geben, wenn ein Speer stecken bleibt, sonst lohnt es sich ja gar nicht sich Mühe zu geben. Jeder hat zwei Versuchs á drei Speere.

Wie alles ausging, kann ich nicht genau sagen. Ich weiß nur, dass wir nun insgesamt eine Punktdifferenz von 4950 Punkten haben. Am Abend gab es die zweite Versammlung der Kommission mit den Obfrauen, um den aktuellen Stand bekannt zu geben. Diese Zahl sagt Folgendes aus: wir sind richtig eng beieinander! Das ist so gut wie nix!!! Jeder Wettkampf bringt Tausende Punkte und diese Differenz ist gar nicht so groß, wie sie klingt. Tahiras Leute haben hart gekämpft und bei vielen Wettkämpfen, die weniger Zuschauer anziehen, gewonnen – vor allem bei denen ohne Juroren. Über die Juroren höre ich überall nur Schlechtes, selbst von Leuten die keine Partei bevorzugen. Es fällt auf, dass viele der Juroren vom Pakarati Clan sind, also genau wie Tiare und Petero. Die Leute fragen also: wie sollen die dann auch verlieren?
Durch die verlorenen Tänze, hatten wir einen Rücksprung von 6000 Punkten, dann der Hoko, der Vulkan und einige andere. Aber jetzt haben wir nur knapp 5000 Punkte Abstand, was bedeutet, dass in der Tat alles vom Umzug abhängt. Seit Tagen mobilisieren wir so viele Leute wie möglich für Tahira. Die Werkstatt ist ein Trümmerfeld, weil immernoch Trachten gebastelt werden. Kisi und die Küchencrew schlafen sogar dort in zwei Zelten. Wer kann, soll Materialien spenden oder seine Sachen selber besorgen und vor allem Leute an Bord ziehen! Einige sagen, dass viele die Seiten wechseln wollen, die vorher für Weiß waren, weil sie mitbekommen haben, wie ungerecht es war. Ich habe ehrlich gesagt dennoch wenig Hoffnung. Schließlich laufen auf beiden Seiten viele Leute mit. Und abgesehen von den Personen, werden auch die Schmuckwagen bewertet, von Juroren, und Tiares Großvater ist eine Legende unter den Bildhauern. Ich gehe davon aus, dass er ihre Wagen macht, dann wirds schwer….

Aber: wir gewinnen ja bei Tag! Oooheeeeho!

​Tag 6, 7, 9 und 10

Tahira und ihre Opponenten

Ich habe das Gefühl, die Zeit vergeht nicht immer gleich schnell. Inzwischen fällt es mir schwer, euch täglich auf dem Laufenden zu halten, denn die Tage vergehen immer schneller. Wie in einem Strudel, wo das Wasser am Rand noch langsam fließt, inzwischen bin ich in der Mitte und werde bald in die Tiefe gezogen. Diejenigen, die tiefer im Tapati stecken als ich, fühlen das ja noch mehr. Sie schlafen kaum noch, wissen nicht mehr wo ihr Zuhause ist, kämpfen von einem Tag zum nächsten. Am Donnerstag ist der große Umzug, die Farandula. Das ist der Tag an dem wir alle in den Strudel gezogen werden.

Tag 6+7

Diese Tage wollte ich euch ja nachreichen.

Mittwoch: Vormittags fanden drei Meereswettkämpfe statt. Das traditionelle Angeln, vom Ufer aus ohne Rute, nur mit Schnur und Köder, Harpune und Moränenfang für die Kinder.

Ich habe die Wettkämpfe nicht gesehen, bin stattdessen mit Felipe, Meras Mann und seiner Tauchtruppe mit dem Boot rausgefahren und bin ein wenig schwimmen gegangen. Das hat auch Spaß gemacht und ich habe ein wenig Farbe bekommen. In den letzten Wochen habe ich mich nur partiell gebräunt, was dazu führte dass ich eine ziemlich witzige Erscheinung war. Meine Beine sind bis zu der Mitte der Oberschenkel braun, aber nur vorne, und mein Oberkörper ist nur ab dem Dekolleté braun und man sieht auch die Ärmel 😛

Diese morgendlichen Disziplinen werden alle nach Gewicht entschieden und Tahiras Leute haben gewonnen.

