Vanuatu, ein Inselstaat im Südwest-Pazifik war mein Treffpunkt mit Andi und der Kama. Vanuatu stellte sich in den nächsten Wochen als heimlicher Höhepunkt meiner Reise heraus. Ein wunderbares Land mit noch tolleren Menschen….Jederzeit wieder!Treffpunkt für uns war die Haupstadt Vanuatus, Port Vila, auf der Insel Efate. Die vierte größere Insel von unten. Von dort aus besegelten wir Vanuatu Richtung Norden, ehe wir von Ureparapara aus Richtung Australien starteten.Doch zunächst gab es ein Abschiedsessen und Abschiedsausflug mit Francis und Nick von LOGIC, dank derer ich es bis Vanuatu geschafft hatte.Und ein letzter Ausflug mit den beiden zu einem absolut menschenleeren Superstrand.Auf meinen Erkundungstouren zieht es mich stets zu den Märkten. Sie sind für mich immer ein großartiger Einblick in das Lokalleben. Das Angebot ist üppig und die Marktfrauen geben sich eine unglaubliche Mühe ihre Produkte zu präsentieren. Alles wir fein gestapelt, überall sitzen die Ladies und flechten Körbe und sortieren Blätter in denen, statt mit Plastik, die Produkte eingewickelt werden können. Schlecht zu erkennen: lebendige Hühner in geflochtenen Körben. Frischer geht wohl kaum. Aber Schlachten muss man selber. Das können in Deutschland wohl nicht mehr viele. Hier ist das Allgemeinwissen.Tropische Blätter statt Plastikteller. Überall sehe ich, wie man natürliche Materialien als Verpackungsmaterial oder Haushaltsmittel verwendet und staune wie einfach man eigentlich auf toxische Abfälle verzichten kann. Was eigentlich „steinzeitlich“ ist, wird in so mancher Metropole heutzutage wieder aufgegriffen und als besonders fortschrittlich dargestellt. Nur was passiert in Vanuatu? Die Leute fangen an mehr Kunststoffe zu benutzen…!!! ARGH! Auch gebaut wird hier noch auf die alte Weise und eine Einrichtung gibt es nicht. Nach einem letzten Einkauf sind auch wir bereit für die Abfahrt aus der Hauptstadt. Statt Kartoffeln, die wir hier nicht gefunden haben, gibt es bei uns demnächst Maniok, Taro und Süßkartoffel.Auf unserem Weg nach Norden stoppen wir auf der einen oder anderen Insel und erleben die freundlichsten Menschen, die ich je gesehen habe. Man wird nicht belagert, aber auch nicht ignoriert, man fühlt sich überall willkommen. Die Menschen leben einfach, aber sauber, halten ihre Höfe und Häuser besenrein. Es wird noch viel in der Gemeinschaft gemacht und die Leute betreiben mit uns seglern Tauschhandel. Angelbedarf, Zigaretten, Batterien, Kleidung, Medizin, gegen Obst und Gemüse, Schnitzwaren, Fisch…Kaum liegt der Anker, kommen schon die ersten Neugierigen mit dem Einbaum-Kanu. Diese schmalen Kanus, werden aus einem einzigen Baumstamm geschnitzt und bekommen einen Ausleger für die Stabilität.Am Abend wenn die Menschen von ihren Plantagen kommen, wird auf dem Dorfplatz Volleyball oder Fussball gespielt. Wer will kann mitmachen.Wir treffen zum „Welt-Kindertag“ in Ureparapara ein und werden Teil der Festlichkeiten. Den ganzen Tag finden Aktivitäten mit und für die Kinder statt. Andi, der noch von seiner jüngsten Tochter Kelsey allerlei Kleidung und Spielzeug hat, verteilt hier seine Gaben und findet glückliche Abnehmer.Diese beiden spielen mit einer Motte. Die Motte wird an einem Bindfaden Gassi geführt.Ich laufe gerne durch die Dörfer und bestauene die Architektur aus Naturbaustoffen. Ein riesiger Schatz an Handwerkskunst ist noch in diesen Gemeinschaften vorhanden. Mein Favorit: eine Bambushochaus.Diese Dame fertigt gerade die Dachlagen an. Jeder Palmwedel wird einmal um den Stab geklappt, dann mit einer dünnen Holznadel (der Blattrücken eines anderen Palmwedels) fixiert, so dass sich jede Reihe mit der nächsten überschneidet.Gekocht wird noch auf dem Feuer.Bei Ankunft in einer neuen Bucht, kommen nicht selten die Dorfhäuptlinge als erstes zu besuch. Sie wollen einerseits den besten Tauschhandel für sich ergattern, andererseits die Gäste willkommen heißen. In Ureparapara gibt es 10 Häuptlinge. Den Häuptlingstitel erkauft man sich. Wer wohlhabend ist, kann Häuptling werden. Dazu bedarf es vieler Schweine, die hier als besonders wertvoll gelten. Der erste Häuptlingstitel kostet mindestens 15 Schweine, wobei jedes Schwein mindestens 15 Jahre alt sein muss, das ist nicht wenig. Und wenn was dazwischen kommt, wie eine Hochzeit oder eine Beerdigung, bei der auch Schweine erwartet werden, kann man von vorne anfangen….Dann gibt es noch Häuptlinge unterschiedlicher Ränge. Der höchste Rang ist der fünfte. Derjenige hat sich also fünf mal einen Titel erkauft. Hier besucht uns einer der Häuptlinge mit seinem Sohn und spielt ein Willkommensliedchen auf meiner Ukulele.Dieser Pirat läuft mit uns durchs halbe Dorf, um uns ein paar Kokusnüsse zu schenken.Die Kokosnuss ist