Gestern früh war ich noch zu müde, um rechtzeitig zu dem nächsten Wettkampf, der „Pesa agricola“ zu gehen. Bei diesem Wettkampf werden alle mögliche Obst und Gemüsesorten gewogen und gemessen. Es wäre sicher interessant gewesen, denn die Teilnehmer sind allesamt Riesen. Die größten und üppigsten Wassermelonen, Süßkartoffeln, Bananen, Maniok, Taros etc und sicher wären Sachen dabei gewesen, die ich noch nie gesehen habe. Ich habe stattdessen mit Mera, Felipe, Tea und Noa gechillt, die seit Mittwoch wieder da sind.

Am Nachmittag bin ich zu Tahira gefahren und habe etwas ausgeholfen, da die Trachten für die Jugendlichen in Verzug steht. Hotus Mutter, Su, war mit diesen beauftragt und hatte sowohl aus dem Design, als auch dem Fortschritt wochenlang ein Geheimnis gemacht. Als letzte Woche Vero, die Obfrau, zur Besichtigung war, fielen ihr fast die Augen aus dem Kopf. Sie meinte das Design könne sogar zur Disqualifikation der Jugendgruppe führen, da zu viel Stoff sichtbar sei. Die Trachten fließen zwar nicht in die Bewertung ein, aber wenn die Trachten nicht dem historischen Gedanken gerecht werden, sei das wohl Grund genug für die Disqualifikation. Es wird also wieder improvisiert. Su änderte das Design, doch bei der nächsten Kontrolle befand Vero es immernoch für ungenügend. Inzwischen ist die Zeit so knapp, dass jede einzelne Teilnehmerin ihren Rock selbst mit den Muscheln verzieren muss. Als letzte Änderung müssen nun auch noch alle Röcke und BHs mit Federn verziert werden…Ayayay…
Wie auch immer, parallel zu dem Gewusel hinter den Vorhängen laufen alle Wettkämpfe weiter und was soll ich lügen, bisher liegen wir in allen Kategorien hinter den Weißen.
Das Obst und Gemüse hat wohl einigen Vorsprung wieder gutgemacht. Auch bei der Körperbemalung der Kandidaten, die stattfand während wir uns auf unseren Tanz vorbereitet haben, haben Tahira und Fer gewonnen. Doch in beinah allen anderen haben wir verloren, bzw nicht die entscheidenden Ränge belegt. Es gilt bei allen Wettkämpfen eine andere Regelung. Es kann vorkommen, dass die Punkte des 2. und 3. Platzes zusammen mehr ergeben, als der 1. Platz. Oder nur der Erstplatzierte geht in die Bewertung ein.
Am Abend fand das Takona für die Mitstreiter der Kandidaten statt. Fünf Personen pro Team. Sie müssen in einer artistischen Darstellung die Bedeutung ihrer Bemalung erläutern, so wie neulich Tahira und Fer. Es gewannen die Weißen.
Am Tag 5 in der Früh fand das Pferderennen statt. Außerhalb Hanga Roas auf einer Piste an der Südküste finden die Rennen von 500 und 700 Metern statt. Immer nur der 1. zählt für die Punkte der Kandidaten und wieder hat von 12 Rennen Team Rot nur 2 gewonnen. Laut Vero hatten wir diesen Wettkampf schon sicher gewonnen. Aber der Besitzer, dessen Pferde sonst immer gewinnen, hatte in letzter Minute beschlossen doch für die andere Seite anzutreten, obwohl er im Vorfeld versprochen hatte für Tahira anzutreten.

Die Jockeys, die Hälfte davon Kinder, galoppiert ohne Sattel ins Ziel und es wechselten meist nur die Pferde für das nächste Rennen. Ein Junge insbesondere gewann die Mehrheit der Rennen und wurde gebührend bejubelt.
Am Nachmittag fanden zwei Wassersportarten statt. Das Haka Ngaro und das Haka Honu.
Beim Haka Ngaro müssen die Teilnehmer auf den Totora-Floßen, die bereits im Vulkankrater benutzt wurden, die Wellen reiten. Sie legen sich auf ihr Floß, dürfen die Arme benutzen, um eine gute Welle zu nehmen und müssen dann so weit wie möglich ans Ufer surfen. Sie dürfen dann nicht mehr die Arme benutzen und es gewinnt derjenige, der es ans Ufer schafft, bzw am nächsten dran ist.

Beim Haka Honu ist es das gleiche nur ohne Floß. Mit reiner Körperspannung müssen die Jungs die Wellen reiten. Es ist die Königsdisziplin, weil wieder die Arme nicht benutzt werden dürfen. Die Jungs sind alle sehr athletisch und das Publikum besteht überwiegend aus sabbernden Damen, die sich an den muskulösen Herren sattsehen und anschließend alle ein Foto mit ihnen haben wollen. Ich muss sagen, dass ich vor lauter Haut, die hier täglich zu sehen ist, sowohl bei den Frauen, als auch den Männern, gar nicht mehr so darauf achte. Ich weiß noch wie unangenehm es mir früher war, diesen ganzen Shows beizuwohnen, weil ich es komisch fand so viel Nacktheit zu betrachten.

Am Abend war dann die Spannung groß. Es waren der Tanzauftritt der Kinder, ein Gesang namens Rio, sowie der Tango Rapa Nui dran. Und wir hofften sehr in allen zu gewinnen, um wieder etwas aufzuholen.


Doch beim Rio, der wie die Himene Ute, nur von einem Chor ohne Instrumente und im Sitzen oder Stehen gesungen wird (es handelt sich um Lieder der Trauer oder starken Gefühle) verloren wir mit zwei Punkten, und den Auftritten der Kinder um einen. Ich fand tatsächlich den Auftritt der weißen Kinder schöner, aber natürlich möchte ich trotzdem, dass Tahira aufholt und die Arbeit der letzten Monate belohnt wird.


Im Tango, der in den 30er Jahren auf die Insel kam und adaptiert wurde, traten zuerst nur die Kandidaten an und anschließend je fünf Paare pro Seite.
Bei den Kandidaten sind Tahi und Fer als Sieger hervor gegangen und bei den Restlichen habe ich zwar die Punkte alle mitgeschrieben, aber noch nicht summiert; grob überschlagen wird es sehr eng, aber doch eher für uns, als die Weißen…
Es heißt also nicht aufgeben und weiter kämpfen, es kann immernoch viel passieren und vor allem der letzte Tag wird entscheiden, wenn der große Umzug ist.




oh je wie spannend- ich drück euch die Daumen – schön dass du uns auf dem laufenden hältst 🙂