Heute ist ein besonderer Tag für mich. Am 5.12.16 bin ich in Frankfurt in den Flieger gestiegen und habe meine Wanderschaft begonnen. Kein Geld in der Tasche bis auf 200 Euro für den Notfall, stolz meine Kluft tragend und einen Rucksack mit knapp 12kg.
Es heißt die Wanderschaft solle drei Jahre und einen Tag dauern. Der eine Tag steht symbolisch dafür, dass man die Wanderschaft auch verlängern kann. Manche Schächte halten es mit zwei Jahren und einen Tag, damit hatte ich auch damals gerechnet. Nun sind es eben doch drei Jahre – und ein Tag…und noch einer. Und noch einer… 😀
Losgehen ist schwer, Heimkommen ist noch viel schwerer. Sagen sie einem bevor man losgebracht wird und sich vor lauter Schiss in die Hose macht. Dass es noch schlimmer kommen kann als beim Losgehen, kann man sich in der Lage gar nicht vorstellen. Nun, wo ich das Losgehen ja schon längst geschafft habe und vor dem Heimkommen stehe, kann ich das schon besser verstehen. Ich habe mal wieder die Hose voll. Die 200 Euro sind da aber auch noch. Ich habe sie nicht gebraucht.
Hier ein fotografischer Rückblick auf die letzten drei Jahre. Als kleine Interlüde bevor ich dort weitermache, wo mein letzer Bericht endete; zwischen Vanuatu und Indonesien.

Haha, wenn ich das jetzt so sehe. Ist schon interessant wie sich mein Gepäck in den letzten drei Jahren immer wieder verändert hat. Niemand braucht drei Paar Schuhe.

Mitarbeit bei den Vorbereitungen für das Tapati auf der Osterinsel. Meine Aufgabe: fast 400 Federkronen basteln.

Die von mir unterstützte Kandidatin gewinnt nach viel Zittern und Bangen am letzten Tag den Wettkampf. Fiesta!

Krasser Wechsel von der Osterinsel hierher. Der Gletscher Perito Moreno in Argentinien mit meinem Stiefvater Thomas. Das ist für mich der softe Übergang ins Unbekannte, danach bin ich auf mich selbst gestellt und in völlig unbekanntem Terrain. Und ach herr je, das erste mal per Anhalter fahren steht mir bevor! Ich mach mich ganz nass vor Angst. Und verrückt, damals waren meine Haare noch ganz hell.

Ich habe mich getraut und es läuft sowas von gut. Seit jenem Tag habe ich Tausende von Kilometern per Anhalter zurück gelegt. Auf dem Land – und auf dem Meer. Ich habe Menschen kennengelernt, die ich sonst nicht kennengelernt hätte und Orte, die ich sonst nie angesteuert hätte. Es macht SÜCHTIG!

Ich will eigentlich rüber nach Chile, als ich im Grenzdorf Los Antiguos einen Job für die nächsten vier Wochen finde. Ganz nebenbei bringt mir mein Auftraggeber Gerardo ein wenig das Windsurfen bei, bei unterirdischen Temperaturen.

Patagonien ist vorbei. Ich erreiche die legendäre Carretera Austral, die Verlängerung der Panamericana, die bis hoch nach Alaska führt. Nur leider vertreibt mich der Regen schon nach einer Woche wieder auf die trockene Argentinische Seite.

Ich lerne die wunderbare Familie von Falka und Franko und ihren zwei Kindern kennen und helfe ihnen vier Wochen beim Bau ihres Hobbithauses. Es ist nach den Wochen auf der Straße auch immer wieder schön ein paar Wochen an einem Ort zu sein.

Erst Mendoza, dann Santiago, jetzt Valparaíso. Bei Udo, einem Deutschen, kann ich vier Wochen im Wald verbringen und beim Bau seines tollen Hauses aus recyclten Materialien helfen während ich nach einem Boot zur Osterinsel suche. In ein paar Wochen ist die Hochzeit meines Vaters in Tahiti und die möchte ich natürlich nicht verpassen.

Zwar nicht mit dem Schiff, aber dennoch nicht auf eigene Kosten, habe ich es doch ernsthaft zur Osterinsel geschafft. Wieder arbeite ich an mehreren Baustellen und in meiner Freizeit entdecke ich ein neues Hobby: Rudern. Ich verliebe mich schnell in die polynesische Variante.