eine der wichtigesten Ressourcen auf den pazifischen Inseln. Die Fasern dienen als Brennstoff oder als Pflanzenmulch, die jungen Nüsse werden getrunken, denn Trinkwasser ist auch manchmal knapp, die älteren Nüsse haben schon festes Fleisch. Daraus kann man Kokosmilch pressen und das Fleisch raspeln, was in fast jeder Mahlzeit verwendet wird. Die Schale dient als Teller oder Trinkschale. Nichts wird vergeudet und selbst wenn, dann ist es guter Kompost.So einfach die Behausungen sind, die Menschen sind sehr ordentlich. Wir haben nie Ungeziefer gesehen oder gar Magenprobleme gehabt. Sogar die Wäsche wird mit System aufgehängt.Das einzige an Technik, was die Menschen auf den abgelegenen Inseln haben, sind Handies. Sie nutzen Solarenergie zum aufladen. Sie brauchen auch weiter nichts, denn sie haben alles was sie brauchen.Die Währung wird gefüttert.Auf manchen Durfplätzen sieht man diese geschnitzen Pfähle. Sie stellen Häuptlinge dar, je mehr Masken auf einer Stele, desto höher der Rang des Häuptlings. Die Pfähle sind am unteren Ende ausgehöhlt und um das Dorf zusammenzurufen, wird mit Stöcken auf den Pfahl getrommelt. Je nachdem wie getrommelt wird, wissen die Menschen, um was es geht. Sei es eine Warnung, oder eine Versammlung, der Gottesdienst oder etwas anderes.Ebenfalls sehr wichtig ist der Kava. Ein nach Abwasser aussehendes und auch schmeckendes Getränk, dass dir kurzzeitig die Zunge lähmt, aber ansonsten belebende Eigenschaften haben soll. Je nachdem, wo man sich im Pazifik befindet, sind die Rituale um den Kava anders. In Fiji beispielsweise muss man jedem Häuptling etwas Kavawurzel schenken und mit ihm Kava trinken, ehe man bleiben darf. Hier in Vanuatu geht es etwas anders zu, es ist nicht so reglementiert. Eigentlich bereitet jeder am Nachmittag Kava für den Abend vor und es gibt kleine Kavabars, die eine Familie nutzen kann, um dort für einen bestimmt Zweck Geld zu verdienen. Beispielsweise für das Studium eines Kindes, oder für eine Operation. Man schenkt dann den Kava aus und alle, die dort einen mitsaufen sponsern einen bestimmten Zweck. Wichtig ist nur, dass man das Gesöff in einem Rutsch runtergießt, es ist nicht erlaubt sich das Erlebnis in kleinen verträglichen Schlückchen zu gönnen. Die Frisuren der Frauen sind unglaublich kunstvoll und ganz spontan bekomme ich auch eine verpasst.Die Hausaufgaben werden noch schnell erledigtund dann ab in die Schule, wo meist ein paar Jahrgänge in einem Raum gemeinsam Unterricht haben. Was ich mitbekommen habe, ist der Unterricht auf Englisch und dem Vanuatu Pigeon-Englisch, Bislama.Alle Kinder, die wir erlebt haben, waren neugierig aber respektvoll, wirklich gut erzogen und äußerst lieb. In Port Vila leisten wir uns eine Touristenshow. Eine beeindruckende Feuershow mit Musik und Tanz.Und weil ich ja so gerne wandern gehe, verdonnere ich Andi zu einer Wanderung entlang der Küste mit einem Abstecher in heißen Becken direkt am Strand.Dieses Becken kriegt aus der Erde heißes Wasser. Die Inseln sind vulkanisch.Auf Santo, einer der größeren Städte, fahren wir ein paar Meter den Fluss hoch. Es ist ganz idyllisch.Und die Jugendlichen haben einen Platz in der ersten Reihe. Die Menschen in Vanuatu sind für mich mit die entspanntesten Geschöpfe des Pazifiks. Immer wird gelächelt, nichts wird mit Hast erledigt, sie ruhen in sich, sind ehrlich und hilfsbereit. Selbst in den Behörden spiegelt sich diese Lebenseinstellung wieder. Es gibt immer einen Grund nicht zu arbeiten, das ist auch völlig überbewertet.Einen recht großen Schreck verpasst uns eines Morgens eine Wasserschlange, die es geschafft hat sich über den Aussenbordmotor ins Dinghy hinein zu mogeln. Es ist das erste Mal, dass ich eine Wasserschlange sehe, und ich habe auch nicht wirklich mit einer gerechnet, darum mache ich erstmal einen Satz in die entgegengesetzte Richtung. Wasserschlangen sollen ja die schlimmsten von allen sein, weiß mein gefährliches Halbwissen. Doch auch die Schlange verpieselt sich schnell und wir erfahren im Nachhinein auch nur gemischtes: die einen sagen, ja die können beißen, aber das ist nicht tödlich, die anderen sagen, ja die ist tödlich, aber ihr Gebiss sei zu klein, um einen Menschen zu kneifen….Wie auch immer, ich halte lieber Abstand. Wir sehen tatsächlich auch später bei unseren Schnorchelausflügen noch einige.Vor der Abreise aus Vanuatu heißt es noch ein paar Bootsarbeiten erledigen, unter anderem ein Ausflug in den Mast. Das gibt einen tollen Ausblick auf unsere Lagune, einen alten Vulkankrater.Und natürlich unser legendären selbstgebackenes Roggenbrot.Und ein neuer Fahnenhalter. Eine Maske, Häuptling ersten Ranges quasi. Und das sogar ganz ohne Schwein, Schwein gehabt! Jetzt geht es auf nach Indonesien!