Am Nachmittag fanden parallel zwei Aktivitäten statt, die von Juroren entschieden wurden. Die Konfektion von Trachten mit traditionellen Materialien: Federn, Mahute und Kakaka. Und parallel die Holzbildhauer, die entweder einen Mangai (Angelhaken)  oder einen Reimiro (das Wahrzeichen der Insel, ein Boot mit zwei Gesichtern an den Spitzen, die nennt man Bug und Heck, oder??). Man hatte 3 bzw. 2 Stunden Zeit, um sein Werk zu schaffen. Die Trachten durften Zuhause vorbereitet werden, müssen dann vor Ort aber fertig gestellt werden. Es durften Nähmaschinen, Scheren, Faden, Nadeln, Klebstoff und so weiter benutzt werden, aber man muss eigenständig arbeiten und keine Hilfe von anderen Leuten erhalten. Die Schnitzer bringen das Holz ihrer Wahl und ihr eigenes Werkzeug mit. Es werden keine elektrischen Maschinen erlaubt.

Als die Zeit um war, wurden die Werke auf Tischen ausgestellt und die Juroren traten an, um sich ein Bild zu machen. Jessica unsere Schneiderin belegte den dritten Platz mit ihrem Federwerk, und auch in Mahute und Kakaka erhielten wir Plätze, dennoch gewann insgesamt Weiß mit mehr Punkten. Auch bei den Holzarbeiten hat Weiß gewonnen.

Bei den Schnitzern mussten auch die beiden Aitos mitmachen und einen Angelhaken schnitzen. Fer hat verloren und ich fand es ausnahmsweise gerechtfertigt. 😛
Abends war dann der von vielen Rapanui heiß ersehnte Koro Haka Opo dran. Das ist ein Liederabend bei dem jede Seite einen Chor zusammenstellt, abwechselnd muss jede Seite je zwei Lieder singen. Jede Seite hat ihre eigenen Musiker und wer tanzen will, darf tanzen, es wird geklatscht und improvisiert. Es wird so lange gesungen, bis eine Seite ein Lied singt, dass bereits gesungen wurde. Da dies manchmal die ganze Nacht dauert und sich bis in die frühen Morgenstunden zieht, halten sich die Teilnehmer mit Drinks bei Laune. Sie werden also immer geselliger und fröhlicher. Kein Wunder, dass sich alle auf den Koro Haka Opo freuen. 😉 Und es ist obligatorisch in festlicher Kleidung teilzunehmen. Dieses Jahr haben sie ein Maximum von 4 Stunden festgelegt und schließlich über die Juroren entschieden. Das Ende habe ich gar nicht mehr mitbekommen, weil ich um Mitternacht gegangen bin. Wenn man die Texte nicht versteht, klingt alles gleich. Am Ende gewannen Tahiras Leute.

Tag 7:

Donnerstag früh fanden alle möglichen Wettkämpfe parallel statt. Ich bin auch diesmal nicht hingegangen, obwohl es mich durchaus interessiert hätte, es zieht sich nur immer alles so in die Länge! Es waren wieder allerlei Handarbeitsaufgaben dran: Muschelketten, Blumenkronen, traditionelle Hüte (also aus Naturmaterialien, meist geflochten und gesteckt), sowie das Schnitzen von Rongo Rongo Tafeln. Von allen polynesischen Völkern sind die Rapanui die einzigen, von denen man annehmen kann, dass sie eine Schrift hatten. Man hat zwei (?) Holztafeln entdeckt mit Hieroglyphen, die bis heute nicht enträtselt sind. Das wäre was für Ephra, gell? Willst du dich mal dran probieren?? Auf jeden Fall war das Schnitzen einer solchen Tafel auch dabei. Ob es dabei egal ist, welche Zeichen die Bildhauer nehmen, weiß ich nicht, es würde ja bedeuten, dass da reiner Blödsinn steht. 😛 Vermutlich geht es nur um die kunsthandwerkliche Qualität des Exponats.