Dass ich das noch erleben darf, die Hochzeit meines Papas 😀 Eine wunderschöne Feier mit wundervollen Menschen an einem wundervollen Ort. Ich habe es sogar ganz pünktlich geschafft – mit meiner ersten Anhalterfahrt per Segelboot.

Foto: Dietmar Quist
Der Oktober ist der Suche nach einem Segelboot Richtung Westen gewidmet. Ich bin spät dran, die meisten Segler sind schon vor den nahenden Zyklonen geflüchtet. Aber ich habe, wie so oft, Glück und finde ein Boot, dass mich nach Tonga bringt. Ein neues Kapitel beginnt für mich: miri on the boat.

Mit der MANIHIKI segel ich bis Samoa. Von dort geht es nach Tonga, wo ich Andi und die KAMA treffe, die mich nach Neuseeland bringen sollen. Das hat ja soweit gut geklappt, dank Franzi aus Tahiti, der mich mit Andi in Verbindung gesetzt hat. Andi ist zu dem Zeitpunkt noch ein Fremder für mich. Die Risikobereitschaft hat sich ausgezahlt. Hier trinke ich das erste Mal Kava, das schmeckt wie Spüli und macht auch noch die Zunge taub.

Die KAMA hat mich nach Neuseeland gebracht und steht jetzt an Land. Ich darf auf ihr leben und auf sie aufpassen während der Kapitän in Deutschland ist. In der Werft finde ich schnell Freunde und wir feiern unvergessliche Weichnachten.

Und ich brauche Mäuse. Das trifft sich gut, ich finde auf mehreren Booten Jobs und arbeite sogar in meinem Metier. Das tut soooooo gut!

Im Februar kommen meine Mutter und Thomas mich in Neuseeland besuchen und mit einem Campervan erkunden wir die Südinsel. Kann man mal machen, muss aber keiner von uns wiederholen, hihi. Aber das Wiedersehen war natürlich schee.

Unverhofft kommt oft. Ich dachte nicht, dass ich so schnell wieder in Deutschland bin, aber für vier Wochen hatte ich das Vergnügen Freunde und Familie zu besuchen. Ein völlig neues Erlebnis war es durch das eigene Heimatland zu reisen. Ich wurde in jeder Hinsicht positiv überrascht.

Von all den Menschen, die sagten, dass sie mich unterwegs besuchen, haben diese es tatsächlich geschafft! Für ein paar Wochen bereisten wir abermals die Südinsel Neuseelands und ich erlebte sie diesmal auf andere Art und Weise. Damit kann ich jetzt zufrieden das Kapitel abschließen.

In Neuseeland lernte ich einen Mann kennen, der mir ein Projekt in Alaska vorschlug. Ich nahm begeistert an und traf im Mai gemeinsam mit Jordy auf SCORPIUS ein. Sie sollte für drei Monate unser Zuhause werden. Alaska war toll. Nur die Zeit auf Scorpius wurde im Laufe der Zeit eine Enttäuschung.

Früher mochte ich keinen Fisch. Jetzt fing ausgerechnet ich den größten Fisch den die Alaskische Heilbuttflotte zur Verfügung stellte. Inzwischen esse ich eigentlich gar kein Fleisch mehr, nur noch Fisch. Wenn das mal nicht komisch ist….

Wir warten und warten auf den Auftrag der Küstenwache. Das Boot ist inzwischen von Jordy und mir rundumsaniert worden und wir kommen doch noch in den Genuss von ein paar Fahrten. Das ist eine kleine Entschädigung für die ansonsten nicht erfüllten Erwartungen an diese Reise.

Ich werde wohl ein andern Mal wiederkommen müssen und mir das Land unter anderen Bedingungen anschauen müssen. Den Köder habe ich auf jeden Fall angebissen 😀

Nach Alaska habe ich erstmal die Schnauze voll und brauche dringend einen Richtungswechsel. Auf einmal sind auch die Haare ab.

Wenn ich ein wenig die Orientierung verloren habe und nicht weiter weiß, dann hilft mir eines IMMER: allein loswandern und in die Natur gehen. Wandern. Einsamkeit. Das bringt wieder Ordnung in die Gedanken. Wie eine Pilgerung.

Juhu, Andi ist wieder da! Nach einem Jahr Deutschland ist Andi nun wieder auf der KAMA in Neuseeland und wird gleich den neuen Freunden vorgestellt. Man wird sich auch in Zukunft immer wieder begegnen….

In Australien lerne ich das Farmleben kennen und beschäftige mich mit der Permakultur. Ich fühle mich auf diesem Kontinent wohl, lerne Land und Leute lieben.

Nach zwei ein halb Monaten Arbeit auf Farmen und im Bau, sehne ich mich wieder nach Einsamkeit, Selbstbestimmung und Natur. Ich starte einen Roadtrip zu meinem nächsten Ziel: ein Kletterberg in Südwest Victoria.

In Mount Arapiles verbringe ich vier Wochen und gehe zum ersten Mal RICHTIG klettern. Ich lerne wunderbare Menschen kennen und der Fels lehrt mich viel über mich selbst.

On the road again mit Ziel Ostküste, aber nicht ohne vorher etwas roten Sand zwischen den Zähnen knirschen zu lassen. Ich fühle mich wohl in dieser Wüste und bei ihren Menschen, den Aborigines. Ich werde überall freundlich behandelt und werde immer wieder mit wunderbaren Erlebnissen und neuen Freundschaften überrascht.

Wieder suche ich ein Boot, diesmal nach Vanuatu, wo ich mit Andi verabredet bin, um Richtung Westen zu segeln. Ich verbringe vier schöne Wochen an der Küste und suche mit vielen tatkräftigen Helfern nach einem Boot. Am Ende hat die Suche Erfolg!

Zu dritt auf einem Katamaran segeln wir von Australien nach Vanuatu. Wir stoppen auf Lord Howe und in Neukaledonien. Leider alles viel zu kurz.

Ich habe es geschafft! Mir gelingt das Treffen mit der KAMA und zur großen Überraschung ist auch Sunny dort. Da lacht das Herz. Ab jetzt geht es Richtung Heimat.

Nach vier Wochen auf See erreichen wir Westtimor. Das Einklarieren ist so kompliziert wie nirgendwo, dafür wollen die Offiziellen ein Foto mit uns. Drei Wochen später haben wir endlich alle Papiere zusammen und sind endlich offiziell im Land.

Still und heimlich habe ich mich für einen Monat nach Australien gestohlen. Als Begründung muss hier vorerst reichen, dass es hier Aldi gibt und ich neuen Nachschub an Tomatenfisch und Schokolade fürs Boot besorgen soll.

Ein letztes Atoll auf der Barfußroute der Weltumsegler. Die ursprüngliche Bevölkerung ist malayischen Ursprungs und geht in die Moschee, heute gehört die Insel aber politisch zu Australien. Die Malayen dürfen weiterhin in die Moschee und die Ozzies verballern hier ihre Staatsgelder in einem Riesenschiff, das zur „Grenzsicherung“ vor der Bucht im Kreis fährt.

Die kleinere Insel Rodrigues hat mir insgesamt mit ihrer Ruhe und Authentizität besser gefallen als das kosmopolitische Mauritius, aber die Landschaft ist hier tatsächlich um einiges schöner.

Madagaskar musste sein, schließlich waren da vor hunderten Jahren die Piraten. Das muss ich sehen!!!
Leider wieder viel zu kurz, denn es hat mir sehr gefallen.
Liegt wohl am guten Rum und an den schönen Frauen. Das wussten schon die Piraten.

Und wie ich hörte, heißt es: Ende gut, alles gut und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende.
Frohe Weihnachten und Cheers!
Sieht toll aus!!!! Ganz dicke Umarmung aus Deutschland.
Alles Liebe <3
Narîn
Hey miri!
Frohe Weihnachten von der peruanischen Küste, wo ich gerade ohne Strom, fließend Wasser und Improküche mit vier wundervollen Menschen im Zelt wohne. Als ganz erster Schritt zum Aufbau einer Permakultursiedlung.
Ich hab vor, spätestens Mai/ Juni dann durch Deutschland zu trampen um erstmal alle zu besuchen. Wäre wundervoll, wenn ich dich dann auch sehen könnte um ein wenig zu quatschen 🙂
Gruß von der kleinen Ameise, die es gerade von meinem Handyrand auf meinen kleinen Finger geschafft hat.
Eva