Abends mussten die vier Kandidaten auf den Catwalk und Kleidung aus Kakaka und Federn präsentieren, über diesen Wettkampf hatte ich schon berichtet.

Tag 9:

Tag 8 war ja die Famose Hokonacht, in der die Stimmung ihren Höhepunkt erreichte. Der Tag danach war wettkampffrei und Vero und einige anderen aus Tahiras Spitze nutzten den Tag, um eine offizielle Beschwerde bei der Wettkampfkommission einzureichen, während am Strand von Anakena ein Umu und ein Fest für „das Volk“ veranstaltet wurde. Da gab’s umsonst Essen, Trinken, Musik und Shows, aber auch das habe ich mir gespart. Anakena an einem solchen Tag zu besuchen ist nur für Leute, die Massenbaden genießen, man sieht den Sand vor lauter Haut nicht mehr.

Sonntag, Tag 10

Haka Pei

Dieser Wettkampf ist, wie der Vulkantriathlon, eine Legende. Er findet am Maunga Pui statt, einem der steilsten Hügel der Insel. Die Sportler müssen Bananenstämme den Hang hochschleppen, um sich aus jeweils zwei Stämmen einen Schlitten zu bauen. Auf diesem rutschen sie in einer selbstmörderischen Geschwindigkeit den Hang hinunter. Wer am weitesten rutscht, gewinnt. Der Wettkampf selbst besteht nur aus der Abfahrt, die Vorbereitung der Schlitten muss aber vor Ort erfolgen.

Letztes Jahr ist ein Teilnehmer schlimm verunglückt und hat bis heute mit den Folgen zu kämpfen, weshalb der Wettkampf nur noch der Tradition halber fortgesetzt wird, nicht aber in die Bewertung der Teams einfließt. Mit dem Fahrrad sind Hugo, der ebenfalls bei Tahira mit aushilft, und ich die Strecke zum Pui geradelt und dann den Hügel hochgestiegen, um den Schlittenbau zu betrachten.

Die Steigung des Hangs war furchteinflößend und ich fragte mich, wie es überhaupt erlaubt sei, diesen Wettkampf zu veranstalten. Da es zu steil war, um von dort oben die ganze Strecke einzusehen, stiegen wir zur Hälfte wieder ab. Doch auch von dort aus sah man die Schlitten schlecht, da das Gras zu lang war. Als wir schließlich einen guten Platz hatten, endete die ganze Veranstaltung bereits, denn aufgrund der Tatsache, dass es eine Spaßveranstaltung war, hatten weniger Leute teilgenommen. Nichts desto trotz fand ich den Ausflug lohnend. Der Ausblick über die Insel hat gut getan und auch die sportliche Anstrengung 🙂

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Ich will noch eine Frage beantworten, die mir zugeschickt wurde. Ja, die Sieger bekommen eine Krone und sind für ein Jahr Königin und König. Die Krone der Königin sieht aus als wäre sie aus Lebkuchen 😛 Abgesehen von der Freude dieses Fest zu gewinnen, bekommen sie aber auch noch einige Preise, über die ich mich erst noch informieren muss, aber in der Vergangenheit war es ein Preisgeld, eine Reise oder ein Auto. Wie das jetzt ist, wo immer zwei Personen gemeinsam antreten, weiß ich nicht. Bei vielen Wettkämpfen erhalten die Teilnehmer unabhängig vom Ausgang der Tapati als ganzes für die ersten Plätze Preisgelder. Diese sind teilweise recht hoch, bis zu 1500€ ist was dabei.

Die Lebkuchenkrone der amtierenden Königin 